"Tatort: Tschill Out": Til Schweiger wird weich

Im "Tatort: Tschill Out" (Sonntag, 5. Januar, 20.15 Uhr im Ersten) gibt es kaum Actionszenen, sondern einen ausgesprochen soften und einfühlsamen Nick Tschiller.

Tschiller zeigt sich von seiner emotionalen Seite: "In mir steckt noch ganz viel Zeug fest. Gefühle. Ich werde mich darum kümmern." Der Polizist spielt auf den Tod seiner Ex-Frau an, für den er sich verantwortlich fühlt und den er nicht verarbeiten kann.

Obgleich dieser Tschiller-Fall (fast) ohne die übertriebenen Actionszenen auskommt - so richtig nimmt man dem Cop auch die Herzschmerzszenen nicht ab. Immerhin birgt der Ausflug ins Watt eine schöne Kullisse.

Darum geht's im "Tatort: Tschill Out"

Nick Tschiller (Til Schweiger) hat ein Disziplinarverfahren an der Backe. Bis das geklärt ist, hat ihn seine Tochter Lenny (Luna Schweiger) überredet, bei ihrer ehemaligen Lehrerin Patti Schmidt (Laura Tonke, GOLDENE KAMERA 2000) auf Neuwerk zu leben. Auf der Insel soll er, wie bei einer Beschäftigungstherapie, auf schwer erziehbare Jugendliche aufpassen und gleichzeitig über den Tod seiner Exfrau hinwegkommen.

Unerwartet legt auch sein Kollege Yalcin Gümer (Fahri Yardim) auf Neuwerk an. Im Schlepptau hat er den Linksextremisten Tom Nix (Ben Münchow), der für Drogenhandel im Darknet verurteilt wurde. Dieser sollte gemeinsam mit seinem Bruder Eddie ins Zeugenschutzprogramm aufgenommen werden. Doch auf dem Weg zum Safehouse, wurde Eddie erschossen.

Gümer bittet Nick Schutzengel zu spielen und Tom bei sich zu verstecken. Es scheint beim LKA einen Maulwurf zu geben, der die Reiseroute der Brüder verraten hat. Gümer verdächtigt die neue Kollegin Robin Pien (Zoe Moore). Widerwillig gewährt Tschiller Tom Unterschlupf, doch je mehr er über den dealenden Musiker erfährt, desto mehr merkt er, in was für eine gefährliche Situation ihn sein Kollege gebracht hat. Schließlich erreicht auch Eddies Mörder die Insel...

Hintergrund

Der heimliche Hauptstar dieses Tatortes ist Neuwerk. Was kaum einer von der Insel vor Cuxhaven weiß, ist, dass sie zur Hansestadt Hamburg gehört. Auf ihr leben nur 40 Einwohner. Bei Ebbe ist sie vom Festland aus zu Fuß durchs Watt zu erreichen, bei Flut ist sie allerdings von der Außenwelt nahezu abgeschnitten. Die "Tatort"-Macher zeigen das Naturschutzgebiet außerhalb des Tourismusses zur kalten Jahreszeit,.

"Einmal bitte 'Reset' bei der Figur Nick Tschiller – das ist unser Ziel. Ich glaube, dass es nach anfänglicher Neugierde und Begeisterung für den Schweiger-'Tatort: Willkommen in Hamburg' vom März 2013 zu einem Missverständnis gekommen ist zwischen den Machern der Hamburger Reihe und den Zuschauern", so Thomas Schreiber, der Leiter des Programmbereichs Fiktion und Unterhaltung.

Eoin Moore, der Regisseur von "Tschill Out", hat bereits mehrere "Polizeirufe 110" inszeniert und ist Hauptautor für die Bukow-König Fälle aus Rostock. Ihn zu engagieren war Til Schweigers Idee: "Wir waren uns alle einig, dass wir eine Art Neuanfang machen wollten, da wir das Action-Konzept des Kinofilms nicht mehr toppen konnten. Weil ich auf die Frage nach meinem Lieblings-'Tatort' immer den 'Polizeiruf 110' – Rostock genannt habe, der von Eoin Moore stark geprägt ist, haben wir ihn gefragt, ob er Lust hat, mit uns etwas Neues zu entwickeln, und er hatte Lust", so Schweiger. Hier finden sie Til Schweiger im Interview mit der GOLDENEN KAMERA.

Eoin Moore konnte hier, so wie es auch Til Schweiger gern macht, mit seiner Familie zusammenarbeiten. Mit seiner Frau Anika Wangard schrieb er das Drehbuch und die Rolle der neuen Kollegin Robin wird von seiner Tochter Zoe Moore gespielt.

GOLDENE KAMERA TV-Tipp, weil…

Die traumatisierte Figur Tschiller durchlebt also eine Wandlung - und das ist auch gut so. Aber warum muss sich Nick ausgerechnet als Seelsorger, der sich um mit Frust geladene Kids kümmert, hervortun? Sätze wie "Mit mir kannst Du reden" klingen bei dem sonst so toughen Cop sehr ungewohnt und wenig überzeugend. Paintball am Deich statt Schusswechsel in Istanbul - ja, das funktioniert da schon besser. Zumal das Szenario Wattenmeer sowohl inhaltlich, als auch szenisch überzeugt.

Nach der miesen Quote und auch nur wenigen Kinobesuchern des Films "Tschiller: Off Duty" war ein Neuanfang nötig. Aber warum bitteschön muss sich dabei wieder alles nur um Tschiller drehen? Jetzt wäre die Chance dargewesen, sich endlich mal mehr auf den Kriminalfall und weniger auf den Helden zu konzentrieren. Schade.

Bleibt also abzuwarten, ob die Zuschauer den soften, gebrochenen Tschiller besser finden. Wenn nicht, deutet der Fall bereits auf ein Ende der Reihe hin: Tschiller lässt auch seinem Kollegen gegenüber offen, ob er zum LKA zurückkehren wird. Erst mal muss er sich um seine Gefühle kümmern. Oh je ,wir sind gespannt, welche Art der Beschäftigungstherapie da als nächstes kommt...