Christoph Maria Herbst - So viel mehr als Bernd Stromberg

Christoph Maria Herbst liebt es, Stücke zu spielen, die zwischen Tragödie und Komödie changieren. Nur Comedy sei ihm zu hohl, das klänge immer "so nach süßem Popcorn. Und mein Popcorn ist gerne auch mal salzig".

Ausschließlich süße Erfolge feierte Christoph Maria Herbst bereits an der Seite von Anke Engelke in "Ladykracher". Für seine Darstellung erhielt er 2002 den Deutschen Comedypreis für die beste Nebenrolle. Drei Staffeln haben sie zusammengedreht, bis er eine SMS vom Produzenten bekam, ungefähr mit dem Inhalt: "Im nächsten Jahr kein Ladykracher, Anke hat was anderes vor." Was ihn zunächst etwas schockte, brachte ihm wenig später zahlreiche neue Angebote ein. Unter anderem die Hauptrolle Stromberg.

Der "Stromberg"-Erfolg

Fünf Staffeln und einen Kinofilm lang war er das Ekelpaket vom Dienst. Die Rolle als fieser Bürotyrann Bernd Stromberg bei der fiktiven Capitol Versicherung hat Christoph Maria Herbst berühmt gemacht. Er erhielt den Grimme-Preis, den Deutschen Comedy-Preis und den Bayerischen Fernsehpreis.

Er kannte den Büroalltag gut, denn in den achtziger Jahren machte er eine Banklehre, die er sogar als Jahrgangsbester abschloss. "Danach wusste ich nur noch genauer, dass ich Schauspieler werde", erinnert er sich in einem Interview. Was aber in einem katholischen Elternhaus, in dem gleich alle drei Kinder wegen der berühmten Jungfrau mit Zweitnamen Maria heißen, gar nicht so einfach durchzusetzen war. Und was wohl auch nicht leichter wurde, als ihn sein erstes Engagement 1989 zur "Burghofbühne im Kreis Wesel e.V." nach Dinslaken geführt hat. Aber vielleicht, als es nach acht Jahren an kleineren Theatern zum Fernsehen ging: 1997 zur ARD-Klamaukreihe "Sketchup". Spätestens aber nach seiner preisgekrönten Karriere gab es auch keine Zweifel mehr bei seinen Eltern.

Nicht nur der sympathische Unsympath

Nach "Stromberg" wollte er sich künstlerisch weiterentwickeln und schaffte auch das wieder mit Leichtigkeit: 2015 spielte für ProSieben den Kommissar Kreutzer, wirkte im Hitler-Film "Er ist wieder da" mit und sprach auch das Hörbuch. Er war Bewährungshelfer in der Kinokomödie "Die Kleinen und die Bösen" und schlüpfte in eine Zwillings-Doppelrolle im ARD-Film "Besser als Du".

Seit 2016 spielt er in der ARD-Serie "Hotel Heidelberg" die Rolle des schüchternen Psychotherapeuten Ingolf Muthesius, der unter den Querelen seiner Frau Annette, gespielt von Annette Frier, im familiengeführten Hotel leidet. In der 6. Folge der turbulenten Familiensaga "Wer sich ewig bindet" (Freitag, 24. Mai, 20.15 Uhr, Das Erste) kriselt es so heftig zwischen dem Hoteliers-Ehepaar, dass sie sich aus der TV-Reihe verabschieden müssen.

Was tun, wenn man seit langen Jahren miteinander verheiratet ist, sich absolut satt hat – sich aber nicht trennen kann, weil man im gemeinsamen Unternehmen arbeitet? Das haben Christoph Maria Herbst und Annette Frier bereits in der Comedyserie "Merz gegen Merz" (bis zum 18. Oktober 2019 hier in der ZDFmediathek) beantwortet und lieferten sich einen böse komischen Rosenkrieg.

"Merz gegen Merz": Paartherapie mit Frier und Christoph Maria Herbst
"Merz gegen Merz": Paartherapie mit Frier und Christoph Maria Herbst

Auch als Romanautor erfolgreich

2010 hatte Christoph Maria Herbst einen satirischen Roman über die Reise auf einem Kreuzfahrtschiff veröffentlicht. Wäre das auch über die Erlebnisse in Hotels denkbar? "Auf jeden Fall. Ich sammle schon eine Weile Geschichten. Ich denke da an ein allgemeines Reisetagebuch mit einem Kapitel über Hotels, aber nicht im Beleidigte- Leberwurst-Stil", sagt er in einem Interview mit der Berliner Morgenpost. Wir sind gespannt, was wir von dem Mann noch zu sehen – und zu lesen bekommen werden.