"Südpol": Juergen Maurer im freien Fall

Hans Wallentin (Juergen Maurer) hört Bach im Stadtpark.
Hans Wallentin (Juergen Maurer) hört Bach im Stadtpark.
Foto: Allegro Film/BR/ORF/Petro Domenigg
Im TV-Drama "Südpol" (heute 20.15 Uhr im Ersten) verliert ein durchschnittlich erfolgreicher Manager seinen Job, stürzt in eine Sinnkrise und nimmt spontan eine Kellnerin als Geisel. Aber warum?

Den Österreicher Juergen Maurer kennt man eigentlich als zupackenden Polizisten, der Kriminalpsychologen bei der Tätersuche behilflich ist. In dieser Rolle ist er regelmäßig an der Seite von Ulrich Noethen im ZDF in "Neben der Spur" und Heino Ferch ("Spuren des Bösen", Das Erste) zu sehen. Auch in der britisch-österreichischen Miniserie "Vienna Blood" spielte er im letzten Jahr seine Paraderolle: Als Kriminalbeamter Oskar Rheinhardt hilft er dem Psychoanalytiker Max Liebermann bei der Suche eines Serienmörders. Die Dreharbeiten zur zweiten Staffel sollen im April starten.

Doch wer den 53-jährigen Schauspieler auf diese Rolle reduziert, tut ihm unrecht. Maurer brillierte auch als kantiger Privatdetektiv "Harri Pinter" und seit 2015 in "Vorstadtweiber". In der ORF-Serie spielt er einen selbstverliebten Manager, der privat sein Glück verloren hat. So geht es auch Hans Wallentin (Juergen Maurer) in "Südpol". Ein Mittvierziger, der eigentlich alles hat: Geld, Karriere, Familie – bis er sich nach der Kündigung plötzlich vor den Trümmern seiner Existenz wiederfindet und im titelgebenden Lokal eine schwangere Kellnerin als Geisel nimmt.

Darum geht's in "Südpool"

Unschlüssig, was er mit sich und seiner Zukunft anfangen will, streift Hans Wallentin durch Wien und landet im "Südpol", einer Kneipe am anderen Ende der Stadt. Dort lernt er die junge Kellnerin Ella (Lili Epply) kennen - und hält sie als Geisel gefangen. Der Geiselnehmer hat keine Forderungen an die Polizei.

Mario (Laurence Rupp), Ellas Freund, versucht, sie im „Südpol“ zu finden. Doch Polizei und Einsatzkräfte versperren ihm den Weg. Die Polizei findet vor dem Lokal eine Digitalkamera. Auf den Fotos erkennt man unter anderen auch Ella. Der vermeintliche Täter hatte die Kamera während der Geiselnahme verloren und Ella offenbar schon länger beobachtet. Plötzlich fällt im Südpol ein Schuss. Wallentin erscheint in der Tür, und Ella zieht ihn im letzten Moment wieder zurück ins Lokal. Warum hat sie das getan?

Unbeabsichtigte Geiselnahme läuft aus dem Ruder

Juergen Maurer kann das Schicksal des von ihm gespielten Geiselnehmers nachvollziehen. "Er hat eine starke Verbindung zu diesem Ort. Bei seinem Versuch, sich zu fangen, hält er sich auch an dieser jungen Frau fest, um wieder einen positiven Klang in seinen tristen, grauen Tagen zu finden. Das kumuliert dann unglücklich in einer eigentlich unbeabsichtigten Geiselnahme", analysiert Maurer wie ein Kriminalpsychologe.

Für Lily Eppler, die die Kellnerin Ella spielt, zeigt der Film, wie wichtig Begegnungen im Leben sind: "Ich wünsche mir, dass sich ganz viele Menschen "Südpol" anschauen, weil es ein Film über eine Begegnung ist. Und das ist in diesen schnelllebigen Zeiten, in denen wir leben, sehr wertvoll und darum geht es, das ist das Leben. Einander zu begegnen, sich durch eine Begegnung verändern zu lassen und sich in dem Blick eines anderen auch wiederzufinden.“

"Südpol" ist GOLDENE KAMERA TV-Tipp, weil...

Eine fesselnde, nüchterne und zugleich emotionale Odyssee durch eine Existenzkrise. Stark gespieltes Drama von Nikolaus Leytner ("Der Traffikant"), bis zum unberechenbaren Finale offen.

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