Kommt "Wetten, dass..?" dauerhaft zurück?

ZDF-Programmdirektor Dr. Norbert Himmler.
ZDF-Programmdirektor Dr. Norbert Himmler.
Foto: ZDF
Das Comeback von "Wetten, dass..?" im nächsten Jahr sollte eigentlich eine einmalige Sache sein. Doch jetzt stellt sich heraus: Auch danach könnte die traditionsreiche TV-Show weitergehen.

Das Zweite ist Erster. Zumindest in den vergangenen sieben Jahren hatte das ZDF mehr Zuschauer als jeder andere Sender. Und dieses Jahr? Wir sprachen mit Programmdirektor Dr. Norbert Himmler exklusiv über einen neuen TV-Trend, die größte ZDF-Baustelle und einen Schauspiellehrer für „Traumschiff“-Kapitän Florian Silbereisen.

Norbert Himmler im Interview

GOLDENE KAMERA: Im August gab es eine kuriose Situation: ZDF Neo hatte abends mit einem Krimi mehr Zuschauer als das ZDF. Was überwiegt da: Freude über Neo? Sorge ums Hauptprogramm?

NORBERT HIMMLER: Es zeigt, wie erwachsen ZDF Neo geworden ist, aber auch, wo Zuschauervorlieben liegen. In Umfragen wünschen sich alle mehr Kultur und Information. Letztlich aber haben LiveSport, Filme und Serien fast immer mehr Zuschauer als ausgezeichnete Informationssendungen. So war es auch hier.

2018 holte das ZDF den höchsten Jahresmarktanteil seit 22 Jahren. Wie sieht es dieses Jahr aus?

Auch 2019 scheint das ZDF an der Spitze des deutschen Fernsehmarktes zu bleiben. Aber Rekorde kann es nicht jedes Jahr geben. Die hängen letztlich auch von sportlichen Großereignissen wie Fußball-WM oder Olympia ab. Gerade hier zeigt sich: TV wird immer mehr zum Live-Medium.

Wo liegt denn die größte Baustelle beim ZDF?

Genau dort. Wir brauchen mehr Live-Events. Diese „Hast du das gestern gesehen?“-Momente kann die Streaming- Konkurrenz nicht bieten. Als im Juli Starkregen den „ZDF-Fernsehgarten“ ins Studio getrieben hat, war das so ein Moment. Live sorgt immer für Überraschungen. Die Frage ist: Wie sehen neue Showkonzepte aus, die vom Live-Charakter leben? Daran arbeiten wir im Moment. Auch der TV-Hit des Sommers lief live – aber bei ProSieben.

Hätten Sie sich die Musikshow „The Masked Singer“ auch beim ZDF vorstellen können?

Am Anfang habe ich ehrlich gesagt schon die Stirn gerunzelt. Aber im Lauf der Staffel entdeckte ich den Reiz am Miträtseln, wer denn da singe. Das war im besten Sinn eine Rateshow für die ganze Familie. Ja, das hätte ich mir, als Kern einer Show, durchaus auch bei uns vorstellen können.

Nächstes Jahr gibt es erst einmal Bewährtes: Thomas Gottschalk wird 70, und sie feiern ihn mit einer „Wetten, dass ..?“-Sondersendung. Wie wird die Show aussehen?

Es wird sicher ein paar Momente des Rückblicks geben. Aber letztlich soll es eine große „Wetten, dass ..?“-Show mit neuen Wetten werden. Wenn diese Show zwölf Millionen Zuschauer haben sollte … Dann machen wir zum 80. von Gottschalk noch eine!

Können Sie sich dann überhaupt dagegen wehren, noch mal damit in Serie zu gehen?

Das sage ich Ihnen, wenn tatsächlich zwölf Millionen Menschen zuschauen sollten. Das ist kein Nein. Aber auch kein Ja. Ich bin da offen. 2020 wird es eine einmalige Angelegenheit sein. Alles Weitere sehen wir dann.

Mussten Sie Thomas Gottschalk dafür eigentlich überreden? Er hatte 2011 von sich aus aufgehört.

