Renitent erfolgreich: Dietrich Hollinderbäumer

Der Schauspieler Dietrich Hollunderbäumer 2018 in seinem Wohnort Berlin.
Der Schauspieler Dietrich Hollunderbäumer 2018 in seinem Wohnort Berlin.
Foto: dpa
Dietrich Hollinderbäumer? 'Kenn ich nicht', würde der Durchschnitts-TV-Zuschauer wohl auf die Frage antworten, wer das sein soll. Wäre er dagegen im Bild zu sehen, hieße die Antwort wohl eher: 'Na klar, der renitente Opa aus der ZDF heute-SHOW.'

Kein Wunder also, dass Dietrich Hollinderbäumer auf der Straße schon mal als "Ulrich von Heesen", angesprochen wird, der bei seinen Kurzauftritten als Korrespondent in der heute-SHOW Klartext zum Weltgeschehen redet und Moderator Oliver Welke immer noch ordentlich einen mitgibt (hören Sie mal Welke...).

Leicht gereizt bis stark genervt ist Hollinderbäumer eigentlich immer bei seinen knackigen Kurzauftritten im TV. Egal, ob er in der Satire-Show aus dem Studio-Ausland zugeschaltet wird, sich bei "Pastweka" als muffeliger Vater über seinen Sohn Bastian ärgert, oder wie jetzt in der ZDF-Reihe "Nord Nord Mord" gemeinsam mit Rolf Becker und Dieter Hallervorden vor der Polizei flüchten muss: Wenn Hollinderbäumer auftritt, wird's in der Regel laut und immer sehr unterhaltsam.

"Nord Nord Mord: Sievers und die Tote im Strandkorb"

Im zehnten Sylt-Krimi "Nord, Nord, Mord: Sievers und die Tote im Strandkorb" (bis zum 25. Juli in der ZDF-Mediathek) ist der Berliner mit schwedischem Pass wieder in seinem Element und macht Kommissar Carl Sievers (Peter Heinrich Brix) als renitenter Seniorenheimbewohner das Leben schwer.

Ein typischer Auftritt von Hollinderbäumer, der schon seit den 90er Jahren, also lange vor seinem ersten Auftritt in der heute-SHOW, regelmäßig im TV zu sehen ist. Hollunderbäumer war mit 12 Auftritten in verschiedenen Rollen quasi ein festes Ensemble-Mitglied im "Fall für zwei", spielte in zahlreichen "Tatorten" und anderen Krimi-Reihen mit und war 2004 auch im deutschen Oscar-Kandidat "Der Untergang" von Oliver Hirschbiegel zu sehen.

Nord Nord Mord – Sievers und die Tote im Strandkorb

Immer mit hohem Wiedererkennungseffekt, nicht nur aufgrund seiner unverwechselbaren Spielweise - auch wegen seiner nahezu unveränderten Optik in den letzten dreißig Jahren. Schon bei seinen ersten TV-Auftritten trug der in Stockholm ausgebildete Theater-Schauspieler die Stirn etwas höher, was dazu führt, dass der heute 76jährige Hollinderbäumer scheinbar nicht altert und wohl für ewig auf Anfang sechzig geschätzt werden dürfte.

Ein Schüler von Ingmar Bergmann

Hollinderbäumer ist das Kind einer schwedischen Mutter und eines deutschen Vaters. Nach Ende des Krieges trennten sich die Eltern und die Mutter zog 1951 mit ihm und seinem zwei Jahre älteren Bruder nach Stockholm. Dort wurde er als junger Mann am Königlichen Dramatischen Theater unter der Leitung von Stig Torslow und Ingmar Bergman ausgebildet. Nach dem Studium ging er nach Deutschland zurück. In den Achtzigern gehörte er fünf Jahre zum Ensemble des Wiener Burgtheaters.

Heute lebt Hollinderbäumer mit seiner Frau (zwei erwachsene Kinder) in Berlin. Trotzdem fühlt er sich noch als halber Schwede und dreht auch ab und zu in Skandinavien, aber: "Dann kriege ich so Rollen wie deutsche Offiziere. Leider, denn ich will ja schwedisch sprechen.“

„Berühmt wirst du mit einer Serie“, hat Inge Meysel, die Mutter der Nation, einmal gesagt. „Oder wenn du so eine Figur in der ‚Heute-Show‘ machst“, sagt Hollinderbäumer. Dass er die bald an den Nagel hängt, müssen seine Fans nicht befürchten. Er will so lange weitermachen, „wie sie mich haben wollen. "Ich hab von Anfang an gesagt: ,Leute, wenn ihr das Gefühl habt, der Opa wird langsam gaga, dann trete ich zur Seite'", sagte er vor zwei Jahren gegenüber der Berliner Morgenpost.