Hessischer Ausnahmezustand im "Tatort: Angriff auf Wache 08"

Im "Tatort: Angriff auf Wache 08" muss sich Kommissar Murot in Western-Manier gegen eine krawallige Verbrecherbande wehren, die eine Polizeistation belagert.

Auf eine klassische Tätersuche warten die Zuschauer vergeblich, wenn wieder der "etwas andere Tatort" mit LKA-Ermittler Felix Murot (Ulrich Tukur) den Sendeplatz am Sonntagabend belegt. Dann spricht der Kommissar mit seinem Gehirntumor, sorgt für ein Massaker im Western-Style oder ist in einer Zeitschleife gefangen. Der "Tatort" des Hessischen Rundfunks will sich jedesmal neu erfinden und schafft das auch beim 8. Einsatz von Kommissar Murot im Umland von Offenbach. (So, 20. Oktober, 20.15 Uhr im Ersten)

Der "Angriff auf Wache 08" ist eine überspitzte, absurde Hommage an das Genre-Kino der 60er und 70er Jahre, mit Anleihen bei John Carpenters Reißer "Assault - Anschlag bei Nacht", in dem sich verzweifelt Dorfsheriffs in einer abgeschiedenen Polizeistation verschanzen. Der Thriller von 1976 hatte auch ein Vorbild: Howard Hawks Western "Rio Bravo" aus dem Jahr 1959. Im neuen Murot-Tatort erinnert vieles an die beiden filmischen Meisterwerke.

Murot in der Falle

In der Peripherie zwischen Frankfurt und Offenbach steht eine alte, einsame Polizeiwache, die bald abgewickelt wird. Mittlerweile ist sie ein Polizeimuseum und beherbergt nur noch zwei Polizisten, die nur noch Führungen für Schulklassen veranstalten: Walter Brenner (Peter Kurth) und seine Kollegin Cynthia (Christina Große). Brenner ist ein alter Freund von Felix Murot (Ulrich Tukur).

Murot will seinen Ex-Kollegen aus BKA-Tagen besuchen, während sich in der Zwischenzeit einiges in der hessischen Provinz zusammenbraut: Eine Sonnenfinsternis, eine Tochter, die ihren ermordeten Vater gerächt hat und sich in das Revier rettet, und ein Gefangenentransport mit Schwerkriminellen, der mit einer Reifenpanne vor dem Revier strandet. Plötzlich wird das Revier beschossen. Eine Bande, die auf Rache aus ist, eröffnet plötzlich das Feuer und die Belagerten versuchen zu überleben - was nicht allen gelingt.

Drehbuchautor Clemens Meyer (42) und Regisseur Thomas Stuber (38) haben zusammen mit ihren Kollegen vor und hinter der Kamera einen wirklich besonderen "Tatort" auf die Beine gestellt. Mit Hilfe von Split-Screens, Gelbfärbung, ungewöhnlichen Einstellungen und eigens poduzierter Musik erzeugen sie ein hessisches "Rio Bravo" mit unzähligen Leichen. Selten dürfte man in einem "Tatort" so viele Waffen gesehen haben. In einem echten Western wird halt ordentlich geballert.

In den Hauptrollen sind neben Ulrich Tukur, Barbara Philipp, Christina Große und Peter Kurth auch Thomas Schmauser, Paula Hartmann, Sascha Nathan und Clemens Meyer als DJ Ecki zu sehen. Der Drehbuch-Autor spielt selbst einen skurriler Radio-Moderator, der die Zuschauer mit seinen Moderationen durch die Handlung führt.

GOLDENE KAMERA TV-Tipp, weil...

...hier echte Filmfreaks am Werk waren und ein großartiges Ensemble zum Einsatz kommt. Wer sowas mag, wird begeistert sein!