Das steckt hinter dem Erfolg von „The Masked Singer“

Sieger der ersten Staffel "the Masked Singer":  Max Mutzke
Sieger der ersten Staffel "the Masked Singer": Max Mutzke
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Zum Start der zweiten Staffel verrät Vorjahressieger Max Mutzke, was bei „The Masked Singer“ backstage geschieht.

Der Topsecret-Showspaß kehrt zurück: Nachdem im vergangenen Sommer das skurrile Karaokespektakel „The Masked Singer“ zur erfolgreichsten ProSieben-Show aller Zeiten avancierte (38,5 Prozent Marktanteil beim Staffelfinale), geht es schon ab dem 10. März in eine neue Runde.

Erneut singen zehn Promis versteckt in ebenso großen wie witzigen Kostümen um die Wette, diesmal etwa als Faultier und Chamäleon. Max Mutzke, der als Astronaut die erste Staffel gewann, erzählt von seinen Erfahrungen im letzten Jahr und hält es für eine kluge Entscheidung, die Sendung ins kühle Frühjahr zu verlegen: „An drei Showtagen gab es in Köln Hitzerekorde – und ich steckte in einer Art Skianzug mit Strasssteinen“, sagt er. „Ich kenne es zwar, ähnliche Kleidung im Sommer zu tragen, weil ich lange Motocross gefahren bin, aber das war schon grenzwertig."

Max Mutzke im Interview

GOLDENE KAMERA: Wie lange haben Sie damals überlegt, ob sie zusagen? Das Konzept klingt ja erstmal verrückt!

Max Mutzke: Ja total. Aber tatsächlich habe ich einen sehr erfahrenen Manager, in dessen Ohren das gar nicht schlecht klang. Und beim Durchlesen des Angebots ist ein kleiner James Bond in mir erwacht – wegen all der Sicherheitsvorkehrungen, um zu verschleiern, wer wer ist. Das fand ich so lustig, die Vorstellung, wie wir da transportiert werden, wie wir uns backstage verhalten müssen, dass wir einen eigenen Assistenten haben, dass man hinter der Bühne überhaupt nicht weiß, wer wer ist. Backstage, aber auch bei den Tanzproben hast Du Dich komplett vermummt. Man durfte kein Wort sagen, keine Haut zeigen. Es war wahnsinnig lustig. . Und als ich das gelesen habe, wusste ich: Ich will das machen! Das war eigentlich der Grund, dieser spielerische Gedanke. Ich habe überhaupt nicht darüber nachgedacht, ob es erfolgreich sein kann oder nicht.

Aber man lebt nicht wirklich sechs Wochen vor Ort, oder?

Ich habe während „Masked Singer“ jedes Wochenende Konzerte gegeben, d.h. ich konnte gar nicht die ganze Zeit in Köln verbringen. Aber mit proben, Show und meinen Konzerten war ich schon ziemlich eingespannt. Einmal kam es sogar vor, dass ich nur am Montagmorgen kurz vor der Schule Zuhause Zeit, um meine Familie zu sehen. Die Abstinenz von Zuhause war noch nie so krass wie in der Zeit. Mit meinem Betreuer, der für mich backstage kommuniziert hat, bin ich sehr eng zusammengewachsen. Das war ein cooler Typ, mittlerweile sind wir befreundet. Ich habe auch mitbekommen wie schwer das für die anderen Teilnehmer gewesen sein soll, diese sechs Wochen mit ihrer Familie durchzustehen, weil auch keiner von ihnen in Köln gelebt hat. Die mussten alle undercover leben. Meine Unterkunft wusste z.B. auch nicht, welchen Gast sie haben.

Und auch Sie wussten nicht, wer sich hinter den Kostümen verbirgt?

