"Ein starkes Team": Jubiläum mit Bier, Burgern und Schampus

Seit über 25 Jahren ermittelt "Ein starkes Team" in Berlin. Zur 80. Folge sprachen wir mit den Hauptdarstellern über Parkplatzsex, Schubladendenken und die in 2016 verstorbene Maja Maranow.

Die ZDF-Krimihitreihe "Ein starkes Team" lockt seit über 25 Jahren kontinuierlich zahlreiche Zuschauer vor den Bildschirm. Am Samstag den 4. Januar zeigt das ZDF um 20.15 Uhr den 80. Fall "Abgetaucht" (bereits in der ZDF-Mediathek zu sehen).

Mit dabei, wie seit Beginn der Reihe: Florian Martens als Kommissar Otto Garber. An seiner Seite ermittelt in der Rolle der Linett Wachow Stefanie Stappenbeck. Die Schauspielerin übernahm 2015 für die damals an Krebs erkrankte Maja Maranow (*1961, †2016). 2000 gewann der Film "Dunkle Tage", in der Stappenbeck die Hauptrolle spielt, die GOLDENE KAMERA-Leserwahl als Bester Fernsehfilm. Wir trafen Florian Martens (61) und Stefanie Stappenbeck (45) zum Interview:

Im 80. Fall sagt Otto zu Linett: "Ein Glück, dass wir noch nicht so lange befreundet sind." Sind da vielleicht noch andere Gefühle im Spiel?

Martens: Wir sind in erster Linie Kollegen.

Stappenbeck: Wir sind sehr gespannt, was die nächsten zehn, zwanzig Jahre bringen werden.

Was wünschen Sie sich für die kommenden Jahre?

Stappenbeck: Ich wünsche mir, dass zwischen uns immer irgendwas läuft. Das muss nicht auf der Liebesebene sein. In der 80. Folge treffe ich einen alten Schulfreund und Otto merkt, etwas ist komisch. Er versucht mich zu warnen. Es macht mir große Freude, wenn wir was Privates aushandeln. Aber auch, wenn wir uns gegenseitig anstacheln oder auch mal streiten oder aneinander reiben.

Aber Sie streiten doch sehr wenig miteinander, oder?

Martens: Ja, das habe ich eher mit der Vorgängerin getan. Aber ein bisschen mehr Zoff wäre schön.

Stappenbeck: Stimmt, jetzt haben wir uns als ein starkes Team etabliert. Die Grundlage von Vertrauen steht. Wir sollten mal Bescheid sagen, dass wir jetzt ein wenig mehr Streit vertragen könnten. Ich spreche gleich mal mit Lena (Kreaber, Chefproduzentin, Anm. der Redaktion).

In dieser Jubiläumsfolge bekommen die Zuschauer Sex auf einem Parkplatz zu sehen. War das schwierig für Sie zu drehen?

Stappenbeck: Nein, es waren alle züchtig angezogen. Das konnte ich gut aushalten.

Martens: Wir mussten ja nicht im Tanga rumlaufen.

Sehen Sie hier die spannendsten Bilder aus der 80. Folge "Ein starkes Team: Abgetaucht":

Herr Martens, Sie spielen seit über 25 Jahren diese Rolle – sind Sie sie nicht manchmal müde?

Stappenbeck: Flori wird nie müde!

Martens: Ich wollte nie Serienschauspieler werden. Es kam schleichend. "Ein starkes Team" war ja als einzelne Krimikomödie angelegt. Es begann damit, dass ich in einer Kneipe schon gut zurecht gemacht war- wie man so sagt - und ich begriff überhaupt nicht, warum Maja (Maranow, Anm. der Redaktion) mich ständig anguckte. Warum beachtete mich diese schöne Frau? In Wirklichkeit hat sie mich inkognito gecastet und zack war ich dabei. Gleich in den ersten Jahren kamen dazu die großen Produktionen von Dieter Wedel: "Der Schattenmann", "König von St Pauli", "Die Affäre Semmeling". Und zwischendurch drehte ich immer mal wieder "Ein starkes Team". So habe ich überhaupt erst nach drei Jahren gemerkt, dass ich eine Reihe an der Backe habe. Es hat Spaß gemacht und es lief zwölf Jahre Bombe.

Und heute?

Martens: Nach zwölf Jahren riss das plötzlich ab. Ich habe leider zu spät erfahren, dass jemand vom Sender dafür verantwortlich war. Aber der ist jetzt weg. Heute müsste ich aufhören und mich für drei Jahre zurückziehen, dann könnte ich wieder neu starten. Aber dazu habe ich keine Lust. Zuerst habe ich gedacht: Son Mist, jetzt habe ich genau das gemacht, was ich nicht wollte. Jetzt bin ich in der Schublade drin und komme nicht mehr raus.

Sie haben heute ihre Mütze nicht auf? Liegt die beim Kostüm?

Martens: Ich habe kein Kostüm, die Mütze trage ich auch privat – denn ansonsten ist es meinem Deoroller zu kalt (er zeigt auf seine Glatze).

Stappenbeck: Flori kommt morgens immer drehfertig zum Set. Er steigt aus dem Auto und kann sofort drehen.

Martens: Stimmt, meine Rolle hat das an, was ich selbst trage. Ich brauche keine Maske. Ich wache schon drehfertig auf. Das einzige, was zu tun ist: Kontaktlinsen reinschrauben. Das dauert zwei Minuten. Mir wurde der Otto auf den Leib geschrieben und den Rest habe ich mir so ranerzogen. Es ist die einzige Rolle, bei der ich mir das erlaube und auch das Berlinern, was ich ja auch privat tue. Ich kann sehr wohl Hochdeutsch sprechen, was ich in anderen Rollen mache. Aber im Otto steckt extrem viel von mir drin.

