Dritte Staffel "Schuld": Moritz Bleibtreus Abschied als Strafverteidiger Kronberg

Moritz Bleibtreu ist zum letzten Mal in der Rolle als Strafverteidiger Friedrich Kronberg zu sehen.
Moritz Bleibtreu ist zum letzten Mal in der Rolle als Strafverteidiger Friedrich Kronberg zu sehen.
Foto: ZDF
In den letzten Folgen von „Schuld“ blickt Moritz Bleibtreu ein weiteres Mal dem Bösen ins Angesicht .

Totschlag auf einer Toilette, eine Gummipuppe als die Liebe fürs Leben, ein Kleinwüchsiger, der größenwahnsinnige Pläne schmiedet und der beste Freund in schlimmer Not. Man könnte meinen, die letzten vier Verfilmungen der Kurzgeschichten von Ferdinand von Schirach, Deutschlands berühmtestem Strafverteidiger, seien das Produkt einer besonders kruden Fantasie. Doch es sind ganz reale Verbrechen, mit denen Strafverteidiger Kronberg (Moritz Bleibtreu) konfrontiert wird. Schirachs Fälle stellen damit auch die Zuschauer vor die selten eindeutig zu beantwortende Frage: Schuldig oder unschuldig? (ab Freitag, 13. September, 21:15 Uhr im ZDF).

Der Thrill der Realität

„Ganz besonders gut gefällt mir diesmal die Episode ‚Der Freund‘“, erklärt Hauptdarsteller Moritz Bleibtreu im Interview. Für seine Figur, den an Ferdinand von Schirach angelehnten Juristen Kronberg, ist dieser Fall ein sehr persönlicher. „Kronberg wird damit konfrontiert, dass es Momente gibt, in denen er machtlos ist – juristisch und menschlich.“ Der Verteidiger muss erleben, dass ihm diesmal weder das Recht noch die eigene Kraft weiterhelfen.

Moritz Bleibtreu im Interview zur 3. Staffel "Schuld"

Herr Bleibtreu, wie schwer fällt Ihnen der Abschied von der Reihe „Schuld“?

Moritz Bleibtreu: Ach, nicht so wahnsinnig schwer. Einerseits ist „Schuld“ ein ganz tolles Format, bei dem ich mit unheimlich viel Spaß mitgewirkt habe. Aber andererseits sind drei Staffeln auch ein rundes Ding.

In den neuen vier Folgen beschäftigen Kronberg erneut besondere, juristische Fälle. Welchen dieser vier Fälle ist am denkwürdigsten? Und warum?

Moritz Bleibtreu: „Der Freund“ ist eine Geschichte, in der Kronberg damit konfrontiert wird, dass es Momente gibt, in denen er selbst machtlos ist – sowohl als Anwalt wie auch menschlich. Denn in der speziellen Situation, die in dieser Episode gezeigt wird, helfen weder das Recht noch die eigene Kraft. Übrigens war das Geschehen in „Der Freund“ auch der Punkt in Ferdinand von Schirachs Leben, an dem er sich entschieden hat, sich mehr um sich selbst zu kümmern. Ja, „Der Freund“ mag ich persönlich sehr.

Wie oft haben Sie sich mit Ferdinand von Schirach über die wahren Fälle ausgetauscht, die den Verfilmungen zugrunde lagen?

Moritz Bleibtreu: Wir haben natürlich schon seit der ersten Staffel immer wieder mal über das Für und Wider der Strafverteidigung und die Probleme, die damit einhergehen, geredet. Denn es gab ja immer wieder Folgen, die zeigen, wie wichtig das Strafrecht ist – Folgen, die gleichzeitig verdeutlichen, warum es nicht moralisieren soll. Als Strafverteidiger muss man sich häufig eingestehen, dass individuelles persönliches Recht und das Gefühl von Gerechtigkeit im Sinne des Staatsrechts zwei völlig verschiedene Dinge sind. Das ist manchmal schwer zu akzeptieren.

Ferdinand von Schirach im phoenix-Interview

Wie hat sich Ihr Blick auf die Justiz durch den Dreh der drei Staffeln verändert?

Moritz Bleibtreu: Nicht maßgeblich, außer, dass ich sagen kann, dass ich vorher von Jura nicht die geringste Ahnung gehabt habe. Jetzt, wo ich da ein bisschen reinschnuppern konnte, glaube ich sagen zu können, dass wir in Deutschland ein ziemlich gut funktionierendes Strafrecht haben – im Unterschied zu so manchem anderen Land.

Die Verbrechen von Ferdinand von Schirach haben einen wahren Kern. Warum wohl begeistert „True Crime“ so viele Menschen? Warum boomt das Genre?

Moritz Bleibtreu: Weil die besten Geschichten immer noch das Leben schreibt – genau, wie man die überraschendsten Figuren im Leben häufig eher in der Realität trifft statt in der Fiktion. Denn in der Fiktion sind wir mittlerweile an einem Punkt angelangt, wo wir fast alle gängigen Strukturen und Genres des Geschichten-Erzählens ausprobiert haben, während sich im wahren Leben Stränge und Verknüpfungen ergeben, die man sich überhaupt nicht ausdenken könnte.

Bevor Sie Kronberg gespielt haben, waren Sie häufiger im Kino zu sehen als im Fernsehen. War „Schuld“ der Auftakt für mehr Fernsehproduktionen mit Moritz Bleibtreu?

Moritz Bleibtreu: Nein. Außer „Schuld“ habe ich ja gar nichts weiteres für Fernsehsender oder Streamer gemacht, und die Rolle Kronberg war auch keine Zurückbewegung zum Fernsehen, sondern lediglich mein Partizipieren an der Geburt der Streamer. Denn die Streamingportale haben ja nichts mit der Renaissance des Fernsehens zu tun. Im Gegenteil! Die gängigen Fernsehsender werden, wenn sie nicht den Anschluß halten, womöglich bald alle pleite sein, während die Streamer gerade erst geboren werden. Und es wäre für jemanden wie mich, der gerne komplexe und manchmal auch kompliziertere Geschichten erzählt, idiotisch gewesen, zum damaligen Zeitpunkt darauf zu beharren, dass das Kino bleiben muss, was es ist. Ich habe 17 Jahre keine Fernsehsendung gemacht. Und ich habe erst wieder mit dem ZDF gearbeitet, als klar war, dass sich die Relevanz des Kinos in der Mitte der Gesellschaft komplett verändert und bestimmte Geschichten und Inhalte vom Kino abwandern und zu den Streamern gehen. Ich gehe immer dahin, wo die guten Geschichten sind.

Schlussfrage: Was sind Ihre nächsten spruchreifen Projekte?

Moritz Bleibtreu: Im Oktober kommt die Verfilmung des Musicals „Ich war noch niemals in New York“ mit den Liedern von Udo Jürgens ins Kino – mit Heike Makatsch, Katharina Thalbach und mir. Außerdem habe ich meinen ersten Thriller als Autor und Regisseur produziert: „Cortex“ gibt‘s 2020 im Kino zu sehen.

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