Justus von Dohnányi: "Wir sind alle ab und zu Opfer einer Täuschung"

Wir trafen Justus von Dohnányi zum Interview und sprachen mit ihm über seine sadistische Figur, die er im TV-Thriller „Im Schatten der Angst“ (16. März, 20.15 Uhr, ZDF) spielt.

Darum geht's in „Im Schatten der Angst“

Auf den ersten Blick ist die Beweislast nicht nur erdrückend, sondern auch eindeutig: Eine junge Frau liegt gefesselt und geknebelt in einem Keller, der Täter droht ihr mit dem Tod. Nur durch Zufall wird das Opfer gerettet, ihr Angreifer landet in der Psychiatrie. Dort soll die Gutachterin Karla Eckhardt (Julia Koschitz) herausfinden, ob Promi-Architekt Carsten Spanger (Justus von Dohnányi) sein wehrloses Opfer wirklich töten oder „nur“ quälen wollte.

Doch statt der Psychiaterin Antworten zu geben, spielt Spanger lieber Katz und Maus und macht es ihr schwer, zu entschlüsseln, ob er weitere Opfer in seiner Gewalt hat oder sogar ein mehrfacher Frauenmörder ist. Im Wettlauf gegen die Zeit greift Karla Eckhardt zu einem Trick – und bringt sich so selbst in Lebensgefahr.

Darstellerin Julia Koschitz verrät: „Spanger ist für Karla eine spannende, bedrohliche Herausforderung, weil er sie nicht nur mit ihrer dunklen Vergangenheit konfrontiert, sondern auch noch dazu treibt, diese mit in den Ring zu werfen, um sich mit ihm auf eine Ebene zu begeben.“ Dabei, so Koschitz, versuche die forensische Psychiaterin, maximale Nähe zum Täter herzustellen und ihm so ein Geständnis zu entlocken. Ein gewagter Balanceakt. Er macht „‚Im Schatten der Angst“ zum vielschichtigen Thriller, der einen tiefen Blick in Abgründe der menschlichen Seele wirft. Furcht einflößend und faszinierend zugleich.

Wie sehr Justus von Dohnányi das Verhältnis zwischen seiner sadistischen Figur und der Psychiaterin an die unheimliche Konstellation in „Das Schweigen der Lämmer“ erinnert und welchen wesentlichen Unterschied es gibt, verrät der 59-Jährige im Interview.

Justus von Dohnányi im Interview

Herr von Dohnányi, wurden Sie für die Rolle des Serienmörders gecastet oder wurde sie an Sie herangetragen?

Soweit ich mich erinnere, wurde sie an mich herangetragen.

Was ist der Reiz an der Darstellung des undurchsichtigen, sadistischen, narzisstischen Architekten Carsten Spanger?

Wir Schauspieler versuchen immer, uns eine Rolle auszusuchen, die viele Facetten sowie emotionale Höhen und Tiefen hat. Beides bietet diese Figur: Spanger spielt ein doppeltes Spiel, man kann sich selber und die Figur ausloten. Parallel dazu habe ich mich darauf gefreut, mit Julia Koschitz zusammenzuarbeiten.

Der forensischen Psychiaterin, gespielt von Julia Koschitz, fällt es schwer, Spanger zu durchschauen. Wie ist es um Ihre eigene Menschenkenntnis bestellt? Wissen Sie immer sofort, wen Sie vor sich haben?

Ich bin ja schon ein paar Jahre auf der Welt, und vielleicht wird meine Menschenkenntnis etwas genauer und spezifizierter. Aber natürlich sind wir alle ab und zu Opfer einer Täuschung.

Was haben Sie durch den Dreh über forensische Psychiater gelernt, was Sie zuvor noch nicht wussten? Ist das ein Job, der polarisiert, weil vom psychologischen Urteilsvermögen eventuell weitere Leben abhängen?

