"Die Bestatterin": Anna Fischer als ungewöhnliche Ermittlerin

Hier hat mal nicht die Polizei das Sagen: Im Heimatkrimi „Die Bestatterin - Der Tod zahlt alle Schulden“ (1. Juni, 20.15 Uhr, Das Erste) ermittelt eine ungewöhnliche Heldin.

Es steht viel Arbeit an für Bestatterin Lisa, und das auf der beschaulichen Schwäbischen Alb! Erst stirbt ein Banker bei einem Jagdunfall, dann liegt Oma Wertbacher tot auf der Wiese.

Darum geht's in "Die Bestatterin"

Erst stirbt ewig keiner, und dann gibt es innerhalb von 24 Stunden gleich zwei Tote! Lisa Taubenbaum (Anna Fischer), die mit Vater (Hartmut Volle) und Bruder (Frederik Bott) ein Bestattungsunternehmen in ihrem Heimatdorf auf der Schwäbischen Alb unterhält, ist gut beschäftigt. Allerdings drängen sich ihr bei näherer Betrachtung der Leichen des Bankdirektors und der Oma einer Freundin Unstimmigkeiten auf. Wie lässt es sich erklären, dass sich der erfahrene Jäger unabsichtlich ins Gesicht geschossen haben soll und die alte Dame seltsame Flecken am Hals hat?

Alle Beteiligten, einschließlich ihres Vaters, halten Lisa einfach nur für überspannt. Denn nach dem Unfalltod ihrer Mutter floh sie nach Berlin und ist gerade erst wieder ins Ländle zurückgekehrt. Trotzdem wendet sich Lisa an die Polizei in Stuttgart – und nimmt die Ermittlungen dann sogar selbst in die Hand.

Anna Fischer als Bestatterin mit Spürnase

„Für den Zuschauer ist die Darstellung des Spannungsfelds zwischen der jungen, lebenslustigen Bestatterin und dem schwäbischen Umfeld eine köstliche Unterhaltung“, ist sich Hauptdarstellerin Anna Fischer sicher. Der Krimi „bedient sich des schwarzen Humors. Gleichzeitig zeigt er die Schwäbische Alb und deren Menschen mit ihren Traditionen, Liebenswürdigkeiten und Unzulänglichkeiten.“

Tatsächlich wird das dörfliche Leben in seinen alltäglichen Verschrobenheiten filmisch überhöht, aber ohne sich dabei darüber lustig zu machen und die Menschen vorzuführen. Ob sie Dialekt sprechen oder nicht. Ohnehin hat Anna Fischer „die Herzlichkeit der Einheimischen kennengelernt und die tolle Natur entdeckt und ausgekostet“.

Die 32-Jährige, die 2007 mit dem Nachwuchspreis der GOLDENEN KAMERA ausgezeichnet wurde, verleiht ihrer Figur das gewisse Etwas. Sie lässt sie nicht nur positiv, sondern auch verbindlich erscheinen. Als Vorbereitung auf ihre Rolle als Bestatterin ging Fischer mehrere Male in ein Leichenschauhaus, was sie „sehr beschäftigt hat und eine Erfahrung war, die ich nicht vergessen werde“. Und sie ließ sich von Experten in der Thanatologie unterrichten. „Die Wiederherstellung des ästhetischen Erscheinungsbilds des Verstorbenen hat mich fasziniert.“

Eine Bestatterin im richtigen Leben zu sein wäre für die Berlinerin eine große Herausforderung: „Immerhin müsste ich mich ständig mit dem Tod auseinandersetzen.“ Die Filmleichen waren ihr weitaus angenehmer: „Schließlich kann man mit ihnen noch das eine oder andere Wort wechseln.“

Von Regisseurin Isabel Braak

Auf dem Regiestuhl nahm mit Isabel Braak („Magda macht das schon!“) eine vielversprechende junge Regisseurin Platz. Sie hauchte dem Drehbuch des Autorenteams Arne Nolting und Jan Martin Scharf („Club der roten Bänder“, „Wilsberg“) Leben ein. Ihre Arbeit an „Die Bestatterin“ bedeutet ihr viel, denn bei Krimis habe sie das Gefühl, „dass gerade dieses Genre eher männlichen Kollegen zugetraut wird“. Ein weiterer Grund zur Freude ist für Braak die starke Frauenfigur, bei der mal nicht die Liebe im Fokus steht. Obwohl sich Lisa auf ein bis zwei Rendezvous mit wirklich merkwürdigen Typen einlässt.

Fortsetzung folgt?

Der Sendeplatz von „Die Bestatterin“ am Samstagabend in der ARD lässt auf mehr hoffen. Reihen wie „Die Diplomatin“ und „Hartwig Seeler“ haben hier ihren Platz. Eine Option für Anna Fischer? „Natürlich! Mir hat es viel Spaß gemacht!“ Wenn es dem Zuschauer gefällt, wäre sie dabei. „Immer wieder sehr gern!“

TV-Tipp, weil…

…hier keine Trauerstimmung aufkommt! Die schwäbische Provinz wird zwar etwas klischeehaft gezeichnet, aber die Typen sind durchaus originell.