Die härtesten Gameshows der Welt

Zwei Promi-Dreierteams treten bei Steven Gätjen an.
Zwei Promi-Dreierteams treten bei Steven Gätjen an.
Foto: © ProSieben / Jens Hartmann
Beim Kampf um Zuschauer übertrumpfen sich TV-Sender weltweit schon seit Jahren mit immer verrückteren Ideen. Zum Start von Steven Gätjens „Die! Herz! Schlag! Show!“: Warum die TV-Macher auf Physical-Game-Shows setzen.

Sie liegen 60 Sekunden in einem „Vakuumsarg“, aus dem nur die Nasenspitzen herausgucken, und kämpfen mit ihrer Panik. Sie steigen in einen „Astronautentrainer“, in dem sie sich kontinuierlich drehen und so zunehmend die Orientierung verlieren, und müssen zeitgleich Rätsel lösen. Und sie balancieren auf einer schmalen Planke zwischen zwei Wolkenkratzern – in einer virtuellen Realität.

In der neuen Physical-Game-Show „Die! Herz! Schlag! Show!“ (ab Montag, 13. Juli, 20.15 Uhr, ProSieben) gehen die Kandidaten bis ans Limit. Doch im Unterschied zu den Formaten, bei denen es vor allem auf Kraft und Koordination ankommt, ist hier etwas völlig anderes gefordert: die perfekte Kontrolle des eigenen Herzschlags.

Denn wer bei Prüfungen mit fantasievollen Namen wie „Schleuderball“, „Treibsand“, „Atemlos durch die Schlacht“ oder „Verkehrte Welt“ einen zu hohen Puls hat oder seinen Herzschlag nicht mit dem seiner Teammitglieder synchronisieren kann, verliert die Matches und wertvolle Punkte.

„Die Spielregeln unserer neuen Show“, so Moderator Steven Gätjen im Interview mit GOLDENE KAMERA, „sind ganz einfach: Zwei prominente Dreierteams absolvieren neun Prüfungen plus ein großes Finalspiel. Bei jeder der Aufgaben geht es darum, seine Gegner zu schlagen. Das klappt aber nur, wenn man seinen Puls unter Kontrolle hat. Die Kandidaten müssen ihren Herzschlag steuern, also aktiv verlangsamen oder beschleunigen. Und das ist nicht leicht, denn natürlich sind die Spielideen völlig durchgeknallt und verrückt.“

Gemessen werde der Herzschlag der Teilnehmer während der Spiele mit einem Pulsmesser im Ohr sowie einem Pulsmessgürtel: „Der Reiz für den Zuschauer liegt darin, den eingeblendeten Herzschlag die ganze Zeit zu sehen.“

Zur Strafe gibt’s Stromstöße

Ein spannendes, neues Action-Spektakel also – und zugleich eine Frischzellenkur für das Genre der „Physical-Game-Shows“. Im deutschen Fernsehen sind diese Unterhaltungsformate bislang vor allem durch Sendungen wie „Ninja Warrior Germany“ oder „Big Bounce – Die Trampolin Show“ bekannt geworden.

Ihr Grundprinzip ist immer gleich: In anspruchsvollen Prüfungen wird den Kandidaten körperlich und mental alles abverlangt. Sie müssen zur Belustigung der Zuschauer klettern und hangeln, balancieren und springen, häufig ist obendrein ihr Mut gefordert. Und sie fliegen sofort raus, wenn sie an einer Prüfung scheitern – TV-Darwinismus pur.

In Gätjens Show hingegen werden sie u. a. mit Stromstößen bestraft. „Extrem großen Respekt“, so der Moderator zu GOLDENE KAMERA, „habe ich persönlich vor der Prüfung mit der Vakuumbox. Denn dabei müssen die Kandidaten nicht nur gegen ihre Angst vor Sauerstoffmangel ankämpfen, sondern obendrein auch ihre Panik besiegen und einen niedrigen Puls bewahren.“

Die Verantwortlichen bei ProSieben setzen natürlich darauf, mit Gätjens „Herz! Schlag! Show!“ einen echten Quotenhit im Portfolio zu haben. Garantiert ist das jedoch nicht. Ganz egal ob eigens für den deutschen TV-Markt entwickelt oder aus dem Ausland adaptiert – längst nicht jede Physical-Game-Show konnte die Zuschauer hierzulande überzeugen.

