Berlin als Bühne: Jetzt ist "Showtime, Herr Kessler!"

Horst Lichter, Heino oder Hallervorden - kein Star ist vor Michael Kessler sicher. Der Comedian imitiert sie alle. Jetzt bekommt er sein eigene Primetime-Show, bei der ganz Berlin seine Bühne ist.

Schelmisches Grinsen, bohrende stahlblaue Augen, auffällige Nase: Michael Kesslers Optik und Gestik sind unverwechselbar. Charakteristisch sind, laut seines Kumpels Bastian Pastewka, auch "die zackigen Bewegungen und ständig verdrehten Augen". Zudem hat der Schauspieler gleich mehrere Titel: Kessler ist auch Regisseur, Autor, Synchronsprecher, Comedian, Grimme-Preisträger und Moderator. Auch bei der jährlichen Verleihung der GOLDENEN KAMERA stand er regelmäßig auf der Bühne, wie hier bei der Laudatio in der Kategorie "Beste deutsche Schauspielerin":

Laudatio "Beste deutsche Schauspielerin"

Die Zuschauer kennen ihn aber vor allem als genialen Verwandllungskünstler. Kaum ein anderer imitiert so gekonnt die deutschen Stars. Egal, ob Peter Kloeppel, Florian Silbereisen, Andreas Türck, Günther Jauch oder Joschka Fischer - in seinen Parodien scheut Kessler sich nicht davor, bekannte Namen zu verunglimpfen. "Ob mir heute noch jemand böse ist, weiß ich nicht", sagt er. Der RBB hält auf jeden Fall große Stücke auf ihn und gibt ihm angesichts seiner vielen Talente jetzt eine eigene Primetime-Show: "Showtime, Herr Kessler!" (ab Freitag, 30. August, 20.15 Uhr, RBB). Zwar findet sie nicht am Samstagabend und nicht im eigenen Studio statt, dafür kann Kessler aber auf seine Kreativität und Spontanität setzen - denn er macht ganz Berlin zu seiner Bühne und reist auf der Suche nach (berühmten) Gästen quer durch die Hauptstadt:

SHOWTIME, HERR KESSLER! Trailer

Überhaupt braucht Kessler keine festen Kulissen. Bereits in seiner Sendung "Sitzheizung gibt’s nicht!" holte er Promis mit einem Wagen ab und fuhr sie, während er sie interviewte, mit einem Ziel, das nur er kannte, durchs Land.

Michael Kesslers Anfänge von der "Lindenstraße" zu "Manta, Manta"

Dabei begann Michael Kesslers Karriere ganz klassisch mit einer Ausbildung an der Westfälischen Schauspielschule Bochum. Nach seinem Abschluss stand er von 1992 bis 1995 beim Nationaltheater Mannheim unter Vertrag. Zeitgleich ergatterte er in der "Lindenstraße" seine erste TV-Rolle Kellner-Azubi bei Anna und Hansemann. Mit seinem Kinodebüt in "Manta, Manta" (1991) erlangte er als Klausi deutschlandweit Anerkennung.

Klausi in "Manta, Manta"

Eine Rolle, die bis heute an ihm haftet: "Manche Menschen verbinden mit mir immer noch den Blödkopf Klausi aus dem Film 'Manta, Manta' und denken, dass ich auch in Wirklichkeit so bin und nichts im Kopf habe", verriet er der Berliner Morgenpost.

Switch: Michael Kesslers Durchbruch

Fuß fasste er in der deutschen TV-Landschaft mit der Show "Switch" (1999-2000) bzw. später mit "Switch Reloaded" (2006-2012) und der "Wochenshow" (2001-2002). In diesen Sendungen konnte er seine ganze Bandbreite an Verwandlungsfähigkeit, sein Repertoire in die verschiedensten Charaktere einzutauchen, vollends ausleben. Kessler sagt: "Ich liebe es, Menschen zu beobachten, sie zu analysieren und dann in ihre Rolle zu schlüpfen. Ich brauche das ernste Spiel, um zu verstehen, wie es ist, der andere zu sein. Dann kann ich mich gut hinter den Masken verstecken."

