"Big Manni" – Der echte Milliardenbetrug

Die Verfilmung eines der größten Betrugsfälle der Wirtschaftsgeschichte: "Big Manni" (1. Mai, 20.15 Uhr im Ersten) mit Hans-Jochen Wagner in der Hauptrolle.

Die besten Geschichten schreibt immer noch das wahre Leben. Doch diese ist kaum zu glauben: Ein einzelner Mann wickelt mit seinem Charme Banken, Politiker und Leasinggesellschften ein. Er nimmt Kredite für Maschinen auf, die gar nicht existieren und auch nie gebaut werden. Gesamtschaden knapp 5 Milliarden Euro. Im Film "Big Manni" wird die wahre Geschichte von Manfred Schmider und seiner Firma Flow Tex als Satire erzählt. Um auch den Ernst der Lage und das Ausmaß dieses Wirtschaftsskandals zu verstehen, sollte unbedingt im Anschluss die Dokumentation "Big Manni – Big Money" (21.45 Uhr) mit dem echten Manfred Schmider, der jahrelang im Gefängnis saß und heute auf Mallorca lebt, geguckt werden. Beides steht bereits zum Streamen in der ARD-Mediathek bereit.

Darum geht's in "Big Manni"

Ettligen, eine Stadt in Baden-Württemberg Anfang der 1990er: Manfred Brenner (Hans-Jochen Wagner) erklärt mit badischem Akzent und direktem Blick in die Kamera, dass Gott es nicht gut mit ihm meine – schließlich sei er untersetzt und habe schiefe Zähne. Zum Glück verfüge er aber auch über viel Geschäftssinn. Er verkaufte schon als Kind Matchbox-Autos, später Gebrauchtwagen. Dann häufte er sich mit dem Patent einer US-Spezialfarbe ein kleines Vermögen an.

Als er 600.000 Euro Steuern nachzahlen soll, wird er zum ersten Mal kriminell und begeht Versicherungsbetrug. Dann wittert er das ganz große Geschäft: Er will in die Produktion einer neuen Erfindung, dem Horizontalbohrsystem, einsteigen. Manni nimmt Kredite auf, um diese Wundermaschine, die ohne das Aufreißen von Straßen, also ohne Dreck und Verkehrskollaps, Leitungen verlegen kann, zu bauen. Dumm ist nur, dass dieser Bohrer mit den unterirdischen Gegebenheiten, wie Felsen oder anderen Leitungen, nicht klar kommt - also nutzlos ist.

Werbetrailer der Firma Flow Tex

Doch Manni lässt sich nicht entmutigen: Frei nach "Die Leute glauben nicht, was sie sehen. Sie sehen, was sie glauben", initiiert er eine Schmierenkomödie, die es in sich hat. Mit falschen Baustellen, Verträgen und Gutachten, einer Handvoll nutzloser Bagger und ganz viel Charme wickelt er die Banken ein und erhält einen Kredit nach dem nächsten.

Auch Politiker sonnen sich in seinem Glanz. Er tut so, als würde er Maschinen für eine Leasinggesellschaft bauen und zurück mieten. Bei den wenigen Vorführbaggern tauscht er lediglich die Typenschilder aus. Mannis Vermögen wächst, er kauft sich einen Flughafen, Yachten und Villen auf der ganzen Welt. Zu seinem 50. Geburtstag kommen Scheichs und sogar der Bundesminister. Doch wie lange kann er diese kriminellen Machenschaften vor seiner Frau Irene (Nina Gnädig) und seinem alten Klassenkameraden, dem Polizisten Bärlach (Felix Eitner), geheim halten?

Hintergrund

Regisseur Niki Stein ("Tatort") hat sich vor den Dreharbeiten mit Manfred Schmider getroffen: "Ein sehr netter, einnehmender Mann: Ich hätte ihm jeden Gebrauchtwagen abgekauft", verrät er.

Gedreht wurde auch auf dem ehemaligen Originalanwesen von Big Manni, auf dem Turmberg über Karlsruhe. Bei den Castings war es dem Regisseur wichtig, dass die Schauspieler Dialekt sprechen – da, wie Stein sagt, dieses verbrüdernde Provinzielle der Nährboden für den Betrug sei. Am Ende musste Manni allein 60 Millionen pro Monat für Leasingverträge zahlen.

Selbst als 1996 eine anonyme Anzeige, die das Betrugssystem ins Detail beschrieb, aufgegeben wurde, reagierte die Justiz nicht. Erst nach der Jahrtausendwende, nachdem Schmider über ein Jahrzehnt mit seinen Machenschaften durchgekommen war, flog der bis dato schwerste Fall von deutscher Wirtschaftskriminalität auf. Schmider wurde zu zwölf Jahren Haft verurteil, von denen er aber nur rund Dreiviertel absaß.

Filmkritik

Die an sich sehr ernste Geschichte wird in diesem Film leicht, ja fast schon komödiantisch aufgearbeitet. Hier steht Unterhaltung im Vordergrund. Zusammen mit der faktenliefernden Dokumentation "Big Manni – Big Money" im Anschluss entsteht aber ein schlüssiges Stück Zeitgeschehen, dass einen kopfschüttelnd zurück lässt.

Wie konnte so ein Schneeballsystem unerkannt in Deutschland über ein Jahrzehn hinweg bestehen? Der Zuschauer sympathisiert fast schon mit dem Kriminellem, zumal die Opfer nicht zu sehen sind. Freilich ist das auch der gelungenen schauspielerischen Leistung von Hans-Jochen Wagner geschuldet, der den Hasardeur naiv, bauernschlau, durchtrieben, eitel und charmant zugleich darstellt. Immer mit einem leichten Augenzwinkern, schreibt hier die wahre Geschichte das Drehbuch. Das macht Spaß, das Ausmaß ist aber so erschreckend, dass Sarkasmus hier die beste Form der Unterhaltung darstellt.