Wenn aus Sportstars TV-Profis werden

Tennisprofi Andrea Petkovic moderiert jetzt die „Sportreportage“ im ZDF. Sie ist nicht die erste Profisportlerin, die zum Fernsehen geht.

Das ZDF hat gute Erfahrungen mit ehemaligen Sportlern: Kristin Otto und Rudi Cerne sind seit vielen Jahren feste Größen beim Zweiten. Neben Sportsendungen moderiert Cerne mit „Aktenzeichen XY… ungelöst“ seit 2002 sogar eines der erfolgreichsten Formate des deutschen Fernsehens. Otto blieb nach ihrer journalistischen Ausbildung ganz beim Sport, ist nun stellvertretende Leiterin der „Sportreportage“, die Cerne ebenfalls moderiert. Beide haben dort nun eine neue Kollegin: Tennisstar Andrea Petkovic präsentiert die Sendung ab Dezember in unregelmäßigen Abständen.

ZDF-Sportchef Thomas Fuhrmann ist vom Neuzugang begeistert: „Sie ist eine tolle Tennisspielerin, eine großartige Persönlichkeit mit viel Charme und klarer Meinung. Obendrein hat sie ein besonderes Talent vor der Kamera.“

Warum eignen sich Sportler überhaupt als TV-Moderator?

Die meisten Athleten, die zum Fernsehen wechseln, arbeiten als Experten. Jüngste Beispiele sind Skifahrer Felix Neureuther und Fußballweltmeister Bastian Schweinsteiger in der ARD sowie die Biathletin Laura Dahlmeier im ZDF. Sie haben Erfahrung vor der Kamera und sind als bekannte Gesichter Zugpferde für die Zuschauer. Sportsendungen können das Sprungbrett für weitere Aufgaben sein.

Bestes Beispiel neben Cerne ist der ehemalige Handballprofi Alexander Bommes, der neben etlichen Sportformaten in der ARD auch Talkshows, Magazine und das erfolgreiche Quiz „Gefragt – Gejagt“ moderiert.

Ex-Fußballnationalspieler Thomas Helmer ist dem runden Leder auch vor der Kamera treu geblieben. Er moderiert bei Sport1 den wöchentlichen Fußball-Stammtisch "Doppelpass". Andere wie Eiskunststar Katarina Witt haben als Gast in Shows und Talkrunden Kameratauglichkeit bewiesen.

Das gilt auch für Andrea Petkovic, die mit ihren lockeren TV-Auftritten auffällt. Die Darmstädterin definiert sich nicht allein über ihren Sport. Ihr Abitur machte sie mit einem Notenschnitt von 1,2, sie spricht vier Sprachen und absolviert ein Onlinestudium der Harvard Business School. Zudem plant sie gerade ein Buch. Petkovic gibt aber auch zu, es sei eine Schwäche von ihr, sich zu viel zuzutrauen. Das Casting beim ZDF bewerkstelligte sie dann doch nicht so mühelos wie gedacht. Erst beim zweiten Anlauf klappte es.

Ihr gefalle das Konzept der „Sportreportage“, in der Hintergründe beleuchtet werden, die über Schlagzeilen und bloße Ergebnisse hinausgehen, meint sie. „Alles wird schnelllebiger und resultatsabhängiger. Wir versuchen, der Fels in der Brandung zu sein, der sich Zeit nimmt, den Weg zum Ziel zu erzählen und nicht nur das Endprodukt zu präsentieren.“

Nun gilt es, die neue Aufgabe zu meistern: „Mir macht es Spaß, Geschichten des Sports zu erzählen“, sagt Petkovic. „Hoffentlich kann ich diesen Spaß dem Publikum vermitteln.“ Mal sehen, ob auch der Tennisstar große TV-Karriere macht. Doch das ist Zukunftsmusik: Trotz des neuen Jobs will die 32-Jährige ihre Tenniskarriere fortsetzen.