Schweinsteiger-Doku: Der stärkste Moment stand auf der Kippe

Sebastian Schweinsteiger beendete 2019 seine Fußballprofi-Karriere.
Sebastian Schweinsteiger beendete 2019 seine Fußballprofi-Karriere.
Foto: dpa
Til trifft Basti: Produzent Til Schweiger und Fußballidol Bastian Schweinsteiger sprechen über ihr gemeinsames Dokuprojekt "Schweinsteiger: Memories – Von Anfang bis Legende".

Sie kennen und schätzen sich seit vielen Jahren: Filmemacher Til Schweiger (56, „Die Hochzeit“) und Fußballweltmeister Bastian Schweinsteiger (35). Klar, dass Schweiger Schweinsteigers erster Ansprechpartner war, als es darum ging, eine Doku über die bewegte Karriere des erst im Oktober 2019 zurückgetretenen Ausnahmekickers auf den Weg zu bringen.

Trailer: Schweinsteiger-Doku bei Prime Video

„Schweinsteiger: Memories – Von Anfang bis Legende“

Hier sprechen die Buddies über das gemeinsame Filmprojekt (ab 5.6. bei Prime Video)., ihren Kampf um die beste Szene und überwältigende Emotionen.

Vermissen Sie die große Fußballbühne, Herr Schweinsteiger?

BASTIAN SCHWEINSTEIGER: Was ich während des Lockdowns vermisst habe, sind Fußballspiele im Fernsehen und live im Stadion. Aber den Alltag als Profi vermisse ich aktuell nicht. Ich habe die Entscheidung bewusst getroffen, auch um mehr Zeit mit der Familie zu verbringen.

Erinnerungen, sagen Sie in der Doku, sind für Sie das Wichtigste. Was wird Ihnen von dem Dokuprojekt mit Til Schweiger im Gedächtnis bleiben?

SCHWEINSTEIGER: Ganz sicher das Tennismatch mit meiner Frau Ana...

...das Sie verloren haben.

SCHWEINSTEIGER: Da stehe ich drüber. Ich habe vom ersten bis zum letzten Ballwechsel einfach nicht meinen Spielrhythmus gefunden. Das Match spiegelt nicht meine wahre spielerische Klasse wider! Aber im Ernst: Erinnerungen waren grundsätzlich schon immer sehr wichtig für mich. Eines Tages sitzen wir doch wahrscheinlich alle mit der Familie zusammen und erinnern uns an gewisse Dinge, die wichtig waren im Leben. Ich habe mich auch als Spieler immer wieder an frühere Zeiten erinnert und daraus viel Kraft schöpfen können.

Herr Schweiger, was hat Sie gleich beeindruckt, als Sie Bastian Schweinsteiger kennengelernt haben?

TIL SCHWEIGER: Was eigentlich jeden bei ihm sofort beeindruckt. Dass er ein unheimlich offener, einnehmender, nachdenklicher, lustiger und vor allen Dingen aufrichtiger, ehrlicher Mensch ist. Ich entscheide immer in den ersten Sekunden, ob ich jemanden mag oder nicht. Bisher hat dieser erste Eindruck fast immer gestimmt. Bei Basti zu 100 Prozent.

Was macht Bastian Schweinsteiger eigentlich genau zum „Helden“, wie Sie ihn in Ihrer Doku nennen?

SCHWEIGER: Das ist schwer in Worte zu fassen. Für mich war er immer ein Held, nicht erst seit dem WM­-Finale 2014 – und auch schon 2011 während der „Chefchen“­Affäre, als es um seine Qualität als Führungsspieler beim FC Bayern ging. Ich fand das damals sehr unfair, und Basti hat den Vorwurf ja auch eindrücklich widerlegt.

SCHWEINSTEIGER: Wenn mich jemand wie Til als Held sieht, fühle ich mich sehr geehrt. Aber ich persönlich sehe mich nicht so.

Herr Schweiger, warum haben Sie sich entschieden, die Dokumentation zu produzieren, die Regie aber Robert Bohrer zu übertragen?

SCHWEIGER: Ich glaube ehrlich, dass ich der falsche Mann für diese Aufgabe gewesen wäre. Ich inszeniere fiktionale Filme. Vor dem Job eines Dokumentarfilmers habe ich einen Heidenrespekt. Außerdem war ich zeitlich zu sehr in meine Kinoprojekte eingebunden.

Herr Schweinsteiger, wie schwer ist es Ihnen gefallen, das Drehteam mit in die Kabine zu lassen, als Sie sich nach Ihrem letzten Spiel als Fußballprofi von Ihren Mitspielern bei Chicago Fire verabschiedet haben?

SCHWEINSTEIGER: Ich bin sicher niemand, der einfach sagt: ,So, jetzt öffne ich mal alle Türen und gebe private Einblicke.‘ Aber das Vertrauen in Til und sein Team war einfach da, und ich habe letztlich gesagt: Okay, das gehört dazu.

SCHWEIGER: Ich konnte dein Zögern verstehen, weil ich solche Emotionen auch kenne, etwa von Filmpremieren, wenn ich mich vor der Kamera bei meinem Team bedanke. Da macht es einem nichts aus zu weinen. Aber wenn man sich dann später selbst weinen sieht, ist das nicht so einfach. Für mich ist das der stärkste Moment im ganzen Film. Er zeigt einfach, was für ein emotional durchlässiger und geradliniger Mensch Basti ist. Du wirst sehen: Das werden die Leute feiern!

Interview: Frank Steinberg

Galerie zum Thema: TV-Stars und ihre Lieblingsvereine