Lisa Maria Potthoff: "Sarah Kohr wäre auf der Suche nach dem Bösewicht, der den Impfstoff für Covid-19 geklaut hat"

Sarah Kohr ( Lisa Maria Potthoff) im Teufelsmoor.
Sarah Kohr ( Lisa Maria Potthoff) im Teufelsmoor.
Foto: ZDF
Normalerweise liebt Schauspielerin Lisa Maria Potthoff Action vor der Kamera und in ihrem Privatleben. Gerade genießt sie die Ruhe, doch die findet sie trügerisch.

Eigentlich sollte Lisa Maria Pothoff gerade für einen neuen Film ihrer Krimireihe „Sarah Kohr“ vor der Kamera stehen. Stattdessen bleibt die gebürtige Berlinerin nun, wie Millionen andere Deutsche, zu Hause und plagt sich mit den Mathe-Hausaufgaben ihrer Tochter. Zum Glück für die Fans der rauffreudigen Kommissarin wurde ein Fall schon vor der Quarantäne abgedreht. Sarah Kohr verschlägt es heute ins Teufelsmoor (20.15 Uhr im ZDF und in der Mediathek).

Darum geht's in "Sarah Kohr - Teufelsmoor"

An einer Tankstelle wird Sarah Kohr (Lisa Maria Pothoff) Zeugin eines Raubüberfalls und schreitet ein und verletzt in Notwehr den minderjährigen Täter. Sie will herausfinden, wie der Teenager an eine scharfe Waffe gelangen konnte. Ihre Recherchen führen ins "Teufelsmoor", wo sie auf das alte Waffenlager einer linksradikalen Terrorzelle stößt. Es ist der erste Hinweis auf die Terrorgruppe, die vor 25 Jahren plötzlich von der Bildfläche verschwand. In dem nahegelegenen Dorf Hohenbek stößt die Kommissarin auf eine Mauer des Schweigens. Was Sarah Kohr dann entdeckt, können auch Fahnderin Anna Mehringer (Stephanie Eidt) und ihr Mann, Staatsanwalt Anton Mehringer (Herbert Knaup, GOLDENE KAMERA 2005), kaum fassen.

Lisa Maria Pothoff im Interview

Die Dreharbeiten für den nächsten „Sarah Kohr“-Film wurden für unbestimmte Zeit unterbrochen. Wie geht es Ihnen damit?

Lisa Maria Potthoff: Natürlich ist es jetzt das Wichtigste, die Infektionsrate zu verlangsamen. Aber ich mache mir auch Gedanken, wie wir das über mehrere Monate hinweg hinbekommen sollen. Wenn man die Wirtschaft so lange anhält, geht es für viele Menschen an die Existenz. Aber gerade ist es die einzige Lösung.

Die Unsicherheit, nicht zu wissen, wann der nächste Job kommt, gehört für viele Schauspieler zum Alltag. Fühlen Sie sich aktuell deshalb ein bisschen besser gerüstet als andere?

Ja, ich glaube schon. Nicht zu wissen, was morgen kommt, das kenne ich. Wenn man damit nicht klarkommt, darf man nicht Schauspieler werden. Insofern schreckt mich die wirtschaftliche Unsicherheit gerade weniger als jemanden, der es gewohnt ist, am 1. des Monats sein festes Gehalt zu haben. Trotzdem mache ich mir auch Sorgen. Gar nicht so sehr um mich und meine Familie. Uns geht es gut im Moment und wir können dieser Situation auch Positives abgewinnen. Aber ich mache mir Gedanken um die gesamte gesellschaftliche Situation.

Haben Sie einen Tipp für mehr Gelassenheit?

Zuerst einmal sollte man sich bewusst machen, dass es uns immer noch viel besser geht als vielen Menschen in anderen Ländern, die ein schlechteres Gesundheitssystem haben. Aber ich kann die angespannte Situation bei vielen zu Hause nachvollziehen. Ich kenne das: Ich habe auch zwei Kinder zu Hause und wir versuchen uns gerade durch die Massen von Lernanforderungen zu kämpfen. Heute wollte ich Mathe-Hausaufgaben mit meiner elfjährigen Tochter machen und habe festgestellt, dass ich nicht nur Schauspielerin geworden bin, weil ich diesen Beruf so toll finde, sondern auch, weil ich null Mathe-Kompetenz habe. Das führt zu Streit und Verzweiflung – bei mir und bei meiner Tochter. Meine fünfjährige Tochter hat vorgestern eine Freundin auf der anderen Straßenseite gesehen und zu ihr mit dem Fuß aufstampfend gerufen: Wir können uns gerade nicht sehen, Emilia, wegen diesem Scheiß-Corona! Wir haben aber einen großen Garten und können Gott sei Dank viel draußen sein. Ich gärtnere und werke so vor mich hin. Ich kann gerade mit guten Gefühl das machen, wofür sonst wenig Zeit bleibt.

