Nicolette Krebitz: "Wir müssen das noch besser hinkriegen"

In "Preis der Freiheit" spielt unsere zweifache GOLDENE KAMERA-Preisträgerin Nicolette Krebitz eine von drei ungleichen Schwestern.

Im Ost-West-Drama "Preis der Freiheit" (alle 3 Episoden täglich ab Montag, 4. November, um 20.15 Uhr im ZDF) kämpft die nach einem Fluchtversuch offiziell für tot erklärte Ina (Nicolette Krebitz) im westdeutschen Ministerium für innerdeutsche Beziehungen unermüdlich gegen das korrupte DDR-Regime – und darum, ihre im Osten bei ihrer Schwester Margot zurückgebliebenen Kinder wiederzusehen. Wir trafen unsere GOLDENE KAMERA-Preisträgerin von 1995 und 2004 zum Interview.

Nicolette Krebitz im Interview

Was beleuchtet „Der Preis der Freiheit“?

Nicolette Krebitz: Die schmutzigen Geschäfte, die die Wiedervereinigung von unten getragen beziehungsweise von oben gedrückt haben - am Beispiel von persönlichen Schicksalen. Es geht um die Geschäfte der Koko – der Kommerziellen Koordination – eine richtig kapitalistische Firma der DDR, die Devisen einbringen sollte und auch Geschäfte mit der BRD gemacht hat. Die BRD kommt dabei übrigens auch nicht besonders gut weg.

Sind Sie ein „politischer Mensch“?

Nicolette Krebitz: Alles, was ich selber mache, auch als Filmemacherin, ist immer auch gesellschaftspolitisch motiviert. Und ich glaube, dass alle arbeitenden Frauen gezwungenermaßen politisch sind, weil sie es früher oder später erfahren müssen, dass vieles ungerecht abläuft. Arbeitende Frauen fragen sich öfter als Männer, ob die Grenzen, an die sie stoßen, an ihnen, ihrer Kredibilität, ihrem Können oder Handwerk liegen – oder ob ein System dahintersteckt. Ich glaube, dass Frauen in unserer Arbeitswelt öfter gegen Wände laufen als Männer.

Kann die Serie Denkanstöße geben?

Nicolette Krebitz: Ich glaube nicht, dass ein Fernsehdreiteiler die Welt verändert, aber vielleicht trägt ‘Der Preis der Freiheit‘ zu einer gewissen Erleichterung auf der Ostseite bei. Im Taumel der Freude wurde den Ostdeutschen ein krummer Deal untergejubelt. Natürlich gab es neue Möglichkeiten aber viele haben auch erstmal alles verloren, was sie hatten.

Was hat Sie beim Dreh besonders erstaunt?

Nicolette Krebitz: Viele der in der Serie genannten Zahlen kannte ich vor dem Dreh noch nicht. Von den Unterhaltskosten der Mauer bis hin zu den Reparaturzahlungen der DDR und der BRD nach dem zweiten Weltkrieg, da ist schon ganz schön was hin und her geschoben worden. Die Teilung des Landes war zu jedem Zeitpunkt eine teure Angelegenheit. Ich bin sehr froh, dass wir wieder alle in einem Land wohnen. Trotzdem müssen wir das irgendwie noch besser hinkriegen. Vielleicht hilft es, sich ein genaueres Bild zu machen, was damals genau passiert ist, damit man sich gegenseitig besser versteht.

Bildergalerie: Nicolette Krebitz in ihren schcönsten Rollen