"Ice on Fire": So retten wir die Welt

In seiner neuen Dokumentation "Ice on Fire" stellt Schauspieler Leonardo DiCaprio clevere Klimaschutzprojekte vor.

Auf dem Filmfestival in Cannes im Mai zeigte sich einmal mehr, dass zwei Herzen in der Brust von Filmstar Leonardo DiCaprio schlagen: Zum einen präsentierte der Oscarpreisträger das furiose Crime-Drama "Once Upon a Time in Hollywood" von Quentin Tarantino, in dem er eine Hauptrolle spielt. Zum anderen war der 44-Jährige auch in Sachen Klimaschutz präsent: Seine ebenso aufrüttelnde wie hoffnungsvolle HBO-Dokumentation "Ice on Fire" (Montag, 29. Juli, 20.15 Uhr, Sky Atlantic) bekam Standing Ovations.

Trailer: "Ice on Fire"

Der von ihm produzierte Film, der jetzt erstmals im TV läuft, ist nur eine von vielen grünen Aktionen des Stars. Schon 1998 gründete er eine eigene Stiftung, die seit 2010 über 200 Umweltschutzprojekte mit mehr als 80 Millionen Dollar gefördert hat. Für "Ice on Fire" arbeitete er erneut mit Regisseurin Leila Conners zusammen, mit der er vor zwölf Jahren die Dokumentation "11th Hour – 5 vor 12" drehte. DiCaprio hält sich in seinem neuen Film dezent zurück, im Original ist nur seine Stimme aus dem Off zu hören. So liegt die Aufmerksamkeit des Zuschauers ganz auf den vorgestellten Experten aus aller Welt, die verdeutlichen, wie ernst die Lage ist.

Ein "Rezept für eine nationale Sicherheitskatastrophe" nennt etwa der US-Klimaforscher Michael E. Mann das, was uns erwartet, wenn Treibhausgase wie CO2 und Methan die Erdatmosphäre weiter erwärmen: überflutete Küstenstädte, überhitzte Tropen, immer mehr Umweltflüchtlinge. Schon heute führt der Klimawandel zu Wetterextremen wie Stürmen, Dürren oder Bränden, die immer heftiger und unberechenbarer werden. In beeindruckenden Bildern zeigt "Ice on Fire" etwa durch Waldbrände zerstörte, geisterstadtartige ehemalige Wohnviertel im nordkalifornischen Santa Rosa.

Smart, grün und profitabel

Ebenfalls bedrohlich wirkt das titelgebende "Feuer auf dem Eis": Es handelt sich dabei um Methan, das in Polargebieten freigesetzt wird, sobald Permafrostböden auftauen. Mikroben wandeln dabei Zehntausende Jahre alte pflanzliche und tierische Überreste um. Entweicht das Gas in die Atmosphäre, beschleunigt es die Klimaerwärmung, wodurch weiterer Permafrost auftaut – ein gefährlicher Kreislauf. Smart, grün – und profitabel Seine stärksten Momente hat der Film, wenn er rund um den Globus Vorkämpfer für den Klimaschutz besucht, die mit smarten neuen Ideen die Welt retten wollen.

Da ist zum Beispiel der ehemalige Beringsee-Fischer Bren Smith, der sich am Long Island Sound, einem Meeresarm an der Grenze zwischen New York und Connecticut, als Austernzüchter niedergelassen hat. Er setzt auf Seetangplantagen. Tang kann fünfmal so viel Kohlenstoff aufnehmen wie Landpflanzen. Verfüttert man ihn an Rinder, reduziert sich deren Methanausstoß um 90 Prozent. Die Redwood Forest Foundation in Kalifornien wiederum hat ein Projekt zur Speicherung von Kohlenstoff entwickelt und stellt aus toten Bäumen "Biokohle" her, um CO2 wieder in den Boden zu bringen.

Das Züricher Start up Climeworks saugt CO2 aus der Luft und kann dieses innerhalb weniger Stunden zu festem Gestein verarbeiten. Auch der Betrieb von Gewächshäusern oder die Herstellung von erneuerbaren Kraftstoffen ist damit denkbar. Und im schottischen Orkney stellen die Entwickler der Firma Orbital Marine Power einen Generator vor, der aus Meereswellen Strom erzeugt.

Leonardo DiCaprio: "Die neue Welt kann nachhaltig, innovativ und profitabel sein"

Die "Ice on Fire"-Weltreise zeigt auch, dass nichts neu erfunden werden muss: Es gibt bereits tragfähige Lösungen, um den Klimawandel zu stoppen. Zudem sind Solar- und Windenergie effizient und günstig wie nie. "Das Problem ist nur, dass es eine Industrie gibt, die Billionen von Dollar in ihre Infrastruktur gesteckt hat, und die diese Investition sowie die möglichen Gewinne nicht aufgeben wollen", sagte Regisseurin Conners zu US-Medien. Gemeint sind Konzerne, die mit fossilen Brennstoffen Geld verdienen und, so Experten in der Doku, wider besseres Wissen Kampagnen finanzieren, die den Klimawandel leugnen. "Die neue Welt kann nachhaltig, innovativ und profitabel sein", sagt Leonardo DiCaprio in der Doku. "Die Herausforderung, die Klimastörungen umzukehren, eröffnet Chancen für alle. Es ist heute profitabler denn je, grün zu sein."