Sie haben für die Kampfszenen in „Sarah Kohr“ Krav Maga gelernt. Sie sind im Normalfall also wahrscheinlich auch eher ein aktiverer Mensch…

Ja, das stimmt. Ich neige dazu, eine Getriebene zu sein. Ich arbeite, gehe zum Sport und versuche, für meine Kinder eine anwesende Mutter zu sein. Das führt dazu, dass ich eine hohe tägliche Energietaktung habe. Die ist momentan zwangsweise heruntergefahren. Noch finde ich das allerdings angenehm. Die Vorstellung, dass alle gerade in ihren Häusern hocken, lässt mich irgendwie entspannt sein. Wenn alle Kinos, Theater und Museen offen sind, habe ich immer das Gefühl, ich verpasse etwas. Mich erinnert das an die Tage zwischen Weihnachten und Silvester. Aber natürlich ist es eine trügerische Ruhe, weil viele Menschen große Sorgen haben und wir alle nicht wissen, wie es weitergeht und wie schlimm uns Covid-19 treffen wird.

Wie würde Sarah Kohr mit der Situation umgehen?

Die hätte wahrscheinlich schon irgendeinen Auftrag und würde heimlich durch Hamburg laufen auf der Suche nach dem Bösewicht, der den Impfstoff für Covid-19 geklaut hat. Sie würde ihn am Hafen stellen und in einen Kampf verwickeln.

Die Figur scheint Ihnen nicht ganz fern zu sein…

Ich bin sicher nicht so eine Einzelgängerin wie Sarah Kohr. Trotzdem bin ich gerne allein und kann sie deshalb nachvollziehen. Ich brauche aber generell einen sozialen Ring um mich, der mich stützt.

Was hat Ihnen an der Rolle gefallen, als sie sie angeboten bekommen haben. Es gibt ja in Deutschland unzählige Krimiformate, was ist das Besondere an Sarah Kohr?

Ich mochte von Anfang an ihre Physis. Und wir haben keine klassische Krimihandlung, wo die Kommissarin fragt, was der Verdächtige am Vorabend gemacht hat, sondern eher eine Thrillerhandlung. Und im Zuge der glücklicherweise stattfindenden Feminismusdebatte finde ich solche Figuren noch einmal wichtiger. Dass man eine Frau auch mal unkonventioneller erzählen kann. Weiblichkeit ist eben nicht immer das Nette und Verständnisvolle. Das muss aber noch mehr werden. Gerade wir Frauen müssen da wachsam sein und uns Gehör verschaffen.

Gibt es denn genug solche Rollenangebote oder hilft nur selber Drehbücher schreiben?

Ich habe schon das Gefühl, dass ich als Schauspielerin gehört werde und dadurch eine Diskussion entsteht. Trotzdem reizt es mich, auch eigene Stoffe zu entwickeln. Das habe ich mit einem Kollegen schon angefangen und ein Konzept für eine komödiantische Serie entwickelt. Nicht, weil ich frustriert bin, sondern weil ich es einfach mal versuchen wollte.

Apropos selber versuchen, Sie lassen sich für Ihre Stunts in „Sarah Kohr“ nicht doubeln.

Ich habe das vorher schon mal für einen Film gemacht. Und es ist schon ein großer Unterschied. Man ist als Zuschauer viel näher dran, weil man nicht drum herum schneiden muss. Ich habe dann monatelang sehr hart trainiert und bin danach dabei geblieben.

Ist das der größte Spaß bei den Dreharbeiten zu „Sarah Kohr“, ihre „Rambo“-Momente?

Ja, das mag ich schon sehr. Wäre sie eine klassische Krimifigur, wäre der Reiz nicht so groß. Wir erarbeiten vorher eine Stuntchoreographie, nach der ich dann trainieren muss. Oft dachte ich vorher, das schaffe ich nie. Aber mittlerweile klappt das ganz gut. Ich bin da sehr ehrgeizig. Die Möglichkeit, so etwas auszuprobieren, ist für mich das größte Geschenk dieses Berufs.

Es musste dann auch direkt Krav Maga sein? Das ist ja nicht ohne…

Ich habe mit Kickboxen angefangen. Diese Sportart braucht aber eine Weile, bis man Erfolg hat. Bei Krav Maga kommt man schneller auf ein gewisses Level. Deshalb habe ich das kombiniert.

Gibt es Ihnen mehr Selbstbewusstsein zu wissen, dass Sie diese Selbstverteidigungstechnik beherrschen?

Ja, irgendwie schon. Ich bin deshalb nicht unvorsichtiger, laufe nachts um 3 über den Alexanderplatz und rufe: Komm mal her, du Würstchen, dich mache ich fertig. Ich werde nicht überheblich. Aber ich merke, dass ich einem Mann gegenüber eine herausfordernde Gegnerin sein könnte. Da macht Krav Maga schon viel mit dem physischen Selbstbewusstsein. Mir war vorher gar nicht klar, was körperlich aus mir herauszuholen ist.

Das Interview führte Annika Schönstädt für die Berliner Morgenpost.

GOLDENE KAMERA TV-Tipp, weil...

Sarah Kohr legt das Teufelsmoor fast im Alleingang trocken. Die Handlung nimmt ungeheuerliche Züge an, was nicht zuletzt an Gaststar Armin Rohde (GOLDENE KAMERA 2000) liegt.

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