Yvonne Catterfeld: "Gebt mir endlich böse Rollen"

Yvonne Catterfeld über die „Wolfsland“-Krimis, Grusel auf der Couch und Figuren, die sie noch nie spielen durfte.

Es gibt aktuell viele Anlässe für ein Interview mit Yvonne Catterfeld: In der erfolgreichen ARD-Reihe „Wolfsland“ jagt sie in ihrem fünften Fall "Das heilige Grab" (Donnerstag, 28. November, 20.15 Uhr im Ersten) Mörder im ostdeutschen Görlitz. Auf Sat.1 ist sie als Jurymitglied in der Castingshow „The Voice Senior“ zu sehen. Und obendrein feiert sie am 2. Dezember ihren 40. Geburtstag.

GOLDENE KAMERA traf den Star zu einem Gespräch, in dem es natürlich um die neuen „Wolfsland“-Krimis ging. Aber zugleich um ihre bisherige Karriere, Wünsche und Pläne für die Zukunft – und die Kräfte des Universums.

Yvonne Catterfeld im Interview

Was ist bloß los mit Ihrer TV-Ermittlerin, Frau Catterfeld?

YVONNE CATTERFELD: Wieso? Nun – nachdem Viola in den ersten Folgen meist recht sanftmütig auftrat, wirkt sie plötzlich ziemlich aggressiv … Richtig beobachtet, aber das ist ihren neuen Fällen geschuldet. In „Das heilige Grab“ jagt Viola den Entführer der Tochter ihres Kollegen, und in „Heimsuchung“ bekommt sie es mit einem Verdächtigen zu tun, der sie an ihren gewalttätigen Ex-Mann erinnert. Ich mag diese coole Entwicklung und dass das Irritierende und Gefährliche in Violas Charakter jetzt stärker durchschimmert.

Warum?

Weil ich solche Facetten immer schon mal spielen wollte und dazu viel zu selten die Gelegenheit bekomme. Dabei liebe ich es, dubiose, zwiespältige, geheimnisvolle Figuren zu spielen. Wie zum Beispiel die Spionin im Film „Am Ende die Hoffnung“: Die Rolle habe ich besonders gemocht, weil ich privat ausgeglichen bin und Konflikte und Konfrontationen viel lieber vor der Kamera auslebe. Doch leider wurden mir bislang keine Rollen angeboten, in denen ich mal eine Psychopathin oder eine Killerin spielen darf. Gebt mir endlich böse Rollen!

„Wolfsland“ erzielt Super-Quoten. Was ist wohl das Erfolgsgeheimnis?

Einerseits gibt es dieses menschliche Beziehungsgeflecht zwischen unseren Ermittlern. Das Verhältnis von Butsch und Viola wird immer wieder neu angelegt, in der neuesten Folge geht es beispielsweise um Leben und Tod. Andererseits liebe ich die Mystik und das Geheimnisvolle unserer Krimireihe. Bei „Wolfsland“ können die Zuschauer auf dem heimischen Sofa in menschliche Abgründe blicken und sich dabei ein bisschen gruseln. Die Fälle sind häufig ziemlich heftig – meistens wie ein böses Märchen.

Inwiefern ein böses Märchen?

Weil es in vielen Folgen Anspielungen auf Märchenfiguren gibt. Der Titel unserer Reihe erinnert an den bösen Wolf, in der Folge „Das heilige Grab“ verschwindet ein Mädchen mit einem roten Mantel, ein Doktor heißt Grimm, und bei der Spurensuche finden die Ermittler – ähnlich wie in „Aschenputtel“ – einen blutigen Schuh.

Sie sind in Erfurt aufgewachsen, Ihre Krimireihe spielt in Görlitz. Ihr Fazit nach 30 Jahren Mauerfall: Sind wir Deutschen zusammengewachsen?

Leider nicht. Momentan gibt es eine Mauer in den Köpfen – und diese Mauer ist stärker denn je.

Haben Sie Verständnis für die Motive vieler ostdeutscher Wähler, der AfD ihre Stimme zu geben – oder verstehen Sie das als künstlerischer Freigeist nicht?

Ich habe Verständnis für Probleme und Ängste. Und ich finde, dass man darauf eingehen muss und versuchen sollte, den Menschen ihre Ängste zu nehmen. Die sind aber kein Grund, AfD zu wählen.

In dem Fall „Das heilige Grab“ geht es um religiösen Übereifer, dazu um Engel, Satan, Gott und Sünder. Wie lässt sich Ihr Glaube beschreiben?

Ich bin nicht religiös erzogen worden, aber ich glaube an die Existenz übersinnlicher Kräfte, die nicht erklärbar sind. Spaßeshalber bitte ich „das Universum“ manchmal um einen Parkplatz – und es funktioniert. Nein, im Ernst: Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, als wir mit dem Verstand erkennen können.

In wenigen Wochen werden Sie 40. Wie feiern Sie Ihren runden Geburtstag und mit welchen Gefühlen gehen Sie in das neue Lebensjahrzehnt?

Mit gemischten Gefühlen. Zum Glück fühle ich mich noch recht jung und knackig. Den letzten Geburtstag, den ich groß gefeiert habe, war der 38ste. Die Party damals war so schön, dass ich gar nicht weiß, ob ich sie toppen kann.

Wenn Sie heute auf Ihr Leben und Ihre Karriere zurückblicken: Würden Sie wieder alles so machen wie gehabt?

Ich habe nicht nur positive Erfahrungen gemacht, deshalb würde ich rückblickend einige Umwege vermeiden und hätte kontinuierlich auf mich selbst gehört. Ich wäre eher meinen Instinkten gefolgt. Aber andererseits haben mich alle Erfahrungen natürlich auch zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin. Ich bin dankbar, dass ich meinen Weg gefunden habe.

Wie geht’s weiter bei Ihnen, was sind Ihre nächsten spruchreifen Projekte?

Gerade stehe ich für zwei weitere Folgen von „Wolfsland“ vor der Kamera. Außerdem arbeite ich an meinem neuen Album – und da habe ich gerade einen schönen Flow.