"Alles ist gut": Ein bedrückend realistisches Drama

Vergewaltigt vom Schwager des Chefs. In "Alles ist gut" versucht Janne, grandios gespielt von Aenne Schwarz, ein Trauma zu verdrängen.

Probleme, die man nicht sehen kann, gibt es auch nicht. Nach diesem Motto versucht Janne in "Alles ist gut" (Dienstag, 18. August, 22.45 Uhr im Ersten und bereits in der ARD-Mediathek) den Schrecken einer Vergewaltigung zu ignorieren.

Trailer: "Alles ist gut"

Darum geht's in "Alles ist gut"

Klassentreffen in München: Die Stimmung ist ausgelassen, der Alkohol fließt und Janne (Aenne Schwarz) lernt am Zigarettenautomaten Martin (Hans Löw) kennen. Die beiden verstehen sich auf Anhieb. Sie kennen beide Robert (Tilo Nest), den Schwager von Martin, bei dem dieser auch übernachten soll. Doch als sie nach der Feier Roberts Haus nicht finden können, bietet Janne Martin kurzerhand ihre Couch an.

Dieses Angebot versteht Martin falsch. Er flirtet mit Janne, sie bleibt höflich. Doch dann weicht sie ihm aus. Vorwurfsvoll fragt er: "Fühlt es sich gut an, wie Du mich hier hängen lässt?" - "Nein, fühlt sich scheiße an", erwidert sie. Seine Antwort: "Dann mach es doch einfach." Janne will nicht. Da vergewaltigt er sie.

Am nächsten Tag versucht Janne wieder in ihr altes Leben zurück zu kehren. Ihrem Freund Piet (Andreas Doehler) erzählt sie nichts von dem Vorfall. Das Paar hat es eh schon schwer. Die beiden stehen kurz vor einem Umzug nach Niederbayern. Sie haben ihre Existenz, einen Kleinverlag, verloren und Insolvenz angemeldet.

Als Robert von Jannes beruflichen Problemen hört, bietet er ihr kurzerhand einen Job als Cheflektorin an. Obwohl das bedeutet, dass sie ihrem Vergewaltiger Martin zukünftig über den Weg laufen wird, nimmt sie das Angebot an. Janne versucht alles, um das Geschehene runterzuspielen und will unter keinen Umständen als Opfer dastehen. Doch ihr Leben gerät aus den Fugen.

Hintergrund

"Alles ist gut" macht den Auftakt des diesjährigen "FilmDebüts im Ersten". Seit 20 Jahren zeigt die ARD nun schon Erstlingswerke.

Dieser erste Langspielfilm von Eva Trobisch feierte schon vor der Ausstrahlung im Fernsehen große Erfolge: Beim Locarno Festival 2018 gewann er in der Kategorie "Bestes Debüt" den Swatch First Feature Award, beim Filmfest München bekam er gleich drei Preise (u.a. in den Kategorien "Beste Regie" und Beste Schauspielerin"). Beim Studio Hamburg Nachwuchspreis 2019 gewann er als "Bester Film", beim Hamptons International Film Festival 2018 siegte er als "Best Narrative Feature". Außerdem bekam er Preise bei Festivals in Thessaloniki, Stockholm, Marrakesch und Macao verliehen. Zudem war "Alles ist gut" in der Vorauswahl des Europäischen Filmpreises.

GOLDENE KAMERA TV-Tipp, weil...

Bei einer Vergewaltigungsszene rechnet der Zuschauer mit brutalen Bildern. In "Alles ist gut" kommen sich zwei Menschen aus einer Bierlaune näher. Als die Frau weitere Intimitäten unterbinden will, passiert der Übergriff fast schon beiläufig. Das und die Art wie die Protagonistin mit dem Trauma umgeht, verstören den Zuschauer wohl stärker als die härtesten Aufnahmen. Diese täuschende Normalität verfehlt seine Wirkung nicht, sondern verstärkt das Gefühl von Hilflosigkeit.

Die wichtigen Botschaften kommen an: Zum einen muss es kein Widerling sein, der Widerliches tut. Und zum anderen ist Leid, nur weil es nicht sichtbar ist, nicht weg. Der Film tut weh.

"Alles ist gut" setzt statt auf Schockeffekte und Sensationslust auf lange Kamerafahrten, ruhige Szenen und Gespräche. Das unaufgeregte und sehr gelungene Spiel von Aenne Schwarz verleiht dem Drama zudem Authentizität. Insgesamt ein Film, der nachhaltig erschüttert.