Felix Klare: "Gleichgültigkeit ist einer der gefährlichsten Zustände"

Wir sprachen mit Felix Klare über seinen 25. "Tatort"-Fall, in dem er mit seinem Kollegen Richy Müller einen Serienkiller jagt.

Auf der Suche nach dem Serienmörder stoßen die Stuttgarter Cops Lannert (Richy Müller, hier im Interview) und Bootz (Felix Klare) an ihre Grenzen - denn sie müssen den Täter fassen, bevor die Öffentlichkeit in Panik gerät.

Wir sprachen mit Felix Klare über seinen 25. "Tatort"-Einsatz und die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Branche.

Felix Klare im Interview

Was mögen Sie an Ihrem Jubiläumskrimi „Du allein“, warum ist die Folge sehenswert und spannend?

Felix Klare: Der Film hat eine tiefere Atmosphäre, was ich beim Lesen und sogar beim Spielen gar nicht so deutlich empfunden habe. Das hat mich sehr positiv überrascht. Außerdem ist für mich vor allem das Thema Liebe hervorzuheben, welches Jahr im Tatort eher selten anklingt. Vielleicht hat es auch damit zu tun, dass mit 'Tatort - Du allein' endlich mal eine Frau den Stuttgarter Tatort inszeniert hat: Friederike Jehn.

Welchen Denkanstoß gibt dieser Krimi Ihrer Meinung nach? Regt er beispielsweise dazu an, mal über die Gleichgültigkeit in unserer Gesellschaft nachzudenken – und ob es einen Unterschied macht, ob man einem Penner die Hilfe verweigert oder einem Handwerker?

Gleichgültigkeit ist für mich einer der gefährlichsten Zustände, die ein Mensch haben oder entwickeln kann. Denn Gleichgültigkeit hat etwas Endgültiges, Totes, von dem es kein Zurück gibt. Ich hoffe, dass unser Film die Menschen ein wenig in dieser Richtung berühren und zum Überdenken anregen kann.

Ihre Meinung über Selbstjustiz? Ist das Handeln der Täterin nachvollziehbar?

Sicherlich haben einige Menschen nicht die Unterstützung und Gerechtigkeit erfahren, die ihnen zustehen würde und manches ist auch durch Hilfe unwiederbringlich verloren. Doch das Recht in die eigene Hand zu nehmen, ist in unserer Gesellschaftsform verboten, was ich begrüße. Anders ist es beispielsweise in den USA, wo ein sehr lockeres Waffengesetz herrscht. Was dabei herauskommt, bekommen wir immer wieder in Form von Amokläufen übermittelt.

Was ist das Erfolgsgeheimnis des Stuttgart-Krimis?

Wir sind ein sehr unterschiedliches Gespann. Der eine jünger, der andere älter, mal ist der eine aufbrausend, dann bleibt der andere ruhig und sachlich bei den Fakten. Der eine groß, der andere klein, mal intuitiv, mal logisch kombinierend. Das alles kann sich zum einen wohl sehr gut ergänzen, bringt aber auch ab und an gehörig Zündstoff in die Beziehung von Bootz und Lannert. Das ist spannend und wird es bleiben.

Wie lange laufen Ihre Verträge – und wie groß ist Ihre Lust, Sebastian Bootz bis zu dessen Eintritt ins Pensionsleben zu spielen?

Die Verträge laufen immer nur von Jahr zu Jahr, also zwei Filme, dann wird neu gewürfelt. Ob ich bis ins Pensionsalter Herrn Bootz spielen werde, das weiß ich wirklich nicht, soweit voraus denke ich in der Regel nicht. Das wären ab heute ja noch genau 25 Jahre und 50 Tatorte, also doppelt so viele wie jetzt - naja, an Dienstjahren wäre ich dann schwer zu schlagen und wenn ich mir den Porschemotor an meinen E-Rollstuhl montiere, klingt das schon verlockend.

Wie wirkt sich die Coronakrise auf Ihre "Tatort"-Drehs aus, gibt’s genug fertige Krimis in der Schublade?

Wir hatten das Glück am 15.0 Februar 2020 gerade noch einen Stuttgarter Tatort fertig zu stellen und direkt vor Weihnachten 2019 hatten wir auch schon einen weiteren gedreht. Wir haben also mit dem jetzigen noch drei im Kasten. Das hört sich doch erst mal ganz beruhigend an oder? Ansonsten bekommen Filmschauspieler null Finanzhilfe vom Staat, da sie weder selbstständig sind noch in der Künstlersozialkasse, sondern immer nur für die einzelnen Drehtage im Angestellten-Modus bewertet werden. Im übrigen unterstütze ich die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens. Hätten wir dies schon vor Corona gehabt, hätte sich der Staat viele Millionen sparen können und die Grundbedürfnisse eines jeden wären gedeckt.

Das Erste zeigt den "Tatort: Du allein" am Sonntag, 24. Mai um 20.15 Uhr.