Nein. Ich glaube, „Wetten, dass ..?“ reizt ihn immer noch. Außerdem ist es ja zu seinem Geburtstag.

Gottschalks Kollege Jan Böhmermann wechselt 2020 von ZDF Neo mit seiner Show ins Hauptprogramm. Wollten Sie ihn zwischenzeitlich mal loswerden?

Nein. Wieso denn?

Harald Schmidt denkt das. „Ich glaube, man wäre ihn gerne los“, sagte er im Sommer den „Stuttgarter Nachrichten“. „Beim ZDF kotzt man im Strahl, wenn man sieht, welchen Ärger er wieder einbringt.“

(Lacht) Ja, so stellt sich Harald Schmidt das ZDF vor! Aber dieses Klischee ist falsch. Klar ist die Zusammenarbeit mit Jan Böhmermann anspruchsvoll, aber wir wissen, was wir an ihm haben.

Harald Schmidt ist „Traumschiff“- Schauspieler. Wie kann er einen so falschen Eindruck von seinem Arbeitgeber haben?

Weil er über „Das Traumschiff“ nicht das eigentliche ZDF kennengelernt hat. Diese Reihe steht für Eskapismus und ist eine Welt für sich – sonst wäre Harald Schmidt wohl auch nicht dort.

Auf dem „Traumschiff“ bekommt Schmidt jetzt einen neuen Kapitän. Die Personalienalie Florian Silbereisen war umstritten, unter anderem äußerte sich die einstige Chefhostess Heide Keller. Haben Sie mit Kritik gerechnet?

Natürlich. Bei der Besetzung einer solchen Position gibt es immer Lob und Kritik. Ich glaube, einer, der es besonders gut gefunden hätte, ist „Traumschiff“-Schöpfer Wolfgang Rademann. Diese Neubesetzung ist ganz in dem Stil, wie er die Reihe verstanden hat: Unterhaltung im besten Sinn. In dieser Tradition ist Silbereisen eine sehr logische Besetzung.

Gab es intern Diskussionen? Silbereisen kommt nicht vom Schauspiel.

Nein. Er selbst weiß am besten, dass er sich in diese neue Rolle hineinarbeiten muss. Aber da habe ich überhaupt keine Zweifel. Am 26. Dezember um 20.15 Uhr kann sich jeder selbst überzeugen.

War denn ein Schauspiellehrer für ihn mit an Bord?

Ganz ehrlich, das weiß ich nicht.

Lassen Sie uns maritim bleiben: Wie ist der Stand bei Ihrer Serie zu Frank Schätzings „Der Schwarm“?

Wir sind in der Drehbuchphase. Es ist eine große internationale Koproduktion, die ihre Vorbereitungszeit braucht. Drehstart ist 2020, 2021 kommen die acht Episoden dann ins Fernsehen.

Sind weitere Staffeln denkbar?

Wenn die Qualität stimmt, könnte es weitergehen. Dann allerdings über das Buch hinaus, denn mit den ersten acht Folgen wird der Roman vollständig erzählt.

Auch „Shadowplay“, das im Berlin des Jahres 1946 spielt, ist ein großes Serienprojekt. Wird es das „Babylon Berlin“ des ZDF?

Für den Mut bei „Babylon Berlin“ zolle ich der ARD großen Respekt. Richtig ist, dass wir finanziell in Bereiche vorstoßen, die für uns bisher unüblich waren. Unser Ziel ist es, deutsche Nachkriegsgeschichte zu erzählen, aber in einer Form, die auch international interessant ist.

Babylon Berlin“ spielt zur Zeit der Weimarer Republik. Haben Sie für „Shadowplay“ gezielt nach einem ähnlich unverbrauchten Serienszenario gesucht?

Absolut. Was wir bisher relativ wenig in Serien gesehen haben, sind die 1950er und 1960er oder wie bei „Shadowplay“ die direkte Nachkriegszeit. Dort gibt es noch viele spannende Geschichten zu erzählen.