Ja! Alle Beteiligten haben diese ganz strengen Verschwiegenheitsklauseln unterschrieben. An dem Tag an dem die Negativschlagzeilen über Armin Rohde kamen, dass er pleite wäre oder so, hat der Kakadu (Heinz Hönig) ein Telefonat geführt mit seinem Management und schreit: „Die denken alle, ich sei pleite, dabei bin ich gar nicht pleite!“ Alle haben sich an die Stirn gefasst und gesagt: „Mein Gott ist das ein Idiot, weiß der nicht, dass er sich so verrät!“ Das war sehr lustig.

Der Name „Max Mutzke“ fiel schon sehr früh, auch in den sozialen Medien, hat Sie das nervös gemacht?

Überhaupt nicht. Aber es waren ja auch einige andere Namen im Spiel. Was ich geil fand, war, dass mein Name sechs Wochen gehandelt wurde, also ich die ganze Zeit in den Köpfen war, aber niemandem auf den Sack gegangen bin. Ich bin nicht sechs Wochen volle Kanne im Fernsehen gelaufen zur Primetime und habe die Leute mit meinem Gesicht genervt. Der Moment, als ich meinen Helm ausgezogen hatte, hatte 54 Prozent Marktanteil, fast wie bei einem WM-Endspiel. Das ist schon unglaublich und eine totale Ehre, als allerletzter seinen Helm abzunehmen. Das hat sich schon ganz besonders angefühlt.

Hatten Sie den Ehrgeiz, zu gewinnen?

Oh ja, voll. Ich habe aber am Anfang gedacht, dass ich raus bin, sobald ich vom Ratepanel erkannt werde. Das habe ich am Anfang im Konzept der Show falsch verstanden, das haben viele falsch verstanden. Und ich war mir sicher, die erkennen mich nach der ersten Nummer, dann bin ich raus, habe sechs Wochen viel frei, kann mich um die Baustelle zuhause kümmern und habe trotzdem Geld verdient. Und dann kam ich da raus und habe gecheckt: ah nee, so läuft's nicht! Die Zuschauer müssen tatsächlich für die Sänger anrufen, die sie auch unbedingt wieder sehen wollen. Dann ging es bei mir sofort los: Ich habe nachts im Auto gesessen, Donnerstagabend nach der ersten Show und habe sofort meinen Ansprechpartner bei der Show angerufen, und ihm gesagt, auf gar keinen Fall mache ich einen Hiphop-Track, das muss wieder eine geile Ballade sein, womit man die Leute total flasht – da war mein Ehrgeiz geweckt. Ich wollte fette, fast epochale Songs für den Astronauten. Der Charakter sollte die Leute jeden Abend emotional zum Durchdrehen bringen.

"Hello" von Max Mutzke

Wie viel anstrengender war das Singen im Kostüm als ohnehin schon?

Das war der absolute Horror. ProSieben zieht die Show ja jetzt vor. Wir hatten an drei von sechs Donnerstagen Hitzerekorde in Köln. Du hast es kaum ausgehalten. Meine Hobbies waren lange Motocross fahren und Gleitschirm fliegen. Und Motocross fahren im Sommer bedeutet auch voll eingepackt mit Helm, ne schwere Maschine durch den Wald jagen und sie aufheben, wenn man gestürzt ist. Ich bin das also gewohnt, solche Sachen zu tragen. Aber das war wirklich schon sehr grenzwertig und ich habe ja so eine Art Skianzug getragen, der mit Strasssteinen beklebt war. Ich bin regelmäßig in eine Wanne voll crushed Eis gestiegen, damit ich mich freuen konnte, wieder in den Anzug zu steigen.

…auch während der laufenden Sendung?

Ja, natürlich. Nach 20-25 Minuten im Kostüm war man teilweise nur noch am Japsen und dann hättest Du nicht mehr singen können. Den anderen Teilnehmern ging es nicht anders - Der Kakadu ist teilweise fast umgefallen.

Behind the Show: Generalprobe mit Max Mutzke

Wie viele Leute in ihrem privaten Umfeld waren eingeweiht?

