Axel Milberg: "Der 'Tatort' ist, als ob Tante und Onkel regelmäßig zu Besuch kommen"

Im "Tatort: Borowski und der Fluch der weißen Möwe" (10. Mai, 20.15 Uhr, Das Erste) gibt ein Mord vor vielen Augenzeugen Axel Milberg Rätsel auf. Wir trafen den TV-Kommissar zum Interview.

Darum geht's in "Borowski und der Fluch der weißen Möwe"

Die Ehefrau liegt tot im Bett, ihr heulender Gatte wird verhört. Doch nachdem er ein Messer zückt und eine Polizistin überwältigt, wendet sich das Blatt schlagartig. Denn die Beamtin sticht ihn tot - vor unzähligen Augenzeugen sowie laufenden Kameras!

Ein Verbrechen, das Kommissar Borowski (Axel Milberg) schockiert - schließlich war die Verhörsituation bloß eine Übung von Polizeischülern, und Täterin und Opfer zwei junge Beamte. Doch zu Borowskis Verblüffung schweigt die Täterin - und gibt vor, sich an nichts zu erinnern. Gedächtnisverlust? Oder ein Fake?

Ein weiterer Clou der besonderen Episode: In Borowskis 35. Fall gibt‘s ein Wiedersehen mit zwei Stars der 2018 mit der GOLDENEN KAMERA ausgezeichneten Serie „4 Blocks“ - Almila Bagriacik als Ermittlerin Sahin und Kida Khodr Ramadan als Vater eines Mädchens, das von einem Hochhaus stürzt.

Interview mit Axel Milberg

Wir sprachen mit Schauspieler Axel Milberg (63) über diesen und kommende Fälle und über den „Tatort“-Nachschub während der Corona-Krise.

Herr Milberg, in „Borowski und der Fluch der weißen Möwe“ geht es um ein rätselhaftes Verbrechen, welches sich vor zahlreichen Augenzeugen ereignet und sogar gefilmt wird. Am Ende ist jedoch alles anders, als es scheint. Was mögen Sie selbst an dieser außergewöhnlichen „Tatort“-Episode?

Axel Milberg: Die wunderbare Möglichkeit, mit unserem Film etwas zu zeigen, dass wir auch in der Wirklichkeit vorfinden – nämlich, dass das, was wir als vermeintlich eindeutiges Bild sehen, in Wirklichkeit aus tausend unsichtbaren Faktoren besteht. Was wir unter Wahrheit verstehen, ist ein brüchiges Konstrukt. Übertragen auf unseren konkreten Fall bedeutet das, dass es Borowski und Sahin mit einer Mörderin zu tun bekommen, die unter Gedächtnisverlust leidet. Aber warum das so ist und was sich wirklich dahinter verbirgt macht diese außergewöhnliche „Tatort“-Geschichte spannend!

Wie ist es Ihnen beim Dreh gelungen, die Szenen mit der ruhig dasitzenden Möwe zu drehen?

Axel Milberg: (lacht) Das Tier wurde erst mit der digitalen Nachbearbeitung in das Bild eingefügt.

In Ihrem neuen Krimi kassieren Sie während eines Boxkampfs Prügel …

Axel Milberg: Genau! Nachdem Borowski ein so genanntes „Trigger“-Wort ausspricht, geht die Täterin auf ihn los. Ich habe mich sehr auf den Boxkampf gefreut und mal wieder trainiert, ein großes Vergnügen und eine etwas andere Verhörsituation.

Ihre Meinung über die Drehbuchqualität der Kieler „Tatorte“?

Axel Milberg: Wir produzieren Krimis, die die Zuschauer so noch nie gesehen haben – mal über vergiftetes Essen, dann über Alt-Nazis und wieder ein anderes Mal über die Tödlichkeit der absoluten Liebe. Weil wir dabei immer wieder mit neuen Autoren zusammenarbeiten, wird Borowski regelmäßig neu interpretiert – mal ist er ein unberechenbarer Freak, ein anderes Mal ein typisch deutscher Beamter.

Wie lange ermitteln Sie weiter? Wie lange läuft Ihr Vertrag

Axel Milberg: Bis 2023. Anschließend wird neu verhandelt.

Wie schaut es derzeit mit der Produktion aus? Wie viele Tatorte haben Sie vorproduziert? Was wurde abgebrochen? Ab wann müssen sich die Zuschauer Sorgen um die Versorgung mit frischen, neuen Tatorten machen?

Axel Milberg: (lacht) Der „Tatort“ ist eine systemrelevante Versorgung. Nein, im Ernst: 2019 haben wir zwei Folgen gedreht. Die erste – „Borowski und der Fluch der weißen Möwe“ – wird am 10. Mai gezeigt. Der zweite „Tatort“ läuft im Herbst. Darin wird Borowski mit einer grausamen Geschichte aus seiner Jugendzeit konfrontiert. Auch 2020 drehen wir zwei neue Folgen. Der Dreh der ersten wurde allerdings am 18. März abgebrochen. Die zweite Folge wollten wir eigentlich im Juli drehen. Aber das wird jetzt wahrscheinlich auf den Herbst verschoben.

2020 wird der Tatort 50 Jahre alt. Was ist das Erfolgsgeheimnis der Reihe?

Axel Milberg: Die Beständigkeit: Es ist einfach schön, die „Tatort“-Teams über so viele Jahre und Jahrzehnte zu begleiten. Der „Tatort“ ist, als ob Tante und Onkel regelmäßig zu Besuch kommen – man würde sie vermissen, wenn es sie nicht mehr gäbe, und wenn sie auch noch interessante Geschichten erzählen können, fragt man sich, wann sie das nächste Mal vorbeischauen.

GOLDENE KAMERA TV-Tipp, weil…

Der "Tatort: Borowski und der Fluch der weißen Möwe" ist knallhart - ein komplexer, dichter, tränenreicher und kompromissloser Fall. Hochdramatisch erzählt das Autorenduo Volker und Eva Zahn, aus deren Feder auch die Kieler Folge „Borowski und die Kinder von Gaarden“ stammt, von einer Spirale Gewalt.