Nadja Uhl: "Wir ziehen Mauern in unseren Köpfen"

In der ZDF-Miniserie "Preis der Freiheit" engagiert sich Nadja Uhl als Lotte für den Umweltschutz in der DDR. Wir sprachen mit der GOLDENE KAMERA-Preisträgerin über ihre Rolle.

Im Ost-West-Drama "Preis der Freiheit" (alle 3 Episoden täglich ab Montag, 4. November, um 20.15 Uhr im ZDF) spielt Nadja Uhl (GOLDENE KAMERA 2014) eine aufmüpfige Schwester und protestiert medienwirksam gegen die westdeutsche Giftmüllentsorgung im ostdeutschen Bitterfeld. Wir trafen die Hauptdarstellerin zum Interview.

Nadja Uhl im Interview

Warum ist die dreiteilige ZDF-Miniserie „Der Preis der Freiheit“ sehenswert?

Nadja Uhl: Weil sie sehr berührend ist! 30 Jahre nach dem Mauerfall zeigt sie eine Sicht, die es bislang noch nicht gab. Außerdem gibt es sehr brisante Situationen und Sätze, die man für steile Thesen halten könnte. Und natürlich legt die Serie den Finger in die Wunde der allgemein gültigen Meinung über die friedliche Revolution, und zeigt, dass die Entscheidungen woanders getroffen wurden. Weil es um Macht und Geld ging. ‚Der Preis der Freiheit‘ ist eine zeitlose, hochaktuelle Serie über Macht und Geld, die ein Alleinstellungsmerkmal hat.

Ihre Meinung über den aktuellen Zusammenhalt zwischen den Ost- und Westdeutschen?

Nadja Uhl: Was die heutigen Schnittmengen und Trennlinien zwischen den Ost- und Westdeutschen betrifft, sollten wir es aushalten, dass wir anders sozialisiert sind und andere Narrative haben – statt mit fast schwachen, kindlichen Egos gegen das Weltbild der anderen anzuschreien. Es muss aufhören, dass wir darüber streiten, wessen Buddelförmchen das Schönere war – denn auf diesem Niveau finden leider viele Diskussionen statt. Die gelebte Toleranz und selbständiges Denken ist in allen Bereichen viel mehr gefordert. Und auch wir Medienschaffenden müssen genau überlegen, wie wir mit Informationen umgehen – und ob wir mehr das Spaltende betonen oder den Focus auf das Gemeinsinn-Schaffende legen. Aus meiner Sicht ist es ein Dilemma, dass der Fokus auf den spaltenden Elementen liegt. Ich finde, man sollte sich auf einen humanistischen, vernünftigen, ökologischen Nenner einigen – weil die vielen Aufspaltungen in andere Meinungen nicht mehr nur Demokratie sind, sondern für viele Menschen eine blanke Überforderung, und weil diese Überforderung zu Verwirrung und Einfallsmöglichkeiten für unschöne Dinge führt.

Warum wohl polarisiert der Begriff ‚Mauer‘ so sehr – sei es, wenn Trump eine Mauer plant oder Heidi Klum ein Stück der Berliner Mauer in ihren Garten stellt?

Nadja Uhl: Weil der Begriff Mauer viele philosophische Fragen aufwirft – beispielsweise, was eine Mauer trennt, wovor sie schützt, was sie voneinander abgrenzt und wen sie einsperrt. Mauern definieren Positionen im Leben. Sie entscheiden, wo Hoheitsgebiete aufhören und anfangen, entscheiden über Krieg und Frieden, Besatzungen und Besetzungen sowie Diktaturen, Freiheit und Unfreiheit, bieten Schutz. Manchmal ziehen wir Mauern in unseren Köpfen, damit die Deutungen im Alltag überschaubarer werden. Aber gleichzeitig sind Mauern auch etwas Unumstößliches oder etwas, dass nicht so leicht zu revidieren ist. Und natürlich können Mauern auch schön sein, wenn man einen nervigen Nachbarn hat oder es sich dabei um eine schöne, alte Kirchenmauer handelt – und etwas abgrenzen, dass besonderer Aufmerksamkeit und Ehrung bedarf.