Horst Lichter: "Meine 5 emotionalsten Momente"

Exklusiv: Horst Lichter über die schönsten Erlebnisse bei "Bares für Rares", sein Erfolgsrezept und unentdeckte Schätze.

Ein unscheinbares Geldstück, das laut Experten bis zu 30.000 Euro wert ist. Ein altes Auto, das nur noch 80 Stundenkilometer schafft, aber für 18.000 Euro den Besitzer wechselt. Eine kleine Schnupftabakdose, die das 20-Fache des erwarteten Werts bringt. Ja, bei "Bares für Rares" verbirgt sich hinter so manchem Objekt eine überraschende Geschichte.

"Bares für Rares": Goldmünze von 1648

Vor der nächsten "Bares für Rares"-Abdendshow (22. Mai, 20.15 Uhr, ZDF), in der zum Beispiel ChrisTine Urspruch ein liebgewonnenes Möbelstück verkaufen will, verriet Horst Lichter GOLDENE KAMERA, welche Anekdoten ihn am meisten berührt haben.

Horst Lichter im Interview

"Bares für Rares" läuft bereits im siebten Jahr. Was waren die größten Oha-Momente?

HORST LICHTER: Da gab’s jede Menge. Aber an zwei erinnere ich mich noch so gut, als wären sie erst gestern passiert! Beispielsweise hat mich der Verkauf eines Borgward Isabella Cabrios extrem berührt. Und der eines Meissener Döschens, dessen Wert viel höher war, als es sich die Besitzerin Natascha Scharschmidt erträumt hatte. Denn die mit einem Einhaarpinsel bemalte Schnupftabakdose, die vor 1735 entstand, bestand nicht nur aus Meissener Porzellan, sondern auch noch aus Silber aus Augsburg. Eigentlich brauchte die Verkäuferin nur so viel Geld, dass sie ihrer Tochter beim Bezahlen des Führerscheins helfen konnte – aber dann bekam sie plötzlich unglaubliche 4500 Euro!

"Bares für Rares": Wertvolle Schatulle aus Meissen

Glauben Sie, dass jeder einen Schatz auf dem Dachboden haben könnte?

Warum nicht? Manchmal gibt es Gegenstände, deren Geschichte vergessen wurde. Wenn solche Dinge in der Mülltonne landen und man erst später merkt, dass sie wahnsinnig wertvoll waren, ist das im Nachhinein total traurig. Dabei gibt’s eine einfache Regel, um herauszufinden, ob etwas wirklich wertvoll ist.

Von welcher Regel sprechen Sie?

Als ich mit „Bares für Rares“ anfing, zeigte mir meine damals noch lebende Mutter mehrere „Heiligtümer“ und fragte mich nach ihrem Wert. Bei diesem Anlass habe ich ihr erklärt, dass wertvolle Gegenstände nur ganz selten in eine arme Arbeiterfamilie wie unsere gelangen. Denn die meisten Neukäufe, die lebenslang wertvoll bleiben und die sich nur Reiche leisten können, landen einzig durch Zufall in den Händen von Arbeitern.

Haben Sie ein konkretes Beispiel?

In den 60er-Jahren war ein Opel Kadett ein normaler Gebrauchsgegenstand. Heute ist er ein Vielfaches des damaligen Preises wert – sofern er sehr gut restauriert ist. Doch die Crux ist, dass die Restaurationskosten den aktuellen Verkaufswert leider extrem überschreiten. Einen Ferrari aus den 50er-Jahren indes konnte sich schon damals nur ein sehr kleiner Kreis wohlhabender Herrschaften leisten. Ein solches Auto gelangt nur selten in den Besitz eines normalen Arbeiters.

Borgward Isabella Cabrio bei "Bares für Rares"

Was ist das Erfolgsgeheimnis Ihrer Trödelshow "Bares für Rares"?

In allererster Linie die Ehrlichkeit und der Respekt, den wir den Menschen entgegenbringen – egal ob jemand mit einer alten Sammeltasse von Oma kommt oder mit einer merkwürdig-monströsen Goethe-Figur. Außerdem gibt es in jedem der viereinhalb Minuten langen Fälle eine abgeschlossene Geschichte – und die kann wahlweise ein Krimi, eine Komödie oder eine Tragödie sein.

Sie haben unzählige Gespräche mit Anbietern und Experten geführt. Was haben Sie selbst dadurch gelernt?

Unendlich viel. Beispielsweise kann ich dank "Bares für Rares" zwischen dem Materialwert, dem ursprünglichen Kaufpreis, dem aktuellen Verkehrswert und dem Liebhaberpreis unterscheiden. Außerdem interessiert es mich jedes Mal wahnsinnig, warum ein Erbstück, das bereits seit drei oder vier Generationen innerhalb einer Familie vererbt wurde, plötzlich verkauft werden soll – und was die wahren Beweggründe dafür sind.

Wie lange bleiben Sie der Show "Bares für Rares" noch erhalten?

Solange ich so viel Freude an der Sendung habe wie momentan, denke ich überhaupt nicht ans Aufhören. Im Gegenteil! Meinen Hut würde ich nur an den Nagel hängen, wenn sich das jemals ändern sollte.