Barbara Auer: "Ich musste mich immer verteidigen"

In "Preis der Freiheit" spielt Barbara Auer eine DDR-treue Hardlinerin, die mit skrupellosen Handel der DDR dringend benötigte Devisen beschafft. Wir sprachen mit der Hauptdarstellerin über ihre Rolle im ZDF-Dreiteiler.

Im Zentrum des Ost-West-Dramas "Preis der Freiheit" (alle 3 Episoden täglich ab Montag, 4. November, um 20.15 Uhr im ZDF) steht Margot Spindler, gespielt von Barbara Auer, mit der GOLDENE KAMERA 1989 als beste Nachwuchspreisträgerin ausgezeichnet, eine sozialistische Hardlinerin, die ihre Parteitreue über alles stellt, auch über ihre eigene Familie. Wir sprachen mit ihr über ihre Rolle im ZDF-Dreiteiler.

Margot hat eine steile Karriere bei der Kommerziellen Koordinierung, kurz: KoKo, gemacht. Die zutiefst überzeugte Parteigenossin beschafft durch legale und illegale Geschäfte Devisen für ihr nahezu bankrottes Land. Durch Waffengeschäfte, Erlöse aus dem Häftlingshandel mit der BRD oder aus der Entsorgung von West-Sondermüll im Osten wird die DDR-Zahlungsbilanz aufgebessert.

Barbara Auer im Interview

Was finden Sie spannend an „Der Preis der Freiheit“?

Barbara Auer: Die wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen Ost und West!

Zum Beispiel?

Barbara Auer: In den achtziger Jahren las man in der West-Presse häufig von den Treffen und Deals zwischen Schalck-Golodkowski und Franz Josef Strauß. Wie umfangreich der Häftlingsfreikauf war und unter welchen Bedingungen er stattfand, wusste ich aber wie die meisten anderen Leute nicht - ebenso wenig, dass die DDR auf diese Geschäfte und andere Transaktionen, wie beispielsweise den Ankauf von Müll aus dem Westen, angewiesen war, um den Staatsbankrott aufzuhalten. Und während die Menschen schon auf den Straßen von Leipzig, Berlin und anderen ostdeutschen Städten demonstrierten und die erste friedliche Revolution in Deutschland stattfand, wurde bereits der Ausverkauf der DDR verhandelt.

Gibt’s ein reales Vorbild für Ihre Figur – die ranghohe und skrupellose Margot?

Barbara Auer: Allerdings! Bei der Kommerziellen Koordinierung (KoKo) gab‘s eine Frau namens Traudl Lisowski. Sie war Schalck-Golodkowskis Vertraute, eine unscheinbare Frau in den Fünfzigern. Lisowski wohnte mit ihrem Mann in einer einfachen Zweizimmerwohnung, hatte sich aber hochgearbeitet und dirigierte vor der Wende die DDR-Firmen im Westen. Nach dem Mauerfall wickelte sie diese Firmen ab und transferierte das Geld auf Geheimkonten. Sie war dann bis 1991 bei der Treuhand angestellt.

Um was haben Sie die Frauen in der DDR beneidet?

Barbara Auer: Um die Gleichberechtigung und die Arbeitsbedingungen als Mutter. Als mein Sohn beispielsweise Mitte der 80er Jahre zur Welt kam, habe ich ihn zu einer Tagesmutter gebracht, um weiter am Theater arbeiten zu können – und nicht wenige haben darüber die Nase gerümpft. Immer hatte ich das Gefühl, mich verteidigen zu müssen. In Ostdeutschland hätte sich niemand darüber mokiert, sondern ich hätte für mein Kind selbstverständlich einen Krippenplatz bekommen.