Medizin-Talk mit Dr. Johannes Wimmer

Dr. Johannes Wimmer (37)
Dr. Johannes Wimmer (37)
Foto: © Peter Lund
In Zeiten, in denen sich Menschen zunehmend um ihre Gesundheit sorgen, Expertenrat gefragt und Therapien diskutiert werden, startet der erste Medizin-Talk mit Dr. Johannes Wimmer im NDR Fernsehen.

Der Hamburger Mediziner schafft es immer wieder seine Zuschauer mit Witz und unkomplizierten Worten zu begeistern. Er erklärt Medizin so, dass es jeder versteht. Begonnen hat er mit dieser Passion auf YouTube. In seinen Erklärvideos behandelt er jedes gesundheitliche Problem, auch solche, die sich Patienten nicht trauen im Behandlungsraum anzusprechen. Das machte ihn zum bekanntesten Internetmediziner Deutschlands. Auch das Fernsehen wurde auf ihn aufmerksam.

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So begeistert er seit 2015 Fernsehzuschauer mit seinen Tipps im NDR-Gesundheitsmagazin "Visite". Ein Jahr später bekommt er mit "Dr. Wimmer - Wissen ist die beste Medizin" seine eigene Sendung. Eben noch moderierte er "Die Dr. Wimmer Show" auf Sat.1, nun folgt "Dr. Wimmer Talk – Wissen ist die beste Medizin" (ab dem 14. Juli, immer dienstags um 21.00 Uhr im NDR). Mit seinen Gästen geht er ungewöhnlichen Fragen nach, spricht mit Betroffenen und Experten, die Gesundheitstipps geben.

Was die Zuschauer noch erwartet und wie er es von YouTube ins Fernsehen geschafft hat, erzählt Dr. Johannes Wimmer im Gespräch.

Interview mit Dr. Johannes Wimmer

Welche Themen werden Sie in Ihrer neuen Sendung behandeln?

Wir sprechen darüber wie jeder von uns ohne viel Aufwand ein heldenhafter Ersthelfer werden kann und geben einen kleinen Crash-Kurs in der Sendung. Dazu gibt es noch ein Erste-Hilfe Geheimtipps vom Profi. Außerdem geht es um das brandaktuelle Thema Lunge und wie wir unsere Gesundheit mithilfe der richtigen Atemtechnik fördern.

Neben weiteren Ärzten werden auch viele Betroffene in der Sendung zu Gast sein, die von ihren Erfahrungen berichten werden. Unter anderem kommt zum Beispiel eine ehemalige Krankenschwester zu Wort, die unter dem Druck der Nachtschichten und Unterbesetzung ins Burnout geraten ist. Sie erklärt, worauf jeder von uns achten sollte.

Aber auch unterhaltsame Themen, wie die medizinischen Unterschiede von Mann und Frau, behandeln wir in der Talkshow und machen ein sogar ein kleines Quiz. So ist für absolut jeden etwas dabei.

Warum gerade ein Talk-Format zu diesen Themen?

Jeder spricht doch über seine gesundheitlichen Probleme und alle würden zu gerne wissen, was denn nun die Ärzte privat, also selbst, machen würden, wenn es zwickt und zwackt. Was würde sich da also besser eignen als eine Talkshow? Hier kommen Patienten und Ärzte zu Wort und sollte es zu Unklarheiten kommen, bin ich ja noch da, der übersetzen kann.

Und man muss ja ganz ehrlich sagen: in der Medizin gibt es selten schwarz und weiß. Die Medizin entwickelt sich stetig weiter. Durch den Talk mit den Ärzten sind wir dann alle auf dem neuesten Stand.

Gibt es einen Gast, auf den Sie sich besonders freuen?

Ich freue mich natürlich auf all meine Gäste. Diese sind teilweise so unterschiedlich, da ist für jeden was dabei. Mit einem Gast zum Beispiel habe ich sogar zusammen studiert und viel „gelitten“ (lacht): Dr. Lüder Warnken. Er ist mittlerweile Notmediziner und Comedian und gemeinsam können wir über Erlebtes in Sachen Erste Hilfe berichten und diskutieren.

Die Talkshow wird begleitet von einem YouTube-Channel. Welche Inhalte werden wir dort zu sehen bekommen?

Auf dem YouTube-Channel wird das passieren, was ich liebe: mit den Menschen direkt in Kontakt zu kommen. Ich spreche über die Kommentare der Zuschauer, die Fragen, die sie sich nicht trauen ihrem Arzt zu stellen und erkläre auch, ob das alles so stimmt was man da bei Dr. Google findet. Zudem gibt es natürlich weiter meine Erklärvideos. Es freut mich sehr, dass diese so gut angenommen werden. Denn damit hat man auch nachts um 3 Uhr jemanden, der einem Medizin in einfachen und einfühlsamen Worten erklärt.