„Superhero Germany“ etwa, ebenfalls von ProSieben entwickelt, fiel in der Primetime durch, und auch „Schlag den Besten“ (ebenfalls ProSieben) sowie „Wild im Wald“ (RTL 2) sind im Archiv der Sender verschwunden und beim Publikum vergessen.

1. Folge der Gameshow "Wild im Wald"

Internationale Vorbilder

Ganz anders als erfolgreiche internationale Vorbilder, die in ihren Heimatländern teils schon seit vielen Jahren eine treue Fangemeinde nach der Devise „Härter, krasser, wilder!“ unterhalten. Tatsächlich kommen die härtesten Gameshows der Welt vor allem aus Japan und den USA.

Ihr Erfolgsgeheimnis: harte Qualifyings und K.o.-Duelle (wie z. B. beim US-Format „Tough Mudder“), extrem schwierige Finalprüfungen (z. B. in Japan bei „Sasuke“), Mega-Jackpots (z. B. bei „American Ninja Warrior“) sowie natürlich reichlich Anlass zur Schadenfreude (wie etwa bei „Wipeout“). Und nicht zuletzt gehören dazu Alltagsathleten, die in der Show über sich hinauswachsen und zum Mitfiebern vor dem Bildschirm geradezu zwingen.

Von alldem hat Steven Gätjens neue Show einiges zu bieten, wie GOLDENE KAMERA vorab sehen konnte. Hit-Potenzial ist durchaus vorhanden, auch dank bekannt ehrgeiziger Promis wie Mario Basler und Thorsten Legat unter den Kandidaten. Gätjen jedenfalls verspricht: „In meiner Show soll jeder an sein Limit kommen.“ Mögen die Spiele beginnen!

Die 9 härtesten Gameshows der Welt

  • "Wipeout"
"Wipeout" Best-of

Die Kandidaten müssen in einer vorgegebenen Zeit einen Parcours aus diversen Landschafts- und Wasserhindernissen bestehen. Im April wurde bekannt, dass die US-Show demnächst auf TBS zurückkehrt – inklusive des fiesen wie beliebten Hindernisses „Big Balls“.

  • "Tough Mudder"
Der Parcours von "Tough Mudder" 2019

Ganz schön schmutzig: Auf CBS sind die US-Zuschauer dabei, wenn Kandidaten einen ganzen Tag einen schlammigen Hindernisparcours absolvieren.

  • "Sasuke"
"Sasuke" Trailer

Aus Japan stammt die „Mutter“ aller Physical-Game-Shows: 100 Kandidaten turnen, hangeln und sprinten durch einen Action-Parcours. Läuft seit 1997.

  • "American Ninja Warrior"
Bei "American Ninja Warrior" tritt auch schon mal ein Marshmello an

Schon seit 2009 gibt es den US-Ableger des japanischen Formats „Sasuke“. Neben absoluter Fitness ist hier auch der Mut der Kandidaten gefordert.

  • "Kunoichi"
So läuft's in "Kunoichi"

Achtung, nur für Frauen! Im weiblichen „Sasuke“-Ableger (seit 2001) versuchen Japanerinnen, raffinierte Hindernisse mit "Viking: The Ultimate Obstacle".

  • "Viking: The Ultimate Obstacle"
"Viking: The Ultimate Obstacle" von 2005

Diese japanische Show suchte von 2005 bis 2007 den „perfekten Wikinger“. Brutalste Hürde: der Weg mit einer Metallstange durch ein Elektro-Labyrinth.

  • "Most Extreme Elimination Challenge"
Hinter den Kulissen von "Most Extreme Elimination Challenge"

US-Comedy mit Footage des japanischen „Takeshi’s Castle“. Die Action-Show mit den verrückten Hürden feiert immer irgendwo auf der Welt ein Comeback.

  • "Gaki no Tsukai"
"Batsu"-Challenge von "Gaki no Tsukai" (OmU)

24 Stunden durften vier Japaner nicht lachen – egal in welche Situation die Show sie brachte. Bei „Batsu“-Challenges droht Bestrafung! Für viele Japaner ist das Silvesterspecial zur jährlichen Tradition geworden.

  • "Killer Karaoke"
"Killer Karaoke" - Dogs Attack

Sie werden von Hunden attackiert oder mit Wachs enthaart – und müssen zeitgleich singen. Die Show von Steve-O („Jackass“) lief bei truTV in den USA.

TV-Dinos: Diese Shows laufen schon ewig im TV