Die vielen Gesichter des Michael Kessler

Sein komödiantisches Talent, welches er sich wohl von seinem Vater, der Optiker, aber zugleich begeisterter Laiendarsteller im Heimatverein war, abgeguckt hat, brachte er in einer Reihe weiterer Comedy-Shows zu Geltung. Darunter: "Genial daneben" (2005-2008), "Schillerstraße" (2004-2006) und "Pastewka" (seit 2005).

Michael Kessler blieb aber auch lange Zeit dem Theater treu, trat u.a. in seiner Geburtstadt Wiesbaden und in Bochum, Zürich und Frankfurt auf. Seit 2005 gastiert er zusammen mit Bastian Pastewka, mit dem er auch in einer WG wohnte, mit dem Stück "Männerhort" wiederkehrend im Theater am Kurfürstendamm Berlin. Wie Kessler aber SpiegelOnline gegenüber mitteilte, hat das Theater für ihn an Charme verloren: "Theater ist mir oft zu krank, depressiv, elitär - humorlos. Ich musste mich Regiekonzepten unterwerfen, die ich nicht mittragen wollte. Ich stand drei Stunden mit einer Glatze und einem Fetzen am Leib auf einer schrägen Bühne. Theater muss verzaubern, unterhalten und berühren. Das tut es kaum noch."

Michael Kessler - ein Allroundtalent

Stattdessen suchte sich Kessler immer neue Herausforderungen: Er agierte als "Wetten, dass...?"-Außenreporter, zeigte in Krimis wie "Der Tatort", "Der letzte Bulle" oder "SOKO 5113", dass er als Verdächtiger auch ernst spielen kann. Und schnappte sich vor allen in Kinderfilmen wie "Die Vampirschwestern", "Fünf Freunde 3" oder "Freche Mädchen" Kinorollen.

Kesslers Knigge - 10 Dinge, die Sie beim Drive-In nicht tun sollten

Nebenbei bewies er, dass er auch als Regisseur und Autor gute Arbeit leisten kann. Bereits seit 1999 schreibt er Theaterstücke, Musicals und für seine eigenen Formate wie "Kesslers Knigge", "Switch reloaded" und "Meine heile Welt" die Drehbücher. Für die Programmzeitschrift TV DIGITAL verfasste Michael Kessler von 2011 bis 2016 eine eigene Kolumne.

Michael Kessler privat

Über sein Privatleben vermeidet es Kessler sich zu äußern: "Ich habe mich dafür entschieden, die Menschen durch mein Können zu unterhalten und nicht durch Skandale und Geschichten aus meinem Privatleben", sagt der 52-Jährige gegenüber SpiegelOnline.

Ein bisschen ist dennoch durchgesickert: Kessler ist verheiratet, hat zwei Kinder und einen griechischen Jagdhund, mit dem er gern durch die Kölner Parks spaziert. Zum Entspannen zupft er am liebsten das Unkraut in seinem Garten.

Er bezeichnet sich selbst als Spießer: "Das normale Leben mit seiner Ordnung und meiner Ordnung, das ist für mich sehr wichtig", sagt er in seiner Show "Kessler ist...". Zudem definiert er sich als grundehrlich und "zwanghaft authentisch". Seine größte Sorge sei es, die Kontrolle zu verlieren. Auch sein fünf Jahre älterer Bruder Stefan Kessler, ein Radiologe, bezeichnet ihn als sehr ordentlich und diszipliniert. Er glaubt, dass Michael immer auf der Suche nach Erfolg sei.

Der ist ihm beruflich definitv vergönnt: Michael Kessler hat bereits vier Deutsche Comedypreise, drei Deutsche Fernsehpreise, den Adolf-Grimme-Preis und den österreichischen Film- und Fernsehpreis Romy gewonnen.