"Queen of Drags": So schrill wird die neue Show

GOLDENE KAMERA traf Heidi Klum exklusiv in Los Angeles beim Dreh ihrer neuen Show "Queen of Drags"

It’s time to shine – es ist Zeit zum Strahlen! Mit diesen Worten begrüßen Heidi Klum (46), Conchita Wurst (31) und Bill Kaulitz (30) zehn talentierte Männer, die in der sechsteiligen Show „Queen of Drags“ (ab 14. November, 20.15 Uhr, ProSieben) um eben diesen Titel kämpfen.

Queen of Drags": Conchita Wurst im Interview

Der „Queen of Drag“ winken eine Siegesprämie von 100.000 Euro, ein Cover-Foto auf der deutschen „Cosmopolitan“, eine Reise nach New York sowie eine große Kosmetikkampagne. GOLDENE KAMERA besuchte die „Drag Villa“ in Sherman/OaksLos Angeles, traf die Künstler, die sich auf der Bühne in Queens verwandeln, erlebte sie beim Schminken und Stylen im Backstage-Bereich („Glamspace“) und sprach mit Heidi Klum, Conchita und Bill Kaulitz über die Show.

Die schönsten Bilder von den Kandidatinnen:

Drag - Dressed as a Girl

Aber – was ist eine Dragqueen überhaupt? Kandidatin Bambi Mercury erklärt: „Der Begriff ist die Abkürzung für ‚dressed as a girl‘. Er stammt aus Shakespeares Theater, in dem Frauen nicht mitspielen durften und deshalb Männer ihre Rollen übernahmen.“ Männer, die für den großen Auftritt in Frauenrollen schlüpfen – das sind auch die zehn Kandidaten der Show.

Queen of Drags": Bambi Mercury im Interview

Gecastet wurden sie auf Instagram nach unterschiedlichen Kategorien wie „Grande Dame“, „Bärtige Queen“ oder „Plus Size“. Das ist natürlich dem Unterhaltungswert geschuldet, aber auch einer Botschaft, wie Heidi Klum betont: „Die Drags möchten respektiert werden wie alle anderen Menschen auch. Ich hoffe, dass die Zuschauer mehr Verständnis für sie entwickeln – und dass besonders die Eltern der Queens ihre Herzen öffnen. Denn viele fanden es nicht gut, dass ihre Söhne sich gerne verwandeln. Das ist wirklich traurig.“

So sehen die Teilnehmer ungeschminkt aus:

Gesucht: Starqualitäten

Die perfekte Verwandlung allein aber garantiert noch längst nicht den Titel der „Queen of Drags“. „Unsere Siegerin“, so Conchita, „muss Esprit, Witz, Schlagfertigkeit, eine politische Botschaft, ausgeklügelte Outfits und ein Talent haben. Mit anderen Worten: Sie muss ein Star sein.“

Und diese Starqualität gilt es immer wieder zu beweisen. „Jede Folge“, erklärt Bill Kaulitz, „steht unter einem anderen Motto, etwa ‚Fairytale‘ oder ‚Universe and Future‘. Dazu müssen die Kandidaten eine Show einstudieren und beispielsweise Aufgaben aus den Bereichen Comedy, Lip Sync, Schauspiel, Nähen und Tanzen erfüllen.“

"Queen of Drags": Samantha Gold im Interview

Die TV-Zuschauer erleben in der ersten Folge den Einzug der Kandidaten – mit zwei Lkw-Ladungen Gepäck – in die Drag-Villa, anschließend im Zeitraffer ihre optische Verwandlung und sehen sie bald darauf zum ersten Mal auf der Bühne des „The Club“ genannten Sets vor 70 Live-Zuschauern auftreten.

Die Jury entscheidet

Wichtigster Unterschied zum US-Format „RuPaul’s Drag Race“: Anders als dort entscheidet bei „Queen of Drags“ nicht ein Einzelner über Sieg und Niederlage, sondern eine dreiköpfige Jury, die zudem externe Unterstützung erhält – etwa durch Dragqueen Olivia Jones oder die Popsängerinnen Leona Lewis und La Toya Jackson sowie Amanda Lepore und Pablo Vittar. Und es gibt noch einen weiteren Unterschied: In „Queen of Drags“ sollen auch persönliche Geschichten der Kandidaten, in denen es häufig um Homophobie, Sexismus und Ausgrenzung geht, ausführlich erzählt werden.

