"Der Club der singenden Metzger": Aufbruch in eine unbekannte Zukunft

Auf nach Amerika! Im Drama "Der Club der singenden Metzger" (27. Dezember, 20.15 Uhr, Das Erste) wagen junge Deutsche den Schritt ins Ungewisse.

Kaum Arbeit, wenig Essen, keine Zukunftschancen: Nach dem Krieg fehlt vielen Deutschen in der Heimat die Perspektive. Der Ausweg? Weg von hier! Tausende wagten in den 1920ern den Schritt nach Amerika.

Darum geht’s in "Der Club der singenden Metzger"

Schweißgebadet schreckt er aus dem Schlaf hoch. Für einen Moment war alles wieder da: die Bomben, die verzweifelten Schreie, die Toten – die Schlachtfelder des Ersten Weltkriegs. Erschöpft fällt Fidelis (Jonas Nay) zurück ins Kissen. Er ist in Sicherheit, daheim in Schwaben. Doch wie soll es weitergehen? Die Verfilmung des Bestsellers „Der Club der singenden Metzger“ erzählt in 180 Minuten von zwei jungen Menschen, die mit ihren Liebsten im Wilden Westen neu beginnen. Fremde Menschen, fremde Umgebung, eine fremde Sprache: Der Alltag entpuppt sich für die Einwanderer als schwer.

Eine zeitlose Problematik – aktueller denn je. „Ich glaube, der Film kann helfen, Verständnis zu wecken für jene Menschen, die alles aufgeben, um sich in Europa ein Leben aufzubauen“, sagt Hauptdarsteller Jonas Nay zu GOLDENE KAMERA.

53 Tage lang drehte das Filmteam in Kroatien. Auf einer brachliegenden Wiese entstand die Westernstadt Argus. Mittendrin: die Metzgerei von Fidelis Waldvogel. Für Darsteller Jonas Nay ungewohntes Terrain: „Vor dem Dreh durfte ich zwei Wochen in einer Metzgerei das Zerlegen von Schweinehälften lernen“, berichtet er.

Aylin Tezel bewegt sich dagegen in vertrauterer Umgebung. Die gelernte Tänzerin wirbelt als Artistin Delphine durch die Manege. „Die Chance, Akrobatik und Clownerie zu lernen, war großartig“, sagt sie. „So konnte ich die Liebe zur Schauspielerei mit meiner Leidenschaft fürs Tanzen verbinden.“ Als Delphines Vater wegen Mordverdachts im Knast landet, heuert die zurückhaltende Frau in der Metzgerei Waldvogel an – und verliebt sich in den liierten Fidelis.

Filmmusik von Jonas Nay

Für Jonas Nay ist der Film in doppelter Hinsicht ein Herzensprojekt. Der ausgebildete Musiker spielt nicht nur die Hauptrolle, sondern hat mit seinem Freund und Bandkollegen David Grabowski auch die Filmmusik geschrieben. „Zweieinhalb Monate saßen wir im Keller, haben komponiert und kaum Sonnenlicht gesehen“, erzählt Nay.

GOLDENE KAMERA-Tipp, weil…

Entstanden ist ein stimmungsvoller Mix aus Bluegrass, Wildwestmusik und Folklore, der ideal die ruhige Erzählweise ergänzt, mit der Regisseur Uli Edel durch den Film führt. Auch in der Geschichte spielt Musik eine große Rolle. Mit anderen Bewohnern von Argus gründet Fidelis eine Gesangsrunde. „Er zelebriert das gemeinsame Musizieren“, erklärt Jonas Nay. „So fühlt er sich der fernen Heimat nah.“ Es sind diese Momente im Film, die besonders berühren.