"Das freiwillige Jahr": Ausnahmefilm über Vater-Tochter-Konflikte

"Das freiwillige Jahr" ist ein außergewöhnlicher, authentisch wirkender Film über eine Tochter, die sich von ihrem übermächtigen Vater zu distanzieren versucht.

Der Weg ist das Ziel: In "Das freiwillige Jahr" (Mittwoch, 27. Mai, 20.15 Uhr im Ersten) steht nicht die Handlung im Vordergrund. Der Zuschauer wird mitten in das Geschehen hineingeworfen und muss sich selbst die Zusammenhänge erarbeiten. Und genau das bereitet einem, dank des überaus gelungenen Drehbuchs, große Freude. Denn jede der spannenden Situationen mündet in eine neue und kann alles oder auch nichts bedeuten... Endlich fällt es dem Zuschauer schwer, das Ende des Filmes vorauszusagen.

Darum geht's in "Das freiwillige Jahr"

Abi bestanden. Aber was jetzt? Eigentlich fühlt sich Jette (Maj-Britt Klenke) in ihrem dörflichen Zuhause ganz wohl. Doch ihr alleinerziehender Vater Urs möchte, dass seine Tochter die weite Welt kennenlernt. Jette soll ein freiwilliges soziales Jahr in Costa Rica verbringen. Also begeben sich die beiden auf den Weg zum Flughafen. Auf dem Weg dorthin wollen sie noch schnell die verliehene Kamera vom Onkel Falk (Stefan Stern) abholen. Als dieser nicht öffnet, macht sich Urs große Sorgen um seinen Bruder. Ist der trockene Alkoholiker vielleicht tot?

Und dann taucht auch noch Jettes Exfreund Mario (Thomas Schubert) auf, um sie zurück zu erobern. Reist Jette trotzdem noch nach Costa Rica?

Hintergrund

"Das freiwillige Jahr" feierte seine Premiere beim Filmfest Locarno und gewann den Produzentenpreis beim Filmfest Hamburg. Außerdem lief der Film in diversen Programmkinos Deutschlands.

Nachwuchsdarstellerin Maj-Britt Klenke gewann 2020 die "Berlinale Talents". Sie wurde 1992 in Berlin geboren und studierte Schauspiel an der Otto Falckenberg Schule in München. Dort stand sie u.a. bei den Kammerspielen und dem Volkstheater auf der Bühne. Sie war bisher überwiegend in Kurzfilmen, wie "Squash" zu sehen.

Klenke gründete das Kollektiv "BerlinOffenbacherFreundschaft" mit dem sie im Musikvideo "Lovely, lovely" zu sehen ist:

Gegenüber der teleschau erklärte Maj-Britt Klenke, inwiefern sich die Dreharbeiten dieses Films von anderen unterschieden haben: "Wir hatten mit den beiden Regisseuren Ulrich Köhler und Henner Winckler Probentage, an denen sie uns ein sogenanntes Treatment gaben. Darin wird eine Szene grob beschrieben. Wir erhielten also nicht den genauen Dialog. Auf Basis dieser Kurzbeschreibung konnten wir dann improvisieren, und sie filmten das parallel mit. Diese Dialoge sind dann zum Teil ins Drehbuch miteingeflossen. Mir macht es Spaß zu improvisieren. Ich habe das Gefühl, da kommen meine Fähigkeiten zum Tragen. Es gibt bestimmt auch Kolleginnen und Kollegen, die lieber mit einer klaren Textvorgabe arbeiten. Aber ich fand das hat dem Film einfach gutgetan. Das fördert auch die Authentizität des Films."

Sebastian Rudolph, der die Rolle des Vaters Urs spielt, ist der Sohn von Schauspielerin Hildegard Schmahl und Regisseur Niels-Peter Rudolph. Seine ersten großen Rollen spielte er in Filmen wie "Manta - Der Film" und "Stalingrad". In "Die Spiegel-Affäre" übernahm er den Part von Rudolf Augstein.

GOLDENE KAMERA TV-Tipp, weil…

Der Zuschauer kann sich bei diesem Drama einfach treiben lassen. Die spannenden Situationen und Momente gehen fließend ineinander über. Durch Zufälle oder plötzliche Begegnungen entstehen neue Zusammenhänge, die einen in jeder Sekunde an den Bildschirm fesseln - selbst dann, wenn nichts passiert.

Quasi in gefühlter Echtzeit findet die Handlung an lediglich drei Tagen, erzählt anhand der drei Hauptfiguren, statt. Der in seiner Sorge übergriffige Vater, der bodenständige Freund und die sich zerrissen fühlende Tochter - sie alle sind in ihrem Kosmos gefangen und wirken dank der grandiosen Schauspieler lebensnah und authentisch. Ein außergewöhnlicher und glaubhafter Film.