"Nur eine Frau": Geschichte eines "Ehrenmords"

Der Spielfilm "Nur eine Frau" erzählt die wahre Geschichte von Hatun Aynur Sürücü, die 2005 von ihrem Bruder mit drei Kopfschüssen in Berlin hingerichtet wurde.

Unfassbar, aber kein Einzelfall: Mitten in Deutschland wird eine junge Frau auf offener Straße von ihrer eigenen Familie ermordet, weil sie sich nicht den Konventionen der türkisch-kurdischen Tradition beugen will. Almila Bagriacik spielt die Deutschtürkin Aynur in "Nur eine Frau" (Mittwoch, 29. Januar, 20.15 Uhr Uhr, Das Erste), die mutig ihren eigenen Weg gehen wollte.

Trailer zu "Nur eine Frau"

Darum geht's in "Nur eine Frau"

Aynur Hatun Sürücü, wurde am 7. Februar 2005 von ihrem eigenen Bruder ermordet. Das Opfer dieses sogenannten „Ehrenmordes“ erzählt aus dem Off in Rückblenden, wie es zu dieser Tat kommen konnte. Am Anfang steht ihre Zwangsheirat mit einem Cousin in der Türkei im Alter von 15 Jahren. Nach einem Jahr entflieht sie der Gewalt in ihrer Ehe. Hochschwanger wird sie von ihrer Familie in Berlin aufgenommen.

Die ersten Gehversuche in der Freiheit sind schwieriger als erwartet. Immer wieder muss sie sich gegen Vorwürfe, Übergriffe und Drohungen ihrer Brüder verteidigen. Schließlich erstattet Aynur Anzeige gegen ihren ältesten Bruder und zieht mit ihrem Kind zu einer Freundin. Das bleibt nicht ohne Folgen. Auf offener Straße wird sie mit drei Kopfschüssen von ihrem Bruder Nuri (Rauand Taleb) hingerichtet. Damit endet der Film nicht, Aynur meldet sich auch noch zu den Ermittlung und zur Gerichtsverhandlung zu Wort.

Hintergrund

"Nur eine Frau" ist ein brisantes Tatsachendrama von „Wüstenblume“-Regisseurin Sherry Hormann, die für diese beeindruckende Inszenierung den Bayerischen Fernsehpreis 2019 ausgezeichnet wurde. Florian Oeller hat das Drehbuch geschrieben, er hat auch recherchiert.

Die Ermordung an Hatun Aynur Sürücü war der erste sogenannte Ehrenmord in Deutschland, der größere mediale Beachtung erfuhr - aber juristisch nur unvollkommen aufgeklärt wurde, weil sich der mutmaßliche Tatbeitrag anderer Familienmitglieder nicht nachweisen ließ. Der dokumentarische Spielfilm basiert auf Recherchen in ihrem persönlichen Umfeld, Gerichtsakten, bislang unveröffentlichten Gesprächen mit der Familie, den Tätern, Freundinnen und Freunden Aynurs und der bis heute im Zeugenschutzprogramm befindlichen Kronzeugin.

GOLDENE KAMERA TV-Tipp, weil…

Der Film ist eine eine extrem aufwühlende Aufarbeitung der Ereignisse.Eingeblendete Fotografien und private Filmaufnahmen erinnern immer wieder daran, dass hier auch die Realität geschildert wird. Hatun Aynur Sürücü erhält durch diesen Film eine Stimme. Sie wird als Frau gezeigt, die kein Opfer ist, sondern das Leben liebt. Klischees wie "westliche freie Welt gegen fanatische muslimische Welt" sucht man hier vergebens. Vielmehr geht es auch um eine Anklage gegen die Justiz, die nur den jüngsten Bruder zu einer Jugendstrafe verurteilt.