Benedict Cumberbatch: "Ruhm ist etwas Komisches"

"Sherlock"-Star Benedict Cumberbatch kehrt demnächst mit zwei Rollen in Kino & TV zurück. Im Interview verrät der 43-jährige "Commander of the british Empire", wer ihm hilft, dem Wahnsinn des Filmgeschäft zu entkommen.

Schon seit längerer Zeit werden sich viele Fans von Benedict Cumberbatch die Frage stellen: Wann wird eigentlich "Sherlock" fortgesetzt? Die letzte Staffel der gefeierten BBC-Serie, die dem Briten 2010 den ganz großen Durchbruch ermöglichte, lief bereits 2017 in Deutschland. Danach gab es viele Gerüchte um die Fortsetzung der Serie. Sogenannte Insider berichten, "Sherlock" wäre am Ende, weil sich Benedict Cumberbatch mit seinem Co-Star Martin Freeman (Dr. Watson) überworfen hätte. Doch diese Vermutungen entbehren jeglicher Grundlage.

Vielmehr versichern Showrunner Mark Gatiss, Cumberbatch und Freeman in regelmäßigen Abständen ihren Fans, dass sie eine fünfte Staffel immer noch in Kopf und Herz mit sich herumtragen, aber andere Projekte anstehen, die eine reguläre Arbeit an der nächsten Staffel verhindern. Cumberbatch bekräftigte schon 2018 seine Zuneigung zur Serie und seine Bereitschaft, ein erneutes Mal den Sherlock Holmes zu geben:„Wir lieben es, die Serie zu drehen und alles, was ich dazu sagen kann, ist, dass wir alle sehr beschäftigt waren. Aber wir werden sehen, wir sagen nie nie und wenn es richtig ist, werden wir mehr machen."

Cumberbatch als Erfinder der Glühbirne

In der Tat standen für den Vater von zwei Töchtern eine Vielzahl von Projekten in den letzten drei Jahren an. Neben seinen Auftritten in zwei "Avengers"-Filmen, der Serie "Patrick Melrose" und anderen Projekten, spielte er in "Edison" Thomas Edison, einen der genialsten Erfinder aller Zeiten. Ab dem 23. Juli ist der Film aus dem Jahr 2017 auch hierzulande im Kino zu sehen.

Im gleichen Jahr feierte auch die Verfilmung des Ian-McEwan-Romans "A Child in Time" seine Premiere, die Tele 5 jetzt (Mi, 17. Juni, 20.15 Uhr) als TV-Premiere zeigt. Cumberbatch ist darin als verzweifelter Kinderbuchautor zu sehen, dessen Tochter im Supermarkt verschwunden ist. Benedict Cumberbatch bezeichnete den Film, den er auch mitproduzierte, einmal als seinen persönlichsten und trug im Film sogar private Kleidung.

Trailer zu "The Child in Time"

Im aktuellen Interview verrät Cumberbatch, der 2015 für seine Verdienste im Bereich der darstellenden Künste von der Queen mit dem "Commander of the Order of the British Empire" (CBE) ausgezeichnet wurde, wie sich ein schauspielender Workaholic in den Drehpausen entspannt und wer ihm hilft, trotz des ganzen Rummels um seine Person, nicht abzuheben:

Mr. Cumberbatch, Sie arbeiten sehr viel. Wie laden Sie Ihre eigenen Batterien wieder auf?

Benedict Cumberbatch: Oh, ich bin sehr gut darin abzuschalten. Ich kann Prioritäten setzten und ich glaube, dass ist das ganze Geheimnis daran, sich nicht verrückt machen zu lassen. Für mich funktioniert es, sich von anderen Sachen nicht blenden zu lassen und sich direkt auf das zu konzentrieren, was direkt vor mir liegt. Wenn ich nicht arbeite, mache ich mir keine Gedanken darüber, was jetzt wäre, wenn ich arbeiten würde, oder was ich jetzt noch erledigen müsste. Sich auf das konzentrieren, was wesentlich ist, das ist mein Geheimtipp.

