Marlene Morreis: "Von ihrer Krankheit wusste niemand"

Schauspielerin Marlene Morreis (links) als Nina Just zusammen mit ihrer Filmmutter Rose Just, gespielt von Hannelore Elsner.
Schauspielerin Marlene Morreis (links) als Nina Just zusammen mit ihrer Filmmutter Rose Just, gespielt von Hannelore Elsner.
Foto: BR/ARD Degeto/ORF/Neue Schönhauser Filmproduktion GmbH/Marc Reimann
Im TV-Drama "Lang lebe die Königin" ist Hannelore Elsner in ihrer letzten Rolle zu sehen. Marlene Morreis spielt ihre Tochter und erinnert sich an die Dreharbeiten im letzten Jahr.

Marlene Morreis (43) spielt in "Lang lebe die Königin" (Mi, 29. April, 20.15 Uhr im Ersten) Nina Just, eine Moderatorin beim Verkaufssender Kanal 50, die ihren Traumberuf als Schauspielerin aufgegeben hat, um im Fernsehen Produkte zu verkaufen. Als Ihre Mutter Rose (Hannelore Elsner) an Krebs erkrankt, soll sie ihr neue Niere spenden. Voller Sorge sucht Nina ihre kranke Mutter auf, die wie gewohnt zu sticheln beginnt.

Marlene Morreis im Interview

GOLDENE KAMERA: Was empfinden Sie beim Sehen des fertigen Films?

Marlene Morreis: Ich habe nur den Rohschnitt gesehen. Das war im August - vor der Wiederaufnahme des Drehs mit den fünf „Ersatzmüttern“. Eigentlich wollte ich mir den fertigen Film für die Kinopremiere aufheben, aber die findet ja nun leider nicht statt wegen der Coronakrise. Doch was ich gesehen habe, hat mir sehr gut gefallen.

Ist „Lang lebe die Königin“ die bislang denkwürdigste Produktion Ihres Lebens?

Marlene Morreis: Ja, weil es keine Alltagssituation war, mit der wir uns beim Dreh haben auseinandersetzen müssen. Von Anfang bis Ende ein Rodeo Ritt, aber abgesehen davon ist es auch ein tolles Projekt.

Was war für Sie der Reiz an der Rolle? Und wurden Sie für die Rolle gecastet?

Marlene Morreis: Nein, ich kannte den Regisseur Richard Huber. Gereizt hat mich das tolle Drehbuch und dass sich jeder Zuschauer irgendwo auf irgendeine Art in einer der Figuren wiederfindet. Gerade das unausgesprochene Mutter-Tochter-Verhältnis kennen sicher sehr viele Frauen aus ihrer eigenen Familie.

Bei der Produktion dieses Films ist alles anders gelaufen als es ursprünglich geplant war. Bitte beschreiben Sie einmal, was genau passiert ist und wie Sie es empfunden haben.

Marlene Morreis: Zuerst haben wir haben ganz normal dreieinhalb Wochen gedreht. Anschließend kam die Krankmeldung von Hannelore Elsner, und wir haben zwei Tage lang Szenen vorgezogen, in denen sie nicht im Bild war. Doch danach war sie immer noch krank und es waren immer noch drei Drehtage übrig, an denen wir sie gebraucht hätten. Zu diesem Zeitpunkt haben wir den Dreh abgebrochen. Zweieinhalb Wochen später erreichte uns schließlich die Nachricht, dass Hannelore Elsner verstorben sei. Von ihrer Krankheit wusste niemand. Ich selbst saß gerade auf der Couch, als ich eine WhatsApp mit der Todesnachricht erhielt. Das war ein Moment der Ungläubigkeit – denn zwischen uns gab es eine Innigkeit, obwohl wir uns vor dem Dreh nicht kannten. Hannelore Elsner hat schließlich meine Mutter gespielt, und man kommt sich ja auch nahe durch solche Szenen. Glücklicherweise hatte die Headautorin schließlich die hervorragende Idee mit der Hommage und den fünf Schauspielerinnen, die Hannelore Elsners Rolle zu Ende führten.

Ihre letzte Szene mit Hannelore Elsner war die Verabschiedungsszene im Krankenhaus. Inwiefern empfinden Sie das als eine Koinzidenz?

Marlene Morreis: Im Nachhinein gibt es so viele Zufälle, dass ich gar nicht mehr darüber nachdenken will - einhunderttausend Kleinigkeiten, die bis heute anhalten und teilweise echt gruselig sind. Dass die Verabschiedungsszene die letzte war, wurde mir erst bewusst, als mir Richard Huber später davon am Telefon berichtete. Das war ein wahnsinnig surrealer Moment, den ich nicht in Worte fassen kann.

Wie war die Chemie zwischen Hannelore Elsner und Ihnen?

Marlene Morreis: Sehr gut. Wir haben uns wahnsinnig gut verstanden und hatten einen sehr respektvollen Umgang miteinander. Mit ihr zu spielen fand ich ganz toll, weil sie sehr professionell und ein außerordentlich toller Anspielpartner war – übrigens auch im Off, wenn die Kamera nicht auf sie gerichtet war. Das macht nicht jeder!

Wie war der Dreh mit den Schauspielerinnen, die als Hommage an Hannelore Elsner mit Ihnen zusammen nachträglich vor der Kamera agiert haben?

Marlene Morreis: Wahnsinnig toll. Ich hatte mit dreien eine Szene und ziemliche Angst – weil ich nicht wusste, ob sich das richtig anfühlt. Aber letzten Endes war es genau richtig. Als erstes stand ich mit Gisela Schneeberger vor der Kamera, die ich schon persönlich kannte.

Welchen Denkanstoß gibt dieser berührende Film am ehesten? Und könnten Sie sich vorstellen, dass er beim Zuschauer eine Art Katharsis auslöst?

Marlene Morreis: Ja, weil es ein Allerweltsthema ist – schließlich gibt’s in jeder Familie Kommunikationskonflikte. Doch natürlich regt „Lang lebe die Königin“ auch dazu an, sich mit sterbenskranken Menschen auszusprechen, bevor sie von uns gehen. Denn es gibt nichts Schlimmeres als einen Menschen zu verlieren und die Probleme der Vergangenheit nicht zuvor beigelegt zu haben.

Was wohl hätte Hannelore Elsner zur Lösung für die Fertigstellung des Films gesagt?

Marlene Morreis: Ich denke und hoffe, dass sie damit sehr glücklich wäre. Unser Konzept für die Fertigstellung ist eine tolle Lösung - und alle fünf Schauspielerinnen waren höchst berührt und bemüht, Hannelore Elsner gerecht zu werden.