Atomkraft als Motiv im "Polizeiruf 110: Tod einer Journalistin"

Die Kommissare Olga Lenski und Adam Raczek dringen in kriminelle Verstrickungen von Politik, Wirtschaft und Justiz vor - bis sie selbst ins Fadenkreuz der Mächtigen geraten.

Deutschland will raus aus der riskanten Kernenergie, der Nachbar Polen sieht darin die umweltfreundliche Zukunft der Stromversorgung. Dieser umweltpolitische Konflikt, der aktuell die Regierenden in Berlin und Warschau beschäftigt, bietet den spannenden Hintergrund für den neuen Fall im deutsch-polnischen Kommissariat in Brandenburg (Sonntag, 29. Dezember, 20.15 Uhr im Ersten).

Eine undurchsichtige Rolle für Lenski (Maria Simon) und Raczek (Lucas Gregorowicz) spielt dabei der polnische Richter Lukasz Franczak (Maciej Stuhr), der die investigative Journalistin kannte, die durch einen fingierten Autounfall ermordet wird. Auch Eric Gerling (Max Herbrechter), der Vater der Ermordeten, mischt bei den Ermittlungen mit und lässt sich auf einen Deal mit Lenski und Raczek ein.

Darum geht's im "Polizeiruf 110: Tod einer Journalistin"

Die erfolgreiche Journalistin und Umweltschützerin Anne Gerling (Antje Traue) wird nach einem Unfall tot in ihrem Wagen aufgefunden. Die Kommissare Olga Lenski und Adam Raczek übernehmen die Ermittlungen. Gerling hatte als investigative Journalistin gearbeitet und war illegalen Machenschaften des Energiekonzerns Ergatome auf der Spur. Das Unternehmen will im polnischen Grenzland ein Atomkraftwerk bauen und kämpft vor Gericht gegen den Widerstand von Umweltverbänden und Anwohnern um die Baugenehmigung.

Lenski und Raczek finden heraus, dass Anne Gerling ermordet wurde und zudem schwanger war. Lukasz Franczak (Maciej Stuhr), der zuständige Richter im Prozess, kannte die Journalistin. Franczak ist ein ehrgeiziger, integer Richter, kurz vor dem nächsten Schritt auf der Karriereleiter. Sein Ziel: Richter am höchsten Gericht in Warschau. Unterstützung erfährt er dabei von seiner deutschen Frau Katharina (Dagmar Leesch), die das Leben in Stettin hasst. Doch der aktuelle Fall, in dem es um die Erteilung einer Baugenehmigung für das erste Atomkraftwerk auf polnischem Boden geht, bringt ihn in eine schwierige Situation.

In der Wohnung von Anne Gerling finden Raczek und Annes Vater Eric (Max Herbrechter) eine Audio-Datei, die die Ermittlungen in eine neue Richtung führt. Auch wenn er kein besonders enges Verhältnis zu seiner Tochter hatte, stand Eric Gerling ihr emotional sehr nah. Er ist davon überzeugt, dass sie einem Auftragsmord zum Opfer gefallen ist und im Zusammenhang mit ihren Recherchen zum Bau des Atomkraftwerks in Polen sterben musste. Der Journalist hat kein Vertrauen in die Arbeit der Polizei. Dennoch oder genau deswegen will der Journalist um jeden Preis wissen, warum seine Tochter Anne sterben musste.

Regisseur Stephan Rick (45) lebt und arbeitet als freier Regisseur in Berlin und Los Angeles. Die von ihm mitentwickelte und inszenierte Thrillerserie "Allein gegen die Zeit" wurde u.a. für den International Emmy Award nominiert. Der Polizeiruf "Tod einer Journalistin" ist nach "Preis der Freiheit" bereits der zweite Fall von Lenski und Raczek, der unter seiner Regie entstanden ist. Rick möchte mit seinem Film Antworten auf zwingende Fragen zum umstrittenen Thema Atomenergie geben: "Wie verlässlich ist die Technologie? Wie sicher ist der Standort? Diese Fragen gehen uns genauso an, wie die Menschen in Polen. Deshalb haben wir uns entschlossen einen deutsch-polnischen Justizthriller daraus zu machen."

GOLDENE KAMERA TV-Tipp, wil...

Ein brisanter Beitrag zum Thema Energiewende, angelegt als emotionsgeladener Justizthriller. Trotzt der komplexen Verflechtung zwischen Wirtschaft, Justiz und Politik wird aus dem Polizeiruf-Krimi keine platte Verschwörungstheorie. Den Mordfall verliert Regisseur Rick nie aus den Augen.

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