Fontanes "Unterm Birnbaum" mit Julia Koschitz und Fritz Karl

Zum 200. Geburtstag von Theodore Fontane schlüpfen Julia Koschitz, Katharina Thalbach und Fritz Karl in die berühmten Rollen des frühen Krimiklassikers.

Gerade erst haben die Zuschauer Julia Koschitz (hier im Interview) zittrig und Tablettenschluckend in "Balanceakt" gesehen, jetzt greift sie in "Unterm Birnbaum" (Freitag, 27. Dezember, 20.15 Uhr, Arte) erneut zu Pillen und wird von Bösen Geistern heimgesucht.

"Unterm Birnbaum" Trailer

Im Interview mit der GOLDENEN KAMERA sagt Koschitz über diese Rolle: "Gemeinsam mit Fritz Karl spielen ich ein Paar, das einen Mord begeht. In der Rolle stelle ich eine psychisch angeschlagenen Person, die an dieser Tat zu zerbrechen droht, dar."

Darum geht's in "Unterm Birnbaum"

Ausgerechnet auf den Tag genau drei Jahre nach der Totgeburt seines Kindes, findet Wirt Abel Hradschek (Fritz Karl) im Garten unter seinem Birnbaum ein Skelett. Es handelt sich um einen toten Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg. Am Abend muss er zudem seiner Frau Ursel (Julia Koschitz) gestehen, dass sie pleite sind. Abels Spielschulden und Ursels exzessives Online-Shopping haben sie und ihren Gasthof ruiniert. Seine Frau, die eh schon schwer psychisch angeschlagen wirkt, ist entsetzt: "Eher gehe ich in die Oder. Armut ist schlimmer als der Tod."

Das und die Leiche in seinem Garten bringen Abel auf eine schreckliche Idee: Er plant den perfekten Mord. Ein Gläubiger, der bei ihm Schulden eintreiben will, hat sich für die nächste Nacht angekündigt. Der Mann trägt immer viel Geld bei sich...und landet tot in der Oder.

Alles sieht nach einem Unfall aus. Doch nach der Aussage der Nachbarin Jeschke (Katharina Thalbach) wird Polizeioberwachmeister Geelhaar (Devid Striesow) misstrauisch. Er lässt Abel verhaften, muss ihn aber aus Mangel an Beweisen wieder laufen lassen.

Hintergrund

Die 1885 veröffentlichte Novelle "Unterm Birnbaum" von Theodor Fontane gilt als Frühwerk der Kriminalliteratur. Pünktlich zum 200. Geburtstag des Autors hat Regisseur Uli Edel ("Das Adlon - Eine Familiensaga", 2013) die Novelle zeitgenössisch adaptiert.

Dies ist aber nicht die erste Verfilmung des Klassikers: Beispielsweise gibt es einen UFA-Film von 1945 mit René Deltgen und Gisela Uhlen in den Hauptrollen oder auch eine DEFA-Version von 1973 mit Angelika Domröse und Erik S. Klein.

Neben Julia Koschitz und Fritz Karl sind auch die Nebenrollen prominent besetzt. Schauspielikone Katharina Thalbach, die hier als Nachbarin Jeschke überzeugt, wurde jüngst für "Ich war noch niemals in New York" mit dem Ernst-Lubitsch-Preis ausgezeichnet. In der Rolle des Pfarrers ist Ex-Berliner-"Tatort"-Ermittler Boris Aljinovic zu sehen. Und auch der ehemalige Saarländer-"Tatort"-Kommmissar alias Devid Striesow glänzt hier als Nebendarsteller. Er spielt den Polizisten.

Überhaupt ist Striesow dieses Jahr auf den Bildschirmen omnipräsent. Vom Kinderfilm "Alfons Zitterbacke", bei dem er den Vater der Hauptfigur spielt, über die, auf wahren Tatsachen beruhende, Serie "Dignity", bei der er einen diabolischen Sektenanhänger darstellt, bis hin zur Endzeitserie "8 Tage" gehört er zu den am meisten beauftragten deutschen Schauspielern. Jüngst hat Striesow neben Iris Berben "Das Unwort" und neben Lars Eidinger "Nahschuss" abgedreht.

GOLDENE KAMERA TV-Tipp, weil…

Was für eine stark besetzte, elegante Neufassung hat Uli Edel doch aus dieser Klassikerverfilmung entwickelt. Obgleich sowohl die Geschichte, als auch die Täter bekannt sein dürften, kann die psychologisch intelligente Inszenierung einen doch fesseln. Die schaurige, unheilvolle Musik, die fein austarierten Zeitsprünge und die im richtigen Moment eingesetzten Abblenden getreu nach dem Motto: "Weniger ist mehr" (die Phantasie des Zuschauers ist stärker als die Bilder), halten den Zuschauer bei Stange. Düster und trotzdem apart findet dieser spannende Erzählstoff auch nach knapp 200 Jahren noch seine Berechtigung.