"Tatort: Maleficius": Eine Frankenstein-Science-Fiction-Utopie

Sebastian Bezzel spielt im "Tatort Maleficius" (Sonntag, 8. September, 20.15 Uhr im Ersten) Frankenstein und zeigt Lena Odenthal, wie KI das menschliche Gehirn optimieren kann.

Dies ist bei weitem nicht der erste "Tatort" über künstliche Intelligenz. Bereits die Münchner sorgten mit ihrem Fall "KI" für Aufsehen, Bremen mit dem "Tatort: Echolot" und Stuttgart brachte den "Tatort: HAL". Doch der Ludwigshafener Fall setzt hier zu sehr auf Science-Fiction.

Darum geht's im "Tatort: Maleficius"

Ein Rollstuhl wird am Ufer des Rheins gefunden. Von dem Besitzer Lukas Pirchner (Igor Tjumenzev) fehlt jede Spur. Suizid, Tötung auf Verlangen oder Mord? Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und Johanna Stern (Lisa Bitter) stoßen bei ihren Recherchen auf zwei sehr unterschiedliche Alphamänner. Zum einen ist da der Bandenboss Ali Kaymaz (Gregor Bloéb), für den Lukas gearbeitet hat und der mit getunten Autos illegale Rennen veranstaltet. Zum anderen ist da der nobelpreisverdächtige Ausnahmearzt Prof. Bordauer (Sebastian Bezzel), der mit Hilfe von Platinen das menschliche Gehirn optimieren will. Von ihm erhoffte sich Lukas Hilfe, um wieder aus dem Rollstuhl heraus zu kommen.

Der Professor genießt allgemein ein sehr großes Renommee. Einzig der Krankenhauspfarrer Ellig (Heinz Hoenig, GOLDENE KAMERA 1998) stellte dessen Forschungen in Abrede. Als plötzlich Bordauers Assistenzärztin Dr. Marie Anzell (Jana Voosen) tot am Rheinufer gefunden wird, nehmen Odenthal und Stern die Klinik genauer unter die Lupe und stoßen dabei auf Erstaunliches.

Hintergrund

"Der eine frisiert Autos, der andere die Gehirne", so erklärt Odenthal die beiden Hauptverdächtigen. Dargestellt wird der Arzt von Sebastian Bezzel, der von 2004 bis 2016 den Konstanzer Kommissaren Kai Perlmann im "Tatort" spielte und derzeit sehr erfolgreich mit seiner Hauptrolle in den Eberhofer-Krimis zu sehen ist (hier das Interview mit der GOLDENEN KAMERA zu der Reihe). In "Schweinskopf al dente" ist neben Bezzel der österreichische Darsteller Gregor Bloéb zu sehen, der hier den Autotuner darstellt. Bloéb ist der Bruder von Tobias Moretti und war zuletzt im Frühjahr in "Der Auftrag" im Ersten zu sehen.

Es ist bereits der 18. "Tatort" für de Regisseur und Autor Tom Bohn engagiert wurde. In sechs Fällen spielte Lena Odenthal mit, zuletzt im "Tatort: Vom Himmel hoch", da recherchierte Bohn zum Thema Kampfdrohnen. Jetzt hat er sich mit dem medizinischem Fortschritt auseinandergesetzt und sagt: "Schon in den nächsten dreißig Jahren werden meines Erachtens die Weichen gestellt sein, ob wir als Homo sapiens weiter selbstbestimmt und unabhängig leben werden oder ob wir einen riesigen Entwicklungsschritt in Richtung einer funktionalen, rechnergesteuerten Masse genommen haben. Es gibt ernstzunehmende Wissenschaftler, die zielstrebig an der Verbindung zwischen menschlichem Gehirn und Rechner arbeiten, um den Menschen zu 'optimieren', also intelligenter und körperlich robuster zu machen... Wer diesen Gedanken vorschnell als spekulative Spukgeschichte abtun möchte, dem empfehle ich das Buch 'Homo Deus' von Yuval Noah Hariri zu lesen. Dieses präzise recherchierte Buch beschreibt genau den Stand der heutigen Forschungen und zeigt auf, wohin die Reise gehen kann, wenn wir nicht augenblicklich gegensteuern."

GOLDENE KAMERA TV-Tipp, weil…

...solche Gedankenexperimente immer spannend sind. Was wird der technische Fortschritt bringen, könnten Platinen im Gehirn Demenz und Depressionen heilen? Zerstört die Menschheit sich mit ihrer ständigen Selbstoptimierung irgendwann selbst?

Die Visionen in diesem Krimi sind sauber durchdacht und schlüssig, schießen aber besonders zum Ende über das Ziel hinaus. Dieser Abschluss ist schwer zu glauben. Ein Fall für Science-Fiction-Fans. Die restlichen Zuschauer werden besonders von den zwar grandios besetzten, aber völlig überzeichneten Charakteren (aufgepumpte Schrauber und zickige Sekträrin) genervt sein. Einzig Sebastian Bezzel kann mit seinen Festivalbändchen und Dackelblick die Zuschauer bei Laune halten. Zwar wirkt Odenthal endlich wieder etwas bissiger und schlagfertiger und auch Lisa Bitter stellt nun mehr als nur ein hübsches Beiwerk dar, aber es wäre schön, wenn die beiden bis zum nächsten Fall - die 70. Folkerts-Jubiläums-Folge - noch eine Schippe drauf legen.