Prinzessin Margaret: Königin des Londoner Nachtlebens

Prinzessin Margaret 1954
Prinzessin Margaret 1954
Foto: picture alliance / Heritage Imag
Prinzessin Margaret führte ein aufregendes Leben. Adelsexperte Andreas C. Englert über eine außergewöhnliche Adlige.

Prinzessin Margaret (1930 – 2002) war die Mutter der It-Girls, der jungen Frauen mit dem gewissen Etwas, auch wenn es in ihrer Jugend diesen Begriff nicht gab. Ihre ältere Schwester Queen Elizabeth (93) verkörperte dagegen die britische „Stiff Upper Lip“: Haltung um jeden Preis – diesen Begriff gab es in ihrer Jugend schon länger.

Royaler Star

Während die große Schwester seit jeher mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks funktionierte, sorgte die kleine für Unruhe. Zum 21. Geburtstag ließ sich Margaret von Topfotograf Sir Cecil Beaton im Stil eines Filmstars ablichten. Von Souvenirheften für 5 Pence bis hin zu ledergebundenen Bildbänden mit Goldschnitt gingen die Fotos um die Welt, Margaret war der royale Star ihrer Zeit.

Die Probleme begannen wenig später, schuld war die Liebe. Margaret liebte den damaligen Hofstallmeister ihrer Mutter, den einstigen Kampfflieger und Kriegshelden Peter Townsend (1914 – 1995). Der war nicht adlig, was noch so eben akzeptabel gewesen wäre. Leider war er aber geschieden, und das ging im Britannien der frühen 1950er-Jahre gar nicht. Die Hochzeit wurde verboten – von höchster Stelle, nämlich Schwester Queen.

Um das Band zwischen den beiden nicht völlig zu zerschneiden, musste Prinzgemahl Philip die Botschaft überbringen – oder besser: den Befehl übermitteln. Townsend wurde an die Botschaft nach Brüssel strafversetzt, heiratete eine Französin und zog in deren Heimat.

Margaret hingegen präsentierte einen neuen Favoriten: den Fotografen Antony Armstrong-Jones (1930 – 2017), immerhin bis dahin Junggeselle und mit adliger Verwandtschaft. Diesmal akzeptierte die Queen. 1960 wurde geheiratet, der Bräutigam bekam den Titel Earl of Snowdon. Mal getrennt, mal gemeinsam stürzte sich das Paar ins Londoner Party- und Societyleben. Gefeiert wurde mit Freunden wie den Filmstars Peter Sellers und David Niven, den Beatles und Mick Jagger von den Rolling Stones.

Während die Queen (die das bis heute tut) morgens zur Entspannung ein Kreuzworträtsel löst und abends Puzzles legt, wurde die 1,55 Meter große Margaret die Königin des Londoner Nachtlebens. Sie nippte abends gern am Whisky der Marke Famous Grouse, die in gut sortierten Supermärkten zu finden ist. Margaret & Co. gönnten sich auch Erfrischungen, die aus juristischen Gründen niemals im Supermarkt zu finden sein werden.

Irgendwann zerbrach die Liebe zu Lord Snowdon. Trennung 1976, Scheidung 1978. Der Lord blieb weiter Fotograf der Königsfamilie, sackte dafür Spitzenhonorare ein und schwieg bis zu seinem Lebensende über alle Details seines zeitweiligen royalen Familienlebens.

Ihr Leben forderte Tribut

Margaret feierte weiter, besonders schlagzeilenträchtig war die Liaison mit dem 17 Jahre jüngeren Landschaftsarchitekten (damals auch gern als „Gärtner“ dargestellten) Roddy Llewellyn, heute 5th Baronet Llewellyn und 72 Jahre alt.

Doch das Leben forderte seinen Tribut: Noch nicht einmal 70 Jahre alt, erlitt sie ihren ersten Schlaganfall, weitere folgten. Ihren letzten öffentlichen Auftritt im Dezember 2001 absolvierte sie schon im Rollstuhl.

Prinzessin Margaret verstarb am 9. Februar 2002, die Legende verblasste nach und nach, wurde aber insbesondere durch die Netflix-Serie „The Crown“ (in der aktuellen Staffel mit Helena Bonham-Carter als Margaret) wiedererweckt.

Viele Souvenirs aus Margarets wilden Jahren haben längst neue Besitzer: Vier Jahre nach ihrem Tod ließen ihre Kinder Juwelen und Schmuck für einen zweistelligen Millionenbetrag versteigern. Die Erlöse wurden größtenteils zur Tilgung der Erbschaftsteuer verwendet. Das prosaische Ende des Margaret-Märchens.

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Royales TV

Wie Margaret zum Vorbild für moderne Prinzessinnen wurde und welchen Preis sie dafür zahlen musste, zeigt die Doku "ZDF-History: Prinzessin Margaret – Die royale Rebellin" am Sonntag, 19. Januar, um 23.45 Uhr im ZDF.

"ZDFzeit: Ärger im Buckingham Palace" setzt sich mit dem Schreckensjahr 2019 für die Queen auseinander: am Dienstag, 4. Februar 2020, um 20.15 Uhr im ZDF.

Text: Andreas C. Englert, stv. Chefredakteur von „Frau im Spiegel“ und „Frau im Spiegel Royal“