Wie schaffen Sie es, nach einem langen Drehtag, abzuschalten?

Ich schließe die Tür hinter mir und lasse die Welt draußen, versuche zu relaxen, um meine Energie wieder in meinen Körper fließen zu lassen. Das schaffe ich entweder mit meditieren, oder ich schaue mir mit einem Cocktail in der Hand, einen Film an.

War es schon immer klar für Sie, dass Sie Schauspieler werden wollen?

Schon in der Schule habe ich immer lustige Stimmen nachgeahmt. Damals war meinen Lehrern sofort klar, dass dies in zwei Richtungen laufen kann: Kreativ oder zerstörend. Gott sei Dank traf bei mir das Erste ein (lacht).

Wie alt waren Sie, als Sie zum ersten Mal auf der Bühne standen?

Ich war vier Jahre. Damals spielte ich den Joseph in einem Krippenspiel. Das lustige daran war, dass mich die Maria aus irgendeinem Grund frustrierte, also schubste ich sie zur Seite. Und das mitten in dem Auftritt (lacht). Aber was soll ich sagen? Meine Entschuldigung ist: Ich war vier Jahre alt!

Viele Schauspieler sehen sich selbst nicht gern auf der Leinwand. Wie ist das bei Ihnen?

Ganz schlimm. Ich kann es am besten damit vergleichen, wenn jemand seine eigene Stimme auf einem Anrufbeantworter hört und voller Entsetzen schreit: „Das hört sich gar nicht an wie ich“. Ich habe noch nie jemanden gehört der sagt: „Ich höre mich toll an“, (lacht). Und genauso ist das bei uns Schauspielern, wenn wir uns auf der Leinwand sehen.

Sie haben sich zum großen Hollywood Star entwickelt. Wie schaffen Sie es nicht abzuheben?

Das wichtigste für mich ist meine Familie und meine Freunde. Diese Bodenständigkeit hilft mir dabei, ich selbst zu sein. Viele von ihnen sind älter als ich und vor allem ruhiger als ich. Diesen Ruhepol brauche ich, um dem Wahnsinn, den das Filmgeschäft mit sich bringt, zu entkommen.

Apropos Familie. Sie sind glücklich verheiratet und haben zwei kleine Kinder, drei und vier Jahre alt.

Für mich war schon, seit meinem 12 Lebensjahr klar, dass ich Kinder haben möchte. Vielleicht weil ich ein Einzelkind bin? Ich weiß es nicht. Klar ist, dass ich mir schon immer eine große Familie gewünscht habe.

Wie gehen Sie eigentlich mit dem ganzen Ruhm um?

Ruhm ist etwas Komisches, vor dem man sich ein bisschen distanzieren soll. Die Menschen sehen einen Wert in einem, den man selbst nicht sieht.

Das ist sicherlich schwer mit den ganzen sozialen Kanälen?

Schon ein bisschen. Einmal war direkt jemand gegenüber von meinem Haus, in einer angemieteten Wohnung. Derjenige twitterte live und hat ganz genau beschrieben, was ich gerade mache. „Er zieht sein Shirt aus, geht zum Fenster, zieht sein Shirt wieder an…“ und das obwohl ich eigentlich Rollos in meiner Wohnung hatte. Um ehrlich zu sein, hat mich das hat mich schon ziemlich schockiert.

Was halten Sie davon, wenn die Leute Sie als hübsch und attraktiv bezeichnen?

(Lacht) Ich glaube es gibt keinen Menschen auf dieser Erde, der es nicht gerne hört, wenn einen jemand als attraktiv bezeichnet. Trotzdem ist es ein komisches Gefühl.

Benedict Cumberbatch: Best Moments

Wenn Sie mit jemanden für einen Tag tauschen könnten. Wer wäre das?

Es wäre schön, als Jake Gyllenhaal aufzuwachen (lacht).

Was ist Ihr Motto?

Wir alle sollten die Reise unseres Lebens genießen und nicht nur das Endspiel.

Interview: TELE 5-Kommunikation