Mišel Matičević: Der Pate von Berlin

Mišel Matičevićs wird gerne besetzt für Rollen, die eine Menge Männlichkeit verlangen: Auftragsmörder, Zuhälter, Betrüger, Mafia-Bosse und korrupte Bullen. Aber er kann auch sanft.

Als der achtjährige Mišel aus Berlin von der Lehrerin die Aufgabe bekam, sich als Erwachsenen zu zeichnen, malte er sich mit Smoking und Fliege auf ein Kinoplakat und darüber die Zeile: "Der neue Film mit Mišel Matičević".

Traumberuf Schauspieler

Er wollte schon immer Schauspieler werden und hat für die Erfüllung seines Berufswunsches gekämpft. Leicht war der Kampf für das Kind kroatischer Gastarbeiter in Berlin nicht. 1970 geboren in Neukölln und ab dem 10. Lebensjahr in Berlin-Spandau aufgewachsen, musste er sich zunächst mit Gelegenheitsarbeiten durchschlagen, um dann von 1994 bis 1998 an der renommierten Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf sein Handwerk zu erlernen.

Genau die richtige Entscheidung, denn noch während seines Schauspielstudiums feiert er sein Kinodebüt in einer Nebenrolle des Episodenfilms "Müde Weggefährten: Fünf Geschichten aus dem Krieg" (1996). Direkt nach seinem Abschluss folgt seine erste Kino-Hauptrolle in "Lost Killers" – und damit auch gleich sein erster Filmpreis: Für die Rolle des nervenschwachen Auftragskillers Branko, erhält er den "Best Actor Award" beim Internationalen Filmfestival Thessaloniki 2000.

Mobster-Rollen – und mehr

Das Fernsehpublikum überzeugt er 2004 in seiner ersten große TV-Hauptrolle als Zuhälter Hotte in Dominik Grafs Fernsehfilm "Hotte im Paradies". Große Schnauze, großes Gewaltpotenzial, großes Herz - diese Rolle hat das Image des Schauspielers lange Zeit geprägt. Es sei eine "Diamanten-Rolle", findet er damals. Auch international wurde man bereits auf ihn aufmerksam. 2006 ist er im Film "The Company" an der Seite von Chris O’Donnel und Michael Keaton als ungarischer Revolutionsführer Arpad Zelk zu sehen.

Zwei Jahre später spielt er erneut in einem Film von Dominik Graf mit: In "Das Gelübde" kann er eine andere Seite als Dichter Clemens Brentano zeigen. Eine ganz anderes Spiel kann er hier zeigen und auch dieses ist auszeichnungswürdig: 2008 geht der Deutsche Fernsehpreis als "Bester Schauspieler" für seine Rollen in den drei Filmen "Das Gelübde", "Die dunkle Seite" und "Die Todesautomatik" an ihn.

Und seine Erfolgsserie geht weiter: Als Familienvater und Zigarettenschmuggler Mischa in der Mafia-Serie "Im Angesicht des Verbrechens" (2010) überzeugt er die Jury des Adolf-Grimme Preises, die ihn 2011 als "Bester Schauspieler" auszeichnet. Es ist übrigens bereits die fünfte Zusammenarbeit von dem Schauspieler mit dem Regisseur Dominik Graf. Da scheinen sich zwei gefunden zu haben, denn im selben Jahr folgt "Dreileben – Komm mir nicht nach", 2013 der "Tatort: Aus der Tiefe der Zeit".

Händchen für Serienrollen

Eine feste Größe der Berline Unterwelt ist Mišel Matičević auch in der Erfolgsserie "Babylon Berlin". Darin ist er als "der Armenier" auch in der dritten Staffel mit dabei. Die 12 neuen Folgen werden Ende 2019 zunächst bei Sky ausgestrahlt. Im Herbst 2020 kommen sie dann ins deutsche Free-TV.

Gerade abgedreht wurde die sechsteilige ARD-Serie "Oktoberfest 1900" mit Matičević als Chef eines Brauerei-Clans, der seine Konkurrenz nur mit Bestechung und Erpressung ausstechen kann. Auch auf diese Serie können sich die Zuschauer 2020 im Free-TV freuen.

Aktuell ist Mišel Matičević in "Operation Zucker: Jagdgesellschaft" am Mittwoch, 14. August, um 20.15 Uhr im Ersten und in der ARD-Mediathek zu sehen. Gemeinsam mit Nadja Uhl gehen die beiden als LKA-Beamte gegen einen Kinderhändlerring in Potsdam vor. Anfangs ist er noch schroff und skeptisch seiner Kollegin gegenüber, später öffnet auch er sich der eklatanten Tragweite des Themenkomplexes Kinderprostitution und Kinderpornografie.

Ein Film, der ihn nachhaltig berührt hat. "Würde man mich fragen, ob ich einen Pädophilen spielen will, wüsste ich nicht, ob ich das kann. Für mich ist wichtig, dass die Rolle, die ich übernehme, auch Recht hat", sagt er in einem Interview mit den Stuttgarter Nachrichten. Kann er sich denn mittlerweile seine Rollen selber aussuchen? "Ich hab’ mir schon immer ausgesucht, in welchen Filmen ich mitmache. Nicht, weil ich das konnte. Das kann ich bis heute nicht. Aber ich nehme mir das Recht zu sagen, die Rolle spiele ich und die nicht."