Conchita Wurst: „Bei uns erfährt man etwas über einen Menschen und über die Welt in seinem Kopf – und über das, was er schön und unterhaltend findet. Das zeigen uns unsere Talente. Und ihre Gedankenwelt, ihre Charaktere und ihre Auftritte sind viel individueller als in anderen Shows.“ Bambi Mercury ergänzt: „Es wird hinter die Masken der Kandidatinnen geschaut.“

Queen of Drags": Katy Bähm im Interview

Dennoch gingen im Vorfeld einige Dragqueens auf die Barrikaden: Heidi Klum sei keine von ihnen, und ProSieben plane eine Freakshow, so die Kritik. Eine Befürchtung, die die eloquenten Kandidaten beim Besuch von GOLDENE KAMERA in L.A. nicht teilen. „Klar sehen die Zuschauer anfangs, wie schrille Paradiesvögel eine Villa beziehen“, sagt Aria Addams. „Aber neben den schrillen Dramaaspekten lernen sie uns und unsere Geschichten kennen.“ Und plötzlich, so Addams, würden die Menschen verstehen, was Homophobie anrichte, wenn Kandidaten bespuckt, geschlagen oder sogar verstoßen wurden – und dermaßen beschimpft, dass die Worte der Mobber „wie Samuraischwerter“ schneiden, so Kandidatin Hayden Kryze.

Für Aufklärung und Toleranz

Auch Heidi Klum ist überzeugt, mit „Queen of Drags“ Aufklärung und Akzeptanz zu fördern: „Wenn Kinder und Jugendliche demnächst um 20.15 Uhr unsere Show anschauen, dann können ihre Eltern ihnen erklären, was eine Drag oder ein Transgender ist. Ich hoffe, Deutschland ist ready für dieses Thema, denn es ist wirklich wichtig.“ Lesen Sie hier das gesamte Interview mit der "Queen of Drags"-Jury

"Queen of Drags": Vava Vilde im Interview

Das Fazit von GOLDENE KAMERA: "Queen of Drags" ist eine längst überfällige Show im deutschen Fernsehen – dank Humor und Witz, Tiefsinn und Aufklärung, Verwandlungen, ganz großen Gefühlen sowie heißen Choreografien, fantasievollen Kostümen und jeder Menge Überraschungen. Ganz schön schräge Unterhaltung also – mit der Betonung auf schön.

Die Kandidatinnen

  • CANDY CRASH, 32, aus Berlin: Die Dragqueen ist lustig und politisch zugleich, trotzt dem Patriarchat und zeigt jungen Menschen, dass sie wichtig und wertvoll sind. Hier geht's zum Interview
  • CATHERRINE LECLERY, 48, aus Köln: Brasilianische Grande Dame mit Humor. Ihre Ansage: Drags bitte nie berühren, „einen Picasso fasst man auch nicht an!“. Hier geht's zum Interview
  • YONCÉ BANKS, 26, aus Paderborn: Die Tänzerin will beweisen, dass man im Leben alles erreichen kann, wenn man fest an sich selbst glaubt. Hier geht's zum Interview
  • ARIA ADDAMS, 22, aus Wolfsburg: Sie verkörpert in ihrer Rolle puren Glamour und gibt als Entertainerin obendrein Denkanstöße. Hier geht's zum Interview
  • VAVA VILDE, 30, aus Stuttgart: Vava will Menschen inspirieren und bereichern und die Stimme, die ihr Drag verleiht, positiv nutzen. Hier geht's zum Interview
  • HAYDEN KRYZE, 20, aus Bern: Aus negativen Erlebnisse Positives zu lernen ist der Wunsch der jüngsten Drag, die junge Menschen inspirieren will. Hier geht's zum Interview
  • SAMANTHA GOLD, 25, aus Hamburg: Die rundliche Drag kämpft gegen Bodyshaming – und sieht sich als „Teufelchen mit Engelsgesicht“. Hier geht's zum Interview
  • JANISHA JONES, 25, aus München: Motto des Spaniers, der in einer religiös geprägten Umgebung aufwuchs: „Mehr Liebe, weniger Plastik“. Hier geht's zum Interview
  • KATY BÄHM, 26, aus Berlin: Als türkische Drag kämpft sie doppelt gegen Intoleranz: „Alle sind nackt geboren, jeder darf sein, was er will“. Hier geht's zum Interview
  • BAMBI MERCURY, 32, aus Berlin: Die bärtige Queen, bald zweifacher Vater, fasziniert durch das Spiel mit Geschlechtsmerkmalen. Hier geht's zum Interview