"Tatort: Kein Mitleid, keine Gnade" - auch nicht für Kommissar Schenk

Im Kölner "Tatort: Kein Mitleid keine Gnade" (Sonntag, 12. Januar, 20.15 Uhr im Ersten) schrecken skrupellose Jugendliche nicht einmal vor Mord zurück.

Schüler können sehr gemein sein. Das weiß jeder. In diesem Fall bekommt Kommissar Freddy Schenk (Dietmar Bär) es aber am eigenem Leib zu spüren, wie durchtrieben Jugendliche sein können. Nach einer Falschaussage ist er plötzlich das Opfer und wird sogar von den Kollegen seiner eigenen Dienststelle gemobbt.

Darum geht's im "Tatort: Kein Mitleid keine Gnade"

Ein 17-Jähriger wird tot und splitterfasernackt, an einem See im Wald gefunden. Von den Klassenkameraden des Toten erhalten die Kommissare Freddy Schenk und Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) keine Hinweise. Ganz im Gegenteil: Die Jugendlichen mauern. Besonders die vier Mitschüler, mit denen er an einem Biologieprojekt gearbeitet hat, geben den Ermittlern Rätsel auf. Das Dreiergespann Emma (Nadine Wilcke), Lennart (Moritz Jahn) und Robin (Justus Johanssen) scheinen sich für was besseres zu halten und zeigen keinerlei Respekt gegenüber der Staatsgewalt. Und Paul (Thomas Prenn), der mit dem Toten eng befreundet war, benimmt sich seltsam geistesabwesend und verweigert die Zusammenarbeit mit der Polizei.

Als das Kondolenzbild am Schwarzen Brett in der Schule beschmiert wird, ist klar: Der Tote wurde gemobbt. Er war schwul und musste seit seinem Coming Out wohl besonders viel einstecken. Scheinbar hatte er eine heimliche Affäre mit dem Sanitäter Farid (Karim Günes), doch dessen strenger Vater verurteilt Homosexualität zutiefst. Als Schenk erneut versucht Emma zu befragen, rennt diese schreiend weg und behauptet, der Kommissar habe sie angefasst. Ein Vorwurf, der Schenk teuer zu stehen kommt.

Hintergrund

Dietmar Bär, der den Kommissar Schenk spielt, sagt zu diesem Fall: "Mobbing geht gar nicht. Im Film erleben wir Mobbing auf ganz unterschiedlichen Ebenen – unter Schülern, in der Familie und auch unter Kollegen. Letztlich wird auch Freddy Schenk selbst zum Opfer. Er weiß gar nicht, wie ihm geschieht und wo er Hilfe finden kann in dieser Situation. Halt findet er bei seinem Freund und Kollegen Max, aber auch bei Jütte, mit dessen ganz pragmatischen Tipps."

Drehbuchautor Johannes Rotter, der auch schon das Drama "Kehrtwende" (für das Dietmar Bär die GOLDENE KAMERA 2012 erhielt) schrieb, erklärt, wovon dieser "Tatort" erzählt: "Hatespeech, häusliche Gewalt und Mobbing finden vor unser aller Augen statt. Im Netz, bei der Arbeit und zu Hause. Sie können jede Person treffen. Auch die im Rampenlicht. In dieser Geschichte findet der Mord im Schutz der Dunkelheit statt. Doch das meiste, was sich ihre Figuren antun, geschieht im Schutz der Öffentlichkeit. In einer Gesellschaft, die sich so rasant ändert wie unsere, müssen wir gut aufeinander aufpassen, damit unsere Kinder diese Formen der Gewalt nicht als normal ansehen oder gar akzeptieren."

GOLDENE KAMERA TV-Tipp, weil…

Im "Tatort: Kein Mitleid, keine Gnade" wird realistisch gezeigt, wie schnell jemand zum Außenseiter bzw. ein Mobbingopfer werden kann. Schonungslos ehrlich sind auch die Bilder und die Inszenierung. Ein Schnecke, die an der Hand des Toten kriecht, das nackte, leblose Genital, eine Krähe über dem Tatort - hier wird eine besondere Stimmung vermittelt. Die Nebenstränge mit Cybermobbing, Homophobie, sozialem Gefälle und Verleumdung sind mindestens genauso spannend, wie der eigentlich Mordfall. Besonders erschütternd sind aber die selbstgefälligen, überheblichen Jugendlichen, die vor nichts Respekt haben und von den Nachwuchsschauspielern gekonnt dargestellt werden.