Inzest und Teenagermord im Krimi "Stralsund: Blutlinien"

Ein einbetonierter Teenager, verbotene Geschwisterliebe und kriminelle Väter - der Samstagkrimi "Stralsund: Blutlinien" zeigt düstere Familiengeheimnisse.

Der mittlerweile 16. Fall "Stralsund: Blutlinien" (9. Mai 2020, 20.15 Uhr im ZDF, bereits in der ZDF-Mediathek abrufbar) setzt weniger auf die gewohnt brutalen Actionszenen, sondern erzählt eine Familientragödie, die es dank der vielschichtigen Charaktere in sich hat.

Darum geht's in "Stralsund: Blutlinien"

1996 verschwindet Nina Petersens (Katharina Wackernagel) Freundin Klara spurlos. Dieses traumatische Ereignis hat Nina damals dazu bewogen, eine Karriere als Kommissarin anzustreben. Auch nach fast 24 Jahren beschäftigt sie noch die Ungewissheit über den Verbleib der Freundin.

Als in der Garage der Familie Brandt bei Renovierungsarbeiten eine einbetonierte Leiche gefunden wird, denkt sich Nina Petersen bereits vor Eintreffen am Tatort, dass es sich um Klara handelt. Denn Hendrik (Barnaby Metschurat), der Sohn der Familie, war der letzte, der Klara lebend gesehen hat und war somit dringend tatverdächtig. Doch es gab nie Beweise. Der Vorwurf allein hat allerdings gereicht, Henriks Leben zu zerstören.

Er ist auf die schiefe Bahn geraten und jüngst aus dem Gefängnis entlassen worden. Sein Vater Carlos Brandt (Axel Siefer), der die Garage 1996 hat bauen lassen, leidet scheinbar unter Demenz und lebt mittlerweile im Pflegeheim. Die Schwester Maren (Franziska Hartmann), die ebenfalls ein sehr enges Verhältnis zu Klara hatte, versucht ihrem Bruder aus dem Weg zu gehen. Denn die beiden hegen mehr als nur geschwisterliche Liebe füreinander.

In diesem Familienchaos versuchen die Ermittler Petersen und Hidde (Alexander Held) und deren neuer Chef, Thomas Jung (Johannes Zirner) den Überblick zu behalten. Doch dann überschlagen sich die Ereignisse.

Hintergrund

Autor Olaf Kraemer erklärt, warum er diese Geschichte ausgewählt hat: "Mich hat vor allem interessiert, wie Kinder von Kriminellen, die ja oft anders sozialisiert werden als Kinder aus vermeintlich 'normalen' Familien, ihr späteres Leben meistern und die Vergangenheit integrieren. In 'Blutlinien' steht ein Geschwisterpaar im Mittelpunkt, das sich bedingt durch ein hartes Milieu und das Verhältnis zu ihrem kriminellen Vater schon früh ungewöhnlich eng aneinandergeklammert hat. Der Versuch, ein neues Leben abseits der Vergangenheit und der schwierigen Kindheit zu beginnen, scheitert, und drei Generationen drohen an dem 'Familienfluch' zu Grunde zu gehen – vertrackt für unsere Hauptfiguren, deren Ermittlungen immer wieder in die gleiche Sackgasse laufen. Denn egal, was passiert – Blut ist dicker als Wasser."

Den neuen Chef, der fatalerweise auch der neue Geliebte von Kommissarin Nina Petersen ist, wird von Johannes Zirner gespielt. Der Schauspieler erklärt, was für ihn die Faszination dieses Falls ausmacht: "'Blutlinien' ist die komplexe Geschichte einer Familie mit einer dunklen Vergangenheit, die nach Jahren wieder ans Licht kommt. Dies macht den besonderen Reiz der Folge aus. Und natürlich die starke Besetzung der Episoden-Figuren."

GOLDENE KAMERA TV-Tipp, weil

Johannes Zirner hat Recht: "Stralsund: Blutlinien" ist sehr gut besetzt. Vor allem Franziska Hartmann und Barnaby Metschurat erschaffen im Zusammenspiel eine für den Zuschauer fesselnde Dynamik.

Insgesamt beherrschen aber nicht nur die Schauspieler, sondern auch der Regisseur und der Autor ihr Handwerk. Entstanden ist ein klassischer Krimi, der seinen Fokus auf eine Familiengeschichte legt, gekonnt in den Zeitebenen springt und durch die verschiedenen Handlungen den Zuschauer bei der Stange hält.

Auch wenn die Auflösung nach der Vorgeschichte eher durchwachsen ist, so kann der Krimi dennoch durch die fundierten Leistungen der Macher und den vielschichtigen Charakteren die Erwartungen der Krimifans erfüllen.