GOLDENE KAMERA-Kandidat "Endlich Witwer"

Joachim Król als modernes "Ekel Alfred": Der TV-Star spielt in "Endlich Witwer" (13. Mai, 20.15 Uhr, ZDF) den Menschenfeind Georg Weiser, der sich im eigenen Unglück suhlt.

Kein Herz und keine Seele: Zeit seines Lebens hat Georg Weiser (Joachim Król) seine Gefühle unterdrückt. Auch nach dem Tod seiner Frau zeigt der Fabrikant keine Anzeichen von Trauer.

Darum geht's in "Endlich Witwer"

Zuerst leert er den Kühlschrank und füllt ihn bis zum Anschlag mit Bier. Dann entsorgt er Kitsch und Nippes, wirft Häkeldeckchen, Hochzeitsfotos und Kuckucksuhren in den Vorgarten – und die Plüschsessel gleich hinterher. Nachdem er auch noch die erwachsenen Kinder vergrault hat, fühlt sich Georg Weiser, frisch verwitwet, kurz nach der Beerdigung seiner Frau, endlich frei. Er freut sich auf sein Leben als Single.

Der Auftakt zu einer spritzigen Komödie? Keineswegs! Was als leichter Stoff daherkommt, entpuppt sich als tiefgründiges Drama. Denn nicht Weiser ist das eigentliche Opfer, sondern seine verstorbene Frau Brigitte (Ilse Biberti). Jahrelang hatte sie unter den Launen ihres zynischen Mannes zu leiden, immer wieder bat sie ihn um die Scheidung – nur um just in der Sekunde zu versterben, in der er endlich einwilligte. Weiser kann sein Glück kaum fassen: Nun gibt es keinen Rosenkrieg, keinen Kampf ums Haus, keinen Ärger ums Geld. Konsequent, dass der geizige Witwer der Gattin nicht einmal Bodendecker auf dem Grab gönnt. Er lässt Kunstrasen verlegen.

Joachim Król als Witwer Georg Weiser

"Ich glaube, es gibt viele Weisers", sinniert Joachim Król im Exklusivinterview mit GOLDENE KAMERA: "Kurz bevor ich 60 wurde, habe ich mir mehrmals Gedanken über den denkwürdigen Termin gemacht. Dadurch entstand die Idee, eine Geschichte zu erfinden, in der einem vergleichbaren Altersgenossen etwas wirklich Existenzielles passiert. Das Ergebnis ist Weiser." Lesen Sie hier das gesamte Interview mit Joachim Król.

Ein abstruser Antiheld, ein 68-jähriger Spätpubertierender, der sogar in der Kirche kifft. Trotzdem sei der Film für ihn eine Komödie, sagt Król, wenn auch eine anfangs böse, rabenschwarze, keine für "Schenkelklopfer". Der Star berichtet: "Unser Film wurde bereits auf einigen Festivals gezeigt. Danach haben mir die begeisterten Zuschauer lebhaft zu verstehen gegeben, dass sie alle etwas mit Weisers Situation anfangen konnten. Denn es geht nicht nur ums Leben, sondern auch um Lebenslügen."

Was denkt er nach diesem Film über eine völlig entgleiste Ehe selbst über den Bund fürs Leben? "Wahrscheinlich war es nicht die Institution Ehe, die die Weisers zu dem machte, was sie am Ende waren, eher ihre Unfähigkeit, miteinander zu reden, sich über Probleme auszutauschen." Der 61-Jährige witzelt: "Ich bin nun 28 Jahre verheiratet, nachdem ich zehn Jahre 'verlobt' war. Meine Meinungsbildung ist noch nicht abgeschlossen, aber ich kann mit Sicherheit sagen: Lange Beziehungen entstehen im Wesentlichen durch Zusammenbleiben."

GOKA-Kandidat, weil…

Obwohl sich im Lauf der Geschichte eine Mischung aus Ekel und Fremdschämen einstellt und man Weiser zeitweilig sogar zutiefst verachtet, dominiert nach 90 Minuten ein völlig anderes Gefühl: Hochachtung vor Joachim Króls Können. Der Charakterschauspieler verkörpert die Menschwerdung des Menschenhassers konstant glaubhaft und authentisch.

(Eine Bewertung der Redaktion. Die Beurteilung des Films durch die GOKA-Jury ist davon unabhängig!)