Sie sind mit Ihren medizinischen Erklärvideos auf YouTube zum Star der Internetmediziner geworden. Wie haben Sie herausgefunden, dass Sie als Arzt ein besonderes Talent vor der Kamera haben?

Es wäre ja schön, wenn ich ein besonderes Talent gehabt hätte. Aber auch ich habe erst einmal lernen müssen, wie das so richtig funktioniert. Ich habe nächtelang nach den Diensten geübt. Ganz ehrlich: Die ersten Videos waren gruselig, ich habe geklungen, wie ein Nachrichtensprecher aus den 70er Jahren. (Lacht) Ich dachte immer, man muss da so formell klingen, immerhin war ich doch Arzt. Und als ich völlig entnervt einem Freund ein Video zu seiner medizinischen Frage geschickt habe, habe ich gemerkt, dass „einfach locker von der Seele weg erklären“ funktioniert.

Wie kam es zu Ihrem ersten Video?

Ich habe in der Klinik in sehr kurzer Zeit so viele Menschen behandeln müssen, dass ich einfach viel zu wenig Zeit hatte ihnen klar zu erklären, was sie eigentlich haben und was sie machen können. Wenn man am Tag 80 bis 90 Patienten sieht und allen erklären will, was sie haben, merkt man eigentlich recht schnell, dass man eigentlich den Großteil zu einer Erkrankung oder Untersuchung immer wieder GLEICH erklärt. So bin ich dann drauf gekommen, dass ich doch die Basics im Video allen mitgeben kann. Danach kamen dann sehr schnell immer weitere Themen dazu, die Menschen sich nicht trauen mit ihrem Arzt oder ihrer Ärztin zu besprechen.

Wie haben Sie den Sprung von YouTube ins Fernsehen geschafft?

Ich sollte auf einer Konferenz zum Thema Zukunft des Fernsehens einen Vortrag halten. Zum eigenen Vortrag kam ich fast zu spät, da in meiner Schicht in der Notaufnahme die Hölle los war. Und dann wollte mir auf einmal jemand erklären, dass es Erklärvideos bei YouTube doch gar nicht bräuchte, da ja die Gesundheitssendungen im Fernsehen für hervorragende Aufklärung sorgen würden. Da ist mir vielleicht ein ganz klein bisschen der Kragen geplatzt und ich habe mal meine Meinung zu diesen Sendungen abgegeben. Ich war mir eigentlich sicher, dass meine TV-Karriere, ohne je begonnen zu haben, an diesem Tag beendet war. Und dann klingelt auf einmal am nächsten Tag das Telefon. Der NDR ist dran. Ob ich denn Lust hätte meine Ideen ohne die, teils kräftigen Aussagen (lacht), nochmal im Sender vorzutragen. Gesagt, getan.

Es wird viel über Corona diskutiert: Welcher medizinische Aspekt wurde aus Ihrer Sicht noch zu wenig betrachtet?

Ich befürchte, dass wir immer noch in die gleiche Falle tappen wie am Anfang der Krise. Der Fehler besteht darin, dass wir denken, wir wüssten alles und hätten dementsprechend die Kontrolle. Wenn wir uns die Menschheits-Geschichte genau anschauen stellen wir fest, dass meist Dinge so richtig schiefgelaufen sind wenn wir dachten, wir hätten die Natur, die Krankheiten oder sogar uns selbst im Griff. Ich bin gespannt, wie wir in 10 Jahren auf diese Zeit blicken werden.

Haben Sie einen Tipp, wie man sich mental stärken oder seine Psyche entlasten kann, um diese für alle mehr oder weniger belastende Krisenzeit bestehen zu können?

Meine Mutter sagt immer „Du kannst andere nur glücklich machen, wenn Du selbst glücklich bist!“ Das gilt für Krisen und für Zeiten in denen alles bestens läuft. Man muss an sich selbst denken, um für andere da sein zu können. Das heißt aber auch immer mal wieder „Nein“ zu sagen. Ohne Selbstfürsorge geht es eben nicht. Um runterzukommen finde ich Entspannungsübungen super. Meine Lieblingsübung nennt sich „Wolken am Himmel“ und die kann man gemeinsam mit mir bei YouTube machen. Nicht erschrecken, ich trage da Uniform, da ich zu der Zeit noch am Bundeswehrkrankenhaus tätig war.:

Dr. Wimmers Lieblingsübung