Illegaler Organhandel im Arte-Film: "Das Leben meiner Tochter"

In "Das Leben meiner Tochter" (Freitag, 12. Juni, 20.15 Uhr, Arte) will ein Vater für sein Kind ein lebensnotwendiges Herz auf dem Schwarzmarkt kaufen.

Wie weit geht man, wenn das eigene Kind im Sterben liegt? Diese Frage stellen sich auch Janas Eltern. "Sein eigenes Kind legal sterben zu sehen – oder ihm illegal helfen?", so formuliert der Vater den Gewissenskonflikt. Und auch dem Zuschauer wird es bei jeder Minute des Filmes immer schwerer fallen, dazu eindeutig Stellung zu beziehen.

Trailer: "Das Leben meiner Tochter"

Darum geht's in "Das Leben meiner Tochter"

Jana (Maggie Valentina Salomon) ist eine achtjährige Frohnatur. Als sie plötzlich vor den Augen der Eltern leblos zusammenbricht, können die Ärzte sie reanimieren. "Normalerweise erholt sich ein Herz von einer Entzündung gut…", erklärt die Ärztin Dr. Andrea Benesch (Barbara Philipp). Leider geschieht das aber nicht in Janas Fall und das Mädchen braucht ein Spenderherz. Laut Statistik sollte innerhalb von acht Monaten das dringend benötigte Organ gefunden werden, beruhigt die Medizinerin die Familie.

Als Jana ein Jahr später immer noch an der Herzmaschine hängt, steigt das Risiko, dass sie sehr bald sterben wird. Nachdem das Mädchen einen Schlaganfall erleidet, will der Vater Micha (Christoph Bach) das Schicksal selbst in die Hand nehmen. Er hört sich auf dem Schwarzmarkt nach einem Spenderherz um. In Rumänien wird er für 250 000 Euro fündig.

Zunächst sieht auch die Mutter Natalie (Alwara Höfels) keinen anderen Ausweg. Doch dann steigt ihre Angst: Woher mag ein solches Herz stammen?

Hintergrund

Die Nachfrage nach Spendenorganen steigt stetig, doch die Bereitschaft der Menschen ein Organ zu spenden ist in Deutschland immer noch gering. Gerade mal ca. 36 Prozent der Bundesbürger besitzen einen Organspendeausweis. Momentan stehen etwa 9 000 Menschen in Deutschland auf der Warteliste. 2019 gab es 932 Spender.

Die Weltgesundheitsorganisation schätzte, dass im Jahr 2012 ca. 10 000 Organe illegal transplantiert wurden. Das waren rund zehn Prozent aller Transplantationen. Besonders abstoßend geht die Organmafia vor, wenn sie schutzbedürftigen Menschen, wie zum Beispiel Menschen mit Behinderungen, Obdachlosen oder illegalen Migranten, vorgegaukelt, sie müssten operiert werden. Stattdessen entnehmen die Kriminellen ihnen dann ohne ihr Wissen ein Organ.

GOLDENE KAMERA TV-Tipp, weil...

Dies ist ein hartes und in Anbetracht der Zahlen und Fakten auch immer noch sehr, sehr wichtiges und aktuelles Thema. Dadurch, dass der Film ohne große Gefühlsduselei und Sentimentalität erzählt wird, bekommt das moralische Dilemma noch mehr Tiefe. Statt auf die Tränendrüse zu drücken wird also der Gewissenskonflikt glaubhaft, manchmal auch zu nüchtern, dargestellt.

Vor allem die Mutter wirkt distanziert und farblos. Da konnte Alwara Höfels als Dresdner "Tatort"-Kommissarin oder als "Keinohrhasen"-Erzieherin mehr überzeugen. Der Grund, warum die Schauspielerin hier so blass und seltsam unbeteiligt wirkt, mag auch an dem Drehbuch liegen, welches den Fokus eindeutig auf den Vater legt. Immer wenn die Darsteller Christoph Bach und Maggie Valentina Salomon miteinander im Film in den Dialog treten, werden der Not und der Dringlichkeit viel Kraft verliehen, was auch an der gelungenen Performance der beiden liegt. So entfacht "Das Leben meiner Tochter" gekonnt eine ethische Diskussion.