"Nachtschicht: Cash & Carry": Schüsse in der Nacht

Ein toter Polizist und Rassismus auf dem Revier: Die neue Folge der Reihe "Nachtschicht: Cash & Carry" (Montag, 4. Mai, 20.15 Uhr im ZDF) hat es in sich.

Im neuen, 16. Fall der außergewöhnlichen Kriminalfilmreihe "Nachtschicht" (bereits in der ZDF-Mediathek) weiß Hauptkommissar Erich Erichsen (Armin Rohde), im Gegensatz zu den TV-Zuschauern, nicht, wer der Täter ist. Doch der schroffe Ermittler hat sofort den richtigen Riecher. Gemeinsam mit seinem jungen Kollegen Elias Zekarias (Tedros Teclebrhan) nimmt er die Fährte auf.

Darum geht's in "Nachtschicht: Cash & Carry"

Hamburg­ Altona, irgendwann in der Nacht: Die einfältigen Gangster Norman Melchior (Pit Bukowski) und Balou Dieudonné (Klismann Lefaza Jovete) brechen mit einem Gabelstapler einen Geldautomaten aus einer Hauswand. So ungeschickt, dass die Polizisten Harry Tönnies (Benno Fürmann) und Milla Bongers (Friederike Becht) auf sie aufmerksam werden. Die Lage eskaliert. Wenig später liegt Tönnies tot auf dem Asphalt, erschossen vom durchgeknallten Melchior.

HIntergrund

Typisch für die Reihe von Autor und Regisseur Lars Becker: Es geht meist nicht um die Frage nach dem Täter, sondern um die Darstellung interessanter Großstadtmilieus und ungewöhnlicher Charaktere. Oder um die Bearbeitung relevanter Themen. Diesmal blitzt immer wieder ein brisantes Problem in der Handlung auf: Rassismus innerhalb der Polizei. So wird Erichsens dunkelhäutiger Kollege Zekarias ohne jeden Grund verhaftet, ein anderer Kollege provoziert ihn mit diskriminierenden Sprüchen.

"Ich denke, dass Polizisten, die Tag für Tag mit Verbrechen aller Art zu tun haben, sich manchmal auch in einer unangemessenen Weise verhalten“, sagt Armin Rohde im Gespräch mit der GOLDENEN KAMERA. "Dafür habe ich bis zu einem gewissen Grad Verständnis, denn sie haben einen der schwierigsten Berufe überhaupt. Was aber gar nicht geht, sind rassistische Äußerungen und Verhaltensweisen. Es gab ja wiederholt Berichte über rechte Netzwerke bei der Polizei. Mich beunruhigt das sehr, wir müssen bei diesem Thema wachsam sein.“

Der von ihm gespielte Kommissar steht seinem Kollegen zur Seite. "An diesem Punkt sind Erichsen und ich uns ausnahmsweise mal ähnlich“, sagt Rohde. "Wir beide bewerten einen Menschen nicht danach, welche Hautfarbe er hat oder aus welchem Land seine Großeltern nach Deutschland gekommen sind. Für mich und für Erichsen zählt allein das Verhalten: Ist der ein Arschloch oder nicht?“

Seit 17 Jahren spielt Armin Rohde die Hauptrolle in "Nachtschicht“. Dennoch wirkt es nie so, als würde er den Part routiniert herunterspielen. In seinen Szenen ist er enorm präsent. "Erichsen hat einen ganz besonderen Biss und Zugriff auf andere Menschen“, sagt Rohde. "Sein Energiepegel ist extrem hoch. Wenn ich mich einmal im Jahr in diese Figur verwandle, spiele ich sie anfangs immer ein bisschen zu entspannt und gelassen. Ich brauche meist zwei Drehtage, bis ich, wie ich es gern formuliere, mit meiner Figur wieder Straßenbahn fahren kann. Das heißt: Ab dann läuft es von selbst, ab dann habe ich den Erichsen verinnerlicht.“ Das steht schon bald wieder an. Die Drehbücher für die nächste "Nachtschicht“ sind fertig, im Herbst soll gedreht werden.

GOLDENE KAMERA TV-Tipp, weil...

Dem schnoddrigen Hamburger Kiez-Sound mischt Regisseur und Autor Lars Becker gesellschaftskritsche Töne bei. Die Besetzung der Gastrollen ist wie immer exquisit. Und auch der bewährte Mix überzeugt erneut. Insgesamt ein gelungener Krimi.