Zum Beispiel?

Martens: Drei-Tage-Bart, Berliner Schnauze, früher Kippe.

Welche Eigenschaften haben sowohl Otto als auch Florian?

Martens: Den Pragmatismus, die Bodenständigkeit und den Humor.

Hinter den Kulissen von "Ein starkes Team"

Wie viel Einfluss haben Sie auf den Inhalt der Reihe?

Stappenbeck: Wir haben Glück. Wir sind beides Schnellsprecher. Da haben wir manchmal noch Zeit, einer Szene ein paar Sätze hinzuzufügen, ohne dass sie dadurch zu lang wird.

Martens: Die Bücher haben sich verändert. In den ersten zehn Jahren gab es keine 'Political correctness', kein Gender, 'Me too', usw. Wir konnten machen, was wir wollten. Schleichwerbung, brennende Kippe, kurz mal zuschlagen. Heute darf man das nicht mehr drehen. Bei vielen Sachen ist das auch gut so. Aber zum Teil wird es übertrieben. Früher war es lebendiger und hatte mehr Seele. Wenn ich heute was zum Verbessern finde, dann schreibe ich noch mal was zur Szene dazu.

Wussten Sie, dass ihre Kollegin Maja Maranow krank war? Haben Sie je darüber gesprochen, wie die Reihe ohne sie weitergehen soll?

Martens: Nein, und das hat mich auch irritiert. Ich wusste ursprünglich überhaupt nichts. Ich hatte schon zwei Filme mit Steffi fertig gedreht, bevor ich überhaupt erfahren habe, was los ist. Dass sie gestorben ist, habe ich auf Facebook gelesen. Das einzige, was ich bekomme habe, war eine Rundmail zu ihrem Ausstieg, mit der Begründung, sie habe so viele andere Projekte. Ich habe das damals geglaubt und sie auch verstanden, denn ich wusste ja, dass sie viel arbeitete mit großartigen Regisseuren wie Matti Geschonek oder Dominik Graf. Danach haben wir uns nie wiedergesehen oder gesprochen. Ich habe ihr nur einmal eine Karte geschickt und dafür hat sie sich bedankt. Das war es.

Was war das für eine Karte?

Als wir früher zusammen waren, sind wir an einem drehfreien Tag nach Lübeck in eine Kirche gefahren. Dort stand das Relief einer Maus. Wenn man das berührt, darf man sich was wünschen. Als durchsickerte, dass es Maja schlecht geht, habe ich ihr von dieser Maus eine Karte geschickt und ihr Glück gewünscht.

Nachdem Maja Maranow ihren Ausstieg bekannt gab, haben Sie sich eine neue Partnerin auf Augenhöhe gewünscht. Haben Sie die bekommen?

Martens: Ursprünglich wollte ich eigentlich eher jemanden aus meiner Generation. Maja und ich waren nur zwei Jahre auseinander und hatten denselben Humor, was bei einer so langen Zusammenarbeit sehr wichtig ist. Vom Standing waren wir auch auf Augenhöhe. Als Maja plötzlich aufhören wollte und man mich fragte, ob ich weitermachen will, dachte ich, es müsse ein ähnlicher Partner aus meiner Generation sein. Ich wollte kein junges blondes Häschen, das meine Tochter hätte sein können. Ich, der alte Sack mit so einem jungen Ding. Und womöglich entwickelt sich da noch was. Das wäre mir und dem Otto peinlich gewesen. Deswegen bin ich auch nicht auf Steffi gekommen, weil sie ja 15 Jahre jünger wirkt, als sie ist. Aber da ich sie schon vorher kannte und wusste, dass sie seit über 30 Jahren im Beruf ist, zudem auch einen Osthintergrund wie ich hat, passte alles.

Frau Stappenbeck, Sie haben auch im "Polizeiruf 110" eine kurze Karriere als Ermittlerin gemacht, die aber durch den Tod ihres Schauspielkollegen Jörg Hube ein abruptes Ende fand. Könnten Sie sich erneut eine Rolle am Sonntagabend vorstellen?

Stappenbeck: Als Opfer oder Täterin ja. Als Ermittlern ausgeschlossen. Das geht nicht im TV. Nur Matthias Koeberlin hat zwei Ermittlerrollen. Aber als starkes Team sind wir dafür zu präsent.

Was für Rollenangebote reizen Sie dann?

Stappenbeck: Ich habe Lust auf andere Rollen und die darf ich ja zum Glück nebenbei spielen. Eine Psychologin würde mich interessieren. Ich bin auch privat total an medizinischen Themen wie Gehirnforschung und Bewusstseinsforschung interessiert. Durchgeknallt, pervers und blöd wäre ich auch gern.

Stefanie Stappenbeck ist ab dem 23. Januar neben Til Schweiger in der Kinokomödie in "Die Hochzeit" zu sehen:

Trailer: "Die Hochzeit"

Wie feiern sie das Jubiläum? Eigentlich wäre es ja schon 2019 gewesen…

Stappenbeck: Wir feiern einfach zur Ausstrahlung des 80. Falls - mit Bier und Champagner.

Martens: Ich weiß nie genau, wann der 80. ist. Wir haben gerade die 83. Folge abgedreht.

Stappenbeck: Wir treffen uns am Tag der Ausstrahlung mit Bier, Burgern und Schampus.

Martens: Aha? Ich habe Dich noch nie Bier trinken oder Burger essen sehen.

Wissen Sie noch nichts von dieser Verabredung?

Martens: Nee, wusste ich noch nicht.

Stappenbeck: Ich mache da jetzt mal ne Ansage.

Martens: Ok.

Interview: Kristina Heuer