Leslie Malton: "Die Schauspielerei ist meine Passion"

Als exzentrische Witwe Elise Cramer-Klett beweist Leslie Malton (M.) im Biopic-Drama "Ottilie von Faber-Castell - Eine mutige Frau" eindrucksvoll, dass es für die GOLDENE KAMERA-Preisträgerin von 1991 keine kleinen Rollen gibt.
Als exzentrische Witwe Elise Cramer-Klett beweist Leslie Malton (M.) im Biopic-Drama "Ottilie von Faber-Castell - Eine mutige Frau" eindrucksvoll, dass es für die GOLDENE KAMERA-Preisträgerin von 1991 keine kleinen Rollen gibt.
Foto: © ARD Degeto/Martin Spelda
Im opulenten TV-Drama "Ottilie von Faber-Castell - Eine mutige Frau" beweist Leslie Malton als exzentrische Witwe wieder eindrucksvoll, dass es für sie keine kleinen Rollen gibt. Wir sprachen mit der GOLDENEN KAMERA-Preisträgerin über die Zeitreise zurück zu den Anfängen der Emanzipation im 19. Jahrhundert und ihre Leidenschaft für den Schauspielberuf.

Wenn am 14. September (20.15 Uhr im Ersten) das TV-Epos "Ottilie von Faber-Castell - Eine mutige Frau" seine TV-Premiere feiert, lässt sich im Schatten der faszinierenden Emanzipationsgeschichte einer jungen Frau im ausgehenden 19. Jahrhundert auch die schauspielerische Intensität einer 60-Jährigen bewundern, die nach fast 40 Jahren im Business noch immer für ihren Beruf brennt.

Darum geht's in "Ottilie von Faber-Castell - Eine mutige Frau"

Nach dem Selbstmord seines Sohnes bestimmt der fränkische Bleistiftfabrikant Lothar von Faber (Martin Wuttke) seine 16-jährige Enkelin Ottilie (Kristin Suckow) zur Firmenerbin. Während sich die Auserwählte akribisch in die Firmenabläufe einarbeitet und gegen Widerstände der skeptischen Direktoren durchsetzen muss, verliebt sie sich in den smarten Baron Philipp Brand von Neidstein (Hannes Wegener). Auch wegen übergeordneter Familieninteressen willigt Ottilie jedoch in die Heirat mit Alexander Graf zu Castell-Rüdenhausen (Johannes Zirner) ein und muss nach kurzer Zeit erkennen, dass sie um ihre Firma und ihre Liebe kämpfen muss.

Leslie Malton als Elise Kramer-Clett

Leslie Malton spielt Elise Kramer-Clett, die exzentrische Tante von Ottilies bester Freundin Clarissa (Jasmin Schwiers) und stiehlt in ihren beiden kurzen Auftritten als wohlhabende Witwe und freigeistige Lebefrau die Show.

Malton, die ihr Schauspielhandwerk in den 1980er Jahren am Wiener Burgtheater und in langjähriger Zusammenarbeit mit George Tabori perfektionierte und seit ikonischen Rollen wie in Dieter Wedels "Der große Bellheim" nicht mehr aus der deutschen Film- und Fernsehlandschaft wegzudenken ist, bekleidet seit Anfang des Jahres auch den Vorsitz des Bundesverbandes Schauspiel.

In dieser Funktion macht sich die in Washington D.C. geborene Wahl-Berlinerin unter anderem für Themis, die anonyme Meldestelle für Opfer sexueller Übergriffe in der Branche stark und setzt sich für die Gleichstellung ein. Denn wie in ihrem Gespräch mit der GOLDENEN KAMERA deutlich wird, hat sich für Frauen seit dem 19. Jahrhundert vieles aber noch nicht alles zum Besseren gewendet...

Leslie Malton im Interview

GOLDENE KAMERA: Wie hat Ihnen die Zeitreise zurück ins ausgehende 19. Jahrhundert gefallen?

LESLIE MALTON: Großartig! Kostüme und Ausstattung waren eine Augenweide. Auch die Villa von Elise war wundervoll hergerichtet. Während der Dreharbeiten war es sehr heiß und dann derartig kostümiert in dieser verwunschenen Villa zu spielen, gab einem das Gefühl, völlig aus der Zeit gefallen zu sein. Es war wirklich etwas Besonderes.

Sie spielen die exzentrisch freigeistige Tante von Ottilies bester Freundin. Welchen Anteil hat in Ihren Augen Tante Elise für den emanzipierten Werdegang der Titelfigur?

Ich glaube, sie hat einen großen Einfluss. Man begegnet in seinem Leben ja vielen Menschen ohne zu wissen, ob und wie sich diese Begegnungen später auswirken werden. In diesem Fall glaube ich, dass die Begegnung mit Elise für Ottilies späteren Werdegang prägend war. Dieses fremdbestimmte Mädchen hat gesehen, dass eine Befreiung möglich ist, dass man ausbrechen kann. Diese Erkenntnis bekam sie von Elise eingepflanzt – das geschah aber unbewusst. Elise ist bei ihren Auftritten nicht sonderlich subtil, dafür ist ihre Wirkung subtil.

In den Pressenotizen sagen Sie: "Rollen, die eine gewisse Skurrilität oder Exaltiertheit haben, sind für mich ein gefundener Schatz." Was macht derartige Parts schauspielerisch so besonders für Sie?

Wir Schauspieler haben das große Glück, dass wir vor der Kamera oder auf der Bühne Sachen ausprobieren können, die wir im Leben nicht machen würden oder zu denen uns der Mut fehlt. Das kann eine große Befreiung sein. Diese Sachen stecken ja in einem drin! Irgendwo in mir drin schlummert auch so jemand wie Elise, sonst könnte ich sie ja nicht spielen. Ich bin eher zurückgenommen und niemand, der mit großem Trara auftritt. Aber Elise schon, sie genießt den großen Auftritt, geht einfach ihren Weg und stürzt sich in Sachen, die sie interessieren – das finde ich großartig!