Fast die ganze Familie nicht. Das sind alles keine Fernsehgucker, die haben das Ding komplett verpasst. Meine Schwester, die in der Schweiz lebt, hat mir am Tag nach dem Finale einen Screenshot von meiner Enthüllung geschickt und mich gefragt: „Verdammt, was hast Du gemacht sechs Wochen lang? Was war das denn für eine Sendung? Alle in der Schweiz reden davon!“ Aber es waren wirklich empfindliche Vertragsklauseln und ich wollte das Spiel nicht torpedieren. Ich habe in meinem privaten Umfeld am Anfang wirklich so getan, als kenne ich noch nicht mal die Sendung. Und das war saulustig! Einer meiner Musiker, mit denen ich ein Jahr lang im Studio war, die alles von mir kennen, jeden Ton, jede Nuance, meinte: „Ich soll Dich von meiner Frau fragen, ob Du der Astronaut bist.“ Und ich meinte nur „Ich weiß gar nicht, wovon Du sprichst. Das ist doch ein Roboter, kein Astronaut.“ Und ich habe super desinteressiert getan. Und dann spielte er auf YouTube meine Astronauten-Version von Adeles „Hello“ an und meinte dann nach drei Worten – „Ah ne, biste nicht“. Ich habe das nachher meinem Manager erzählt, wir haben uns kaputtgelacht! In den ersten Wochen gab es in meinem Umfeld nur drei Leute, die es wussten.

Welchen Tipp würden Sie den Teilnehmern in der zweiten Staffel geben?

Es ist schon wichtig, dieses Spiel mitzuspielen, die Produktion ist schon ein kompliziertes Konstrukt. Sowas kommt nur ein einziges Mal. Wenn man Glück hat, ist man wieder Teil einer der erfolgreichsten Sendungen aller Zeiten. Mein Tipp also: Genießt diese Zeit, es ist wirklich was Besonderes. Sie vergeht schneller als man denkt. Und danach hat man immer was zu erzählen.

Wie sieht das Leben nach „The Masked Singer“ aus?

Die Wahrnehmung der Leute hat sich total verändert, und bei den Livekonzerten hat sich auch ein bisschen was getan. Es kommen mehr Leute. Der Zuwachs war vielleicht nicht so groß wie etwa bei Gregor Meyle nach „Sing meinen Song“. Aber da stand ja auch er als Person im Vordergrund und hier war es bis zu dem Moment, in dem ich als letzter den Helm abgenommen habe, der Astronaut. Ich singe seit 15 Jahren auf der Bühne und mache genauso als Musiker weiter. Und „The Masked Singer“ war für mich eine tolle Abwechslung und einzigartige Erfahrung.

Warum haben Sie noch nie bei „Sing meinen Song“ mitgemacht?

Grundsätzlich ist es eine super Sendung. Ich scheue mich ein bisschen vor den Momenten, wo es so sehr emotional wird, die von der Redaktion vielleicht auch so betont werden. Wo dann auch ein bisschen dramatische Musik unter einen Moment gelegt wird. Das wird manchmal so emotional aufgeblasen, und davor scheue ich mich ein wenig. Das ist aber gar keine Beleidung und es kann durchaus sein, dass wenn ich da eingeladen werde und zusage, ich mich da wahnsinnig wohl fühle und es super finde - so wäre es wahrscheinlich auch, aber es hat mich jetzt noch nicht da hingerissen emotional.

Der Tourplan ist voll, wird es bald ein neues Album geben?

Es gibt schon Pläne, wie wir das neue Album gestalten wollen. Bei den letzten Konzerten sind wir sehr in die Black Music gegangen, also Elemente, die man sonst von James Brown kannte. Wo viel nur über den Groove und nicht über die Melodie passiert. Das hat einen ganz eigenen Charakter, das macht in Deutschland einfach niemand. Das finde ich wahnsinnig reizvoll. Das Publikum in den Konzerten explodiert regelrecht. Aber es ist immer die Frage: Funktioniert sowas und welche Plattenfirma macht dabei mit? Wir sind nun mal in Deutschland und nicht in Amerika. Für mich als Soulmusiker, der die Umsetzung ernst nimmt, ist es nicht so einfach.

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