Ja, bestimmt. Die Macht, die in einem Urteil steckt, ist etwas, was von staatlichen Stellen sehr genau geprüft gehört, weil es eine unglaublichen Einfluss auf das Leben der betroffenen Personen hat - sowohl der Opfer als auch der Täter.

Wie würden Sie das Verhältnis zwischen Ihrer sadistischen Figur und der Psychiaterin beschreiben – ähnelt es der Konstellation von Hannibal Lecter zu Clarice Starling in "Das Schweigen der Lämmer"?

Natürlich sind da Parallelen, aber ich hatte bei der Konstellation zwischen den beiden Figuren aus der Perspektive des Täters immer das Gefühl, dass er sich noch ein Leben in Freiheit vorstellen kann, während Hannibal Lecter sich für immer eingesperrt glaubt.

Sie entstammen einer berühmten Familie. Wäre die Geschichte Ihrer Familie ein guter Serienstoff und sind die Filmemacher schon einmal mit dieser Idee an Sie herangetreten?

Nein, sind sie noch nicht. In einer Familie wie den Krupps, wo auch ein Unternehmen mit beteiligt ist, funktioniert so etwas. Aber in unserem Fall sind die Familienmitglieder alle „Einzeltäter“: Der eine ist Jurist, der nächste Politiker, der dritte ein Künstler. Ich glaube, das würde zu wirr hin und herspringen.

Nur die wenigsten wissen, dass Sie mal Leichenwagenfahrer waren …

Das war ein Nebenjob während der Zeit meiner Ausbildung an der Hamburger Schauspielschule. Anfangs kostete es mich eine große Überwindung. Aber mit dem Leiden und dem Tod, die wir gesellschaftlich ausklammern, war ich zur damaligen Zeit bereits durch meinen Ersatzdienst beim Roten Kreuz etwas vertraut.

Hätten Sie sich damals auch vorstellen können, Bestatter zu werden?

Nein. Ich habe viele Jobs gemacht, die ich mir alle nicht vorstellen konnte.

Anstatt Tote durch die Gegend zu chauffieren, zählen Sie heute zu Deutschlands wandelbarsten Schauspielern. Doch wie ist es um die Drehbuchqualität bestellt? Wie oft bekommen Sie gute Drehbücher? Nimmt die Qualität ab oder zu?

Das Problem der Drehbücher heutzutage ist in erster Linie, dass sie zu spät entwickelt werden.

Wie meinen Sie das?

Es gibt sehr gute Autoren und Drehbücher, aber es wäre noch viel mehr drin, wenn man sich mehr Zeit für die Stoffentwicklung nähme und sich nicht erst dann darauf konzentriert, wenn die Finanzierung steht. Das finde ich schade.

Nach welchen Kriterien suchen Sie Ihre Rollen aus?

Nach Regisseuren, Stoffen und der Rolle. Aber natürlich auch nach Kollegen, und nach dem Gesamtpaket.

Als 13-Jähriger haben Sie persönlich bei Grzimek, der damals Frankfurter Zoodirektor war, angerufen, um sich zu erkundigen, wie man kleine Mäuse großzieht. Welchen Tipp hat er Ihnen damals gegeben?

Ich bin nicht bis zu ihm vorgedrungen, aber die Sekretärin hat mir sehr höflich und sehr liebevoll ein paar Tipps gegeben. Sie riet mir zu verdünnter Dosenmilch mit Wasser. Aber das Ganze ist schiefgegangen.

Ihr Lebensmotto?

Immer nach vorne schauen.

Schlussfrage: Was sind Ihre nächsten spruchreifen Projekte?

Im Moment drehe ich gerade in Belgien und Holland einen Film namens „Forgotten Battle“. Außerdem habe ich 2019 ein paar Filme gedreht, die jetzt herauskommen werden – Krimis und Kinderfilme. Der Nächste Film ist der Kinokinderfilm „Lassie“.