"Tatort: Väterchen Frost": Stille Nacht, tödliche Nacht

Kein frohes Fest in Nordrhein-Westfalen: GOLDENE KAMERA besuchte die Dreharbeiten zum neuen Weihnachtskrimi „Tatort: Väterchen Frost“ aus Münster.

Ganz Münster ist in Weihnachtsstimmung. Ganz Münster? Na ja, fast. Bevor es auch für Prof. Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) und Hauptkommissar Frank Thiel (Axel Prahl) Glühwein und Plätzchen gibt, haben sie noch einiges auf dem Zettel. Die beiden müssen etwa einen Weihnachtsmann aufspüren, der statt Geschenke auszuliefern Menschen verschleppt.

Dazu geben zwei Morde ebenso Rätsel auf wie ein kleinwüchsiger Krimineller und seine Rolle beim Verschwinden wertvoller Rohdiamanten. Als wäre das nicht genug, sind in der Stadt auch noch üble Drogen im Umlauf – und ein Leichenschänder schneidet Toten Ohrläppchen ab. Kurz: Der Advent ist nicht eben feierlich im beschaulichen Münster.

Jan Josef Liefers und Axel Prahl über "Tatort"-Münster

Stille, heilige Nacht? Von wegen!

Sonderlich festlich geht’s tatsächlich nicht zu, als wir am 22. November 2018 die Dreharbeiten zum Münsteraner Weihnachtskrimi „Väterchen Frost" (22. Dezember 2019, 20.15 Uhr, Das Erste) besucht. Nur ein spärliches Plastikbäumchen ziert das Kommissariat, das sich in Wirklichkeit in Köln befindet.

Und Jan Josef Liefers stellt auch gleich klar, das Fest der Liebe habe im Leben von Boerne und Thiel keinen sonderlich hohen Stellenwert. „Wie keinem aufmerksamen Zuschauer entgangen ist, sind unsere beiden ,Tatort‘-Ermittler Singles. Sie leben allein, haben so gut wie kein vorzeigbares soziales Leben und sind im Privaten eher Einzelgänger. Weihnachten unterm Tannenbaum? Nicht für Boerne und Thiel – die zwei sind Weihnachtsmuffel.“

Da beide in diesem Jahr zum Fest auch noch kurzfristige Absagen von Freunden und Verwandten kassierten, passt es ihnen gut, dass angesichts der Ereignisse in Münster an einen beschaulichen Heiligabend nicht einmal ansatzweise zu denken ist.

Darum geht's in "Tatort: Väterchen Frost"

Die Handlung der 36. Folge aus Münster: Der Russe Kirill Gromow (Oleg Tikhomirov) steht vor Gericht, er soll seinen Liebhaber erwürgt haben. Und die Indizien scheinen in diesem Fall erdrückend: Gromows Finger waren gebrochen, er selbst lag bewusstlos neben der Leiche. Doch bevor Staatsanwältin Wilhelmine Klemm (Mechthild Großmann) ihr Plädoyer halten kann, entführt ein als Weihnachtsmann kostümierter Kidnapper (Sascha Alexander Geršak, „Gladbeck“) Kommissarin Nadeshda Krusenstern (Friederike Kempter).

Mechthild Großmann über den "Tatort: Väterchen Frost"

Er fordert von Boerne und Thiel, den Fall Gromow neu aufzurollen und den wahren Mörder zu überführen. Ansonsten, so seine Drohung, werde ihre Kollegin das Weihnachtsfest nicht erleben. Die beiden Ermittler stehen schwer unter Zeitdruck – und sind noch keinen entscheidenden Schritt vorangekommen, als sich ein weiterer, grausamer Mord ereignet, den der skrupellose Täter als Suizid tarnt.

Regisseur Torsten C. Fischer („Romy“, „Tod im Internat) hat bereits eine ganze Reihe von der Kritik gelobter „Tatort“-Folgen inszeniert, mit „Väterchen Frost“ feiert er nun seine Premiere in Münster. Zu der Rolle, die das Weihnachtsfest in seinem Krimi spielt, sagt er: „In unserem Drehbuch wimmelt es nur so von Weihnachtsmännern. Aber was sich unter den Kostümen versteckt, birgt so manche Überraschung.“

Auch die Art der Inszenierung greife das Thema auf, so Regisseur Fischer: „Wir haben gezielt auf märchenhafte Elemente gesetzt und sind dem Genre Weihnachtsfilm mithilfe teil angsteinflößender Traumsequenzen und zahlreicher Märchenzitate begegnet.“

GOLDENE KAMERA TV-Tipp, weil…

Heraus kam dabei ein wenig beschaulicher, aber sehr sehenswerter, ironischer „Tatort“ mit zwei Ermittlern, für die Verbrechen eine willkommene Ablenkung von der weihnachtlichen Besinnlichkeit bringen. Ihre Darsteller wissen diese übrigens umso mehr zu schätzen, wie Axel Prahl verrät: „Meine Frau und ich lieben es, den Baum gemeinsam zu schmücken, dazu gibt es Weihnachtslieder, und vor der Bescherung kommt der klassische Gänsebraten mit Knödeln und Rotkohl auf den Tisch.“