"Sterne über uns" - Eine Mutter in Not

In "Sterne über uns" (Montag, 15. Juni, 20.15 Uhr, ZDF) wohnt eine Mutter, aus Angst ihren Sohn zu verlieren, heimlich mit ihm im Wald.

Das Jugendamt im Nacken, keine Wohnung und dazu der Druck, bei der Arbeit die Probezeit zu bestehen und ein perfektes Bild nach außen abgeben zu müssen - Wie lange kann eine Mutter unter solch einer Belastung stark bleiben?

Trailer zu "Sterne über uns"

Der Film "Sterne über uns", der Premiere auf dem Filmfest München feierte und dort lobende Beachtung fand, zeigt den Kampf einer jungen Mutter gegen den sozialen Abstieg. Doch so erschütternd das Thema auch ist, so berührend, spannend und teilweise sogar humorvoll hat Autorin und Regisseurin Christina Ebelt ihr Spielfilmdebüt umgesetzt - und das, ohne dabei auf die Tränendrüse zu drücken.

Darum geht's in "Sterne über uns"

Was für eine absolute Notsituation: Melli (Franziska Hartmann) ist verzweifelt. Nachdem ihr die Wohnung gekündigt wurde, hat sie dank SCHUFA-Eintrag keine Chance auf eine neue Bleibe. Gemeinsam mit ihrem neunjährigen Sohn Ben (Claudio Magno) rennt sie von Amt zu Amt - doch es gibt keine Sozialwohnung für sie. In die empfohlene Notunterkunft will sie auf keinen Fall noch ein Mal. Denn mit ihrem Sohn neben Verrückten und Junkies zu schlafen, kommt für sie nicht in Frage. Kann sie Ben aber kein Dach über dem Kopf bieten, wird er ihr weggenommen und in eine Pflegefamilie gesteckt. Sie fragt Freunde und Bekannte, doch keiner erklärt sich bereit, sie aufzunehmen. Die Situation erscheint aussichtslos.

Dabei schließt Melli die Schule für Flugbegleiterinnen als Klassenbeste ab, verdient aber noch kein Geld. Als letzter Ausweg bleibt Melli ein Zelt, das sie versteckt im Wald aufstellt. Zwei Schlafsäcke und ein paar Kleider - mehr haben Mutter und Sohn nicht mehr. Mit viel Phantasie und kreativen Ideen, schafft Melli es den Alltag zu meistern. Doch als durch ein Unwetter ihr Flug aus Paris Verspätung hat, muss Ben nachts alleine im Wald ausharren.

Hintergrund

In Deutschland lebten laut Statistischem Bundesamt 2018 rund 2,6 Millionen Alleinerziehende. Das Risiko in dieser Situation zu verarmen ist drastisch gestiegen. Auf dem Arbeitsmarkt wird diese Personengruppe meist benachteiligt behandelt. Denn die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist meist mehr Wunsch als Wirklichkeit. Die Zahlen sind erdrückend: 43 Prozent der Haushalte aller Alleinerziehende sind laut des Bundesfamilienministeriums auf staatliche Grundsicherung angewiesen. 2017 waren es noch 39 Prozent der Alleinerziehenden, die von Armut bedroht waren. Das heißt, dass mehr als jeder Dritte Hartz IV bezogen hat.

GOLDENE KAMERA TV-Tipp, weil…

Was für ein großartiger Film. Es ist einfach nur rührend mit anzusehen, wie diese Mutter alles unter diesen widrigen Umständen versucht, um ihrem Sohn weiterhin eine unbeschwerte Kindheit zu ermöglichen. Kitsch oder emotionale Keulen werden dabei zum Glück weitestgehend weggelassen.

Klar, der Film macht nachdenklich. Schließlich kann der soziale Abstieg jeden jederzeit treffen. Hier sind zwei sehr starke Schauspieler am Werk: die toughe, kreative Frau und der liebenswerte Junge berühren - die beiden in ihrem Leben zu beobachten, macht auch Spaß und ist unterhaltsam. Der Zuschauer bangt und hofft in fast jeder Sekunde mit ihnen. Beispielsweise steigert sich die Spannung in der einfachen Frage, ob Melli beim Schwarzfahren erwischt wird ins Unermessliche. Die clevere Inszenierung und die feinen Zwischentöne lassen einen zwar durchgehend mit dem Schlimmsten rechnen, schaffen es aber trotzdem, immer wieder eine gewisse Leichtigkeit in die schwere Thematik zu bringen. Eine einfühlsame, durchweg sehenswerte Milieustudie!