Hannelore Elsner: Ihr letzter Auftritt in „Lang lebe die Königin“

Mit „Lang lebe die Königin“ läuft Ende April der letzte Film von Hannelore Elsner im TV, fertiggestellt nach ihrem Tod 2019. Wir sprachen mit Kollegen & Freunde über ihre letzten Dreharbeiten.

Sie liegt im Krankenhaus, bittet um eine Überdosis Morphium, verabschiedet sich von ihrer Tochter und sagt den letzten Satz ihres Lebens: „Die Königin ist tot, lang lebe die Königin!“ (Mi 29. April, 20.15 Uhr im Ersten). Dann fließen bei Mutter und Tochter die Tränen. Abschiedsszenen im Film sind immer berührend. Doch bei dieser kommt ein besonderer Umstand hinzu: Hannelore Elsner, die hier die todkranke Mutter spielt, stand 2019 für diese Szene zum allerletzten Mal vor einer Kamera, zwei Wochen vor ihrem Krebstod mit nur 76 Jahren. Ihre Kollegin Marlene Morreis erinnert sich: „Im Nachhinein gibt es so viele Zufälle dass ich nicht mehr darüber nachdenken will, einhunderttausend Kleinigkeiten.“

Darum geht's in der Tragikomödie „Lang lebe die Königin“

Egal was Moderatorin Nina (Marlene Morreis, hier im Interview zu den Dreharbeiten) auch macht, ihrer Mutter Rose (Hannelore Elsner) ist nichts recht. Als die alte Dame an Krebs erkrankt, finden die beiden jedoch ganz behutsam wieder zueinander. „Dieser Dreh war der denkwürdigste meines Lebens“, sagt Produzent Boris Schönfelder. Hannelore Elsner habe sich nach 18 von 23 Drehtagen krank gemeldet – völlig überraschend, denn ihr Krebsleiden hatte sie bis dahin geheim gehalten.

Die letzten fünf Bilder mit ihr konnten nicht gedreht werden. Diese Szenen übernahmen Wochen später Iris Berben, Eva Mattes, Judy Winter, Gisela Schneeberger und Hannelore Hoger – als Hommage für die Freundin. Eine vergleichbare Situation habe es bislang nur 2008 bei dem britisch-kanadischen Film „Das Kabinett des Doktor Parnassus“ gegeben, so Regisseur Richard Huber (hier im Interview). Nach dem Tod des Hauptdarstellers Heath Ledger schlüpften damals Johnny Depp, Jude Law und Colin Farrell in seine Rolle.

Anders als bei ihrem vorletzten Dreh, der „Tatort“-Folge „Die Guten und die Bösen“, habe man Elsner bei ihrem letzten Film kein Bett zum Ausruhen bereitstellen müssen, erzählt Huber: „Sie war stets präsent!“ Doch wie erklärt man sich den Zufall, dass die Sterbeszene zugleich der letzte Kameraeinsatz im Leben dieser Filmikone war?

Produzent Schönfelder (hier im Interview): „Es ist, wie es ist. Wir haben mit einer älteren Schauspielerin gedreht. Dabei kann so etwas passieren. Mir liegt es fern, die Vorkommnisse schicksalhaft zu deuten. Wahrscheinlich hat Hannelore am Ende unter Schmerzen gearbeitet, aber es niemanden wissen lassen und ihre Arbeit getan, so lange es ging.“ Selbst die Szene im Sarg, in der Nina ihrer Mutter als letzten Dienst die Zehennägel lackiert, wollte Hannelore Elsner selbst übernehmen und lehnte ein Double ab. Ihr lakonischer Kommentar: „Solange ich das spiele, bin ich nicht tot.“