Ina Müller: "Es ist immer noch Liebe"

Bier, Wunschgäste und peinliche Fragen: GOLDENE KAMERA sprach mit Ina Müller über die neue Staffel ihrer Talkshow "Inas Nacht" (ab Samstag, 22. Juni, 23.40 Uhr im Ersten).

Es ist die vielleicht schrägste Talkshow im deutschen Fernsehen: Bei "Inas Nacht" empfängt Entertainerin Ina Müller ihre prominenten Gäste in einer klitzekleinen Kneipe am Hamburger Hafen. Es wird Bier getrunken, gesungen und viel Blödsinn geredet. Zum Start der neuen Staffel begrüßt Ina Müller (22. Juni, 23.40 Uhr im Ersten) Fussballer und Ex-Nationalspieler Per Mertesacker im Schellfischposten. GOLDENE KAMERA traf Ina Müller in Hamburg zum Interview.

Ina Müller: Sowas passiert mir heut nicht mehr (Live)

Ina Müller im Interview

GOLDENE KAMERA: Seit zwölf Jahren moderieren Sie schon "Inas Nacht". Stellen Sie sich bitte mal vor, Sie und die Sendung wären in einer Liebesbeziehung: Kribbelt es wie am ersten Tag, oder stehen Sie kurz vor der Trennung?

Ina Müller: Es ist immer noch Liebe, ganz klar. Die schwere Verknalltheit vom Anfang mit der Ungewissheit und dem ständigen Aufgeregtsein ist natürlich weg. Dafür gehen die Gefühle jetzt tiefer. Die Sendung und ich haben immer noch viel Spaß miteinander. Der einzige Grund für eine Trennung wäre, dass wir keine interessanten Gäste mehr bekommen.

Wählen Sie Ihre Gäste selbst aus?

Wir machen nur zwölf Sendungen im Jahr, da will ich meine Gäste auch gut finden. Deshalb bin ich in die Auswahl stark ein­gebunden. Natürlich muss ich Kompro­misse eingehen: Ganz selten ist mal ein Gast dabei, mit dem ich nicht so viel an­ fangen kann. Aber in 93 Prozent der Fälle habe ich richtig Bock auf meine Gäste.

Wen möchten Sie unbedingt mal am Tresen zu Gast haben?

Angela Merkel wäre toll. Sie hat im Lauf der Jahre einen ironischen Humor entwickelt. Vielleicht hat sie ja Lust auf einen Besuch, wenn sie nicht mehr Kanzlerin ist und weniger unter Beobachtung steht.

Was würden Sie Frau Merkel fragen?

Vor den wirklich guten Themen würde ich sie erst mal warmlaufen lassen: Haben Sie sich ein Hobby zugelegt? Schlafen Sie morgens aus? Also die Art von Fragen, die auch Markus Lanz stellen würde. Interessant finde ich, in welchen Momenten sie richtig unten war. Wann sie gedacht hat: "Wisst ihr was? Ihr könnt mich alle mal. Ich gehe da morgen nicht mehr hin." Und wann sie ent­schieden hat, immer den gleichen Anzug in unterschiedlichen Farben zu tragen.

Sie sind bekannt für Ihre schlüpfrigen Fragen. Müssten Sie sich die bei Frau Merkel verkneifen?

Auf Frauendinge wie ihre Wechseljahre würde ich sie garantiert ansprechen. Wie war das mit den Hitzewallungen? Wenn man vor den Kameras der Weltpresse steht und merkt, dass plötzlich Schweißtropfen laufen?

Woher kommt überhaupt Ihre Lust am Schlüpfrigen? Sie stellen oft Fragen zu den Themen Sex, Tätowierungen im Intimbereich und Ähnlichem.

Und zum Thema Körperbehaarung! Oben­rum und untenrum! Das ist fast so etwas wie mein Markenzeichen. Ich möchte mich von den Gesprächen in anderen Talk­shows etwas absetzen und lande deshalb immer wieder mal bei abseitigen Dingen wie Haarausfall. Manchmal entstehen da­raus überraschend interessante Geschich­ten, manchmal immerhin ein guter Gag.

Wie schaffen Sie es, dass Ihre Gäste überhaupt auf so etwas antworten?

Ich warte oft, bis wir das zweite Bier getrunken haben. Dann sind wir locker. Manchmal bin ich aber ungeduldig und stelle die peinlichen Fragen zu früh.

Gab es mal einen Gast, den Sie lieber nicht eingeladen hätten?

Wir hatten mal Stefan Effenberg da, und mir wurde im Verlauf der Sendung klar, dass er so gar nicht wusste, wo er da hinein­geraten ist. Er hat die Ironie des Abends nicht verstanden und fühlte sich bei jeder Frage angegriffen. Er war nicht bösartig oder so, aber er tat mir in dem Moment irgendwie leid. Und ich mir auch.

Sie haben viele Fans. Es gibt aber auch Zuschauer, die ihre Art als zu laut und zu derb kritisieren.

Die eine Hälfte mag meine Art, die andere eben nicht. Damit komme ich klar. Ich polarisiere, und das ist einer der Gründe dafür, warum ich überhaupt da bin. Wäre ich aalglatt und immer nett, wäre ich längst weg vom Fenster. Ich werde meinen Stil je­ denfalls nicht ändern, weil Bumsi2000 bei Youtube mal geschrieben hat, dass er mich ätzend findet.

Interview: Sven Sakowitz