Perfektionistin mit Herzfehler: Martina Gedeck in "Herzjagen"

Eine OP soll Carolines Herzfehler heilen.
Eine OP soll Carolines Herzfehler heilen.
Foto: BR
Im TV-Drama „Herzjagen“ brilliert Martina Gedeck als Patientin zwischen Leben und Tod.

Sie wirkt verwöhnt, verweichlicht und launisch. Sie führt ein Leben im Schongang. Doch dafür hat Caroline Binder (Martina Gedeck) gute Gründe: Seit 20 Jahren muss die frühere Architektin wegen eines angeborenen Herzfehlers jeden Moment damit rechnen, dass ihr wichtigstes Organ versagt. Als die Ärzte ihr eröffnen, ihr Zustand würde sich rasch verschlechtern, entschließt sie sich zu einer OP. Doch die hat ungeahnte Folgen: Caroline übersteht den Eingriff gut – dennoch verändert er ihr Leben grundlegend.

Da sie nun als gesund gilt, wird sie von ihren Angehörigen mit der Forderung konfrontiert, endlich zu „funktionieren“. Denn ausgeruht, so Carolines Familie und Freunde, habe sie sich schließlich lange genug.

Trailer: "Herzjagen"

Das TV-Drama „Herzjagen“ (Mi, 17. Juni, 20.15 Uhr im Ersten) spricht ein großes Tabuthema an: den Druck auf Kranke, gesund zu werden. Im Kern geht es dabei um folgende Fragen: Wie viel Zeit darf man sich heutzutage nach einem schweren Eingriff für die seelische Rekonvaleszenz nehmen? Wie entsteht der soziale Druck, schnell wieder fit zu sein? Behindert er nicht zusätzlich das ganzheitliche Gesundwerden? „Meine Figur boykottiert das Funktionierenmüssen auf ihre eigene Art“, verrät Martina Gedeck im GOLDENE KAMERA Interview. „Sie versucht, nicht nett und sympathisch zu sein, stellt alles infrage, was ihr bisheriges Leben ausgemacht hat.“

Durch die Dreharbeiten, so die 58-Jährige, habe sie einiges gelernt: „Ich wusste etwa nicht, dass es ein Krankheitsbild gibt, bei dem man nach einer schweren OP nicht wieder in sein vorheriges Leben zurückfindet.“

Leider könne das passieren, da der Körper des Betroffenen für kurze Zeit an eine Maschine angeschlossen war: „Das Herz wird heruntergefahren, sodass es während dieses Zeitraums nicht mehr ‚lebt‘. Sozusagen ein Lockdown des Herzens“, so Gedeck. „Es kann sein, dass danach etwas nicht mehr ‚passt‘. Dieses Empfinden auszutarieren war eine spannende Arbeit.“ Eine, die der zweifachen GOLDENE-KAMERA-Preisträgerin grandios gelingt. Heraus kam ein Film, der das Herz tief berührt.

GOLDENE KAMEA TV-Tipp, weil...

Der Film geht im Wortsinn ans Herz. Eine gelungene Verfilmung des Romans von Julya Rabinowich.