Maria Furtwängler: "Ich war immer der Klassenclown"

Maria Furtwängler spielt in "Nachts baden" (25. September, 20.15 Uhr, Das Erste) einen Rockstar. Und verrät, was sie sich von Udo Lindenberg abschaute und wie wild sie früher selbst war.

Pola ist am Ende: Ihre Karriere als Rocksängerin stagniert, in der Kasse herrscht Ebbe, sie wird merklich älter. Und statt der selbst verordneten Kreativpause auf Mallorca muss sie sich mit den Nöten ihrer Tochter Jenny herumplagen, die wegen Prüfungsangst aus der Uni geflohen ist und Zuflucht in Polas mallorquinischer Finca sucht. Dort geraten die beiden aneinander: die strebsame, etwas spießige Tochter (Tijan Marei) und die rebellische Mutter, verkörpert von Maria Furtwängler. Für den "Tatort"-Star eine ungewohnte Rolle. Oder doch nicht? Das fragten wir Maria Furtwängler im Interview.

Maria Furtwängler im Interview

GOLDENE KAMERA: Wessen Idee war es, dass Sie eine Rocksängerin spielen?

MARIA FURTWÄNGLER: Als mich die Regisseurin Ariane Zeller fragte, ob ich Pola spielen wolle, war ich sofort begeistert – unter der Prämisse, dass ich auch die Songs singen darf. Wenn schon, denn schon!

Was haben Sie sich dafür von realen Rockstars abgeguckt: etwa die coole Sprache oder den Hang zum Chaos?

Mehreres, besonders von Udo Lindenberg. Denn als ich Udo Anfang 2018 im Hamburger „Hotel Atlantic“ traf und ihm erzählte, dass ich demnächst eine Rocksängerin spiele, war das für ihn die Initialzündung, mich zu fragen, ob ich bei seinen Hamburger Konzerten gemeinsam mit ihm singen würde. Polas Ausrufe wurden von Udo inspiriert, etwa ihr "Yeah! Yeah! Yeah!", genauso wie manche ihrer Bewegungen. Sowohl Pola als auch Udo bewegen ihren Körper total frei – je nach Lust und Laune.

Gibt es denn Schnittmengen zwischen Ihnen und Pola?

Ich verstehe gut, dass Pola und ihre Tochter ihr Verhältnis permanent austarieren, weil sich Mütter und Töchter generell immer wieder neu justieren. Einerseits sind sie sich sehr nahe, andererseits müssen Mütter lernen, dem Kind Freiheiten zuzugestehen – trotz aller Ängste.

Welches Verhältnis haben Sie zu Ihrer eigenen Mutter, der berühmten Schauspielerin Kathrin Ackermann? Sind Sie Freundinnen?

Meine Mutter wollte die Vermischung der Begriffe „Mutter“ und „Freundin“ nicht. Ich sehe das genau wie sie, weil ich auch finde, dass Töchter und Freundinnen zwei verschiedene Dinge sind. Ich will nicht die beste Freundin meiner Tochter sein, ich werde immer ihre Mutter sein. Aber natürlich schließt das nicht aus, dass meine Tochter und ich beide wollen, es möge dem anderen immer gut gehen. Auf dieser Ebene sind wir dann doch Freundinnen.

Hat der Beruf Ihrer Mutter dazu beigetragen, dass auch Sie eine Schauspielerin wurden?

Na klar. Durch meine Mutter hatte ich schon früh Kontakt mit der Schauspielerei und habe bereits damals einzelne, kleine Rollen gespielt. Zudem war ich mit meiner Mutter immer im Theater, weil sie nicht wusste, wo sie mich als Nachzüglerin anderweitig unterbringen sollte. Ich habe im Münchener Residenztheater etwa oft hinter der Bühne oder in der Maske geschlafen.

Was haben Sie bei der Erziehung Ihrer Tochter ganz anders gemacht als Ihre Mutter bei Ihnen?

Als meine Tochter ein bestimmtes Alter erreichte, habe ich mir bewusst verboten, bestimmte Urteile und Meinungen darüber zu äußern, wie sie lebt. Obwohl ich eine Meinung dazu hatte, habe ich meine Klappe gehalten.

Wie war Ihre eigene Teenagerzeit?

Ich war immer der Klassenclown: sehr frech und sehr lustig. Aber gleichzeitig war ich auch eine totale Spätentwicklerin, die spät in die Pubertät kam.

Was war das Rebellischste, das Sie in Ihrer Teenagerzeit gemacht haben?

Gras angebaut im Garten meiner Mutter.

Was ist Ihre beste Eigenschaft?

Ich bin sehr emphatisch und kann mich wirklich gut in andere hineinversetzen.

Und Ihre schlechteste?

Ungeduld. Und dass ich immer noch nicht genug meinen Instinkten vertraue. Eigentlich weiß ich, was mir guttut, aber meinem Bauchgefühl misstraue ich trotzdem oft, weil mein Über-Ich am Steuer sitzt.

Sie sind Schauspielerin und Ärztin. Wollen Sie vielleicht noch Publizistin werden und von Ihrem Mann Hubert Burda den Verlag übernehmen?

Nein. Das